Alles im Griff: Alisa Bendlin ist für den Zustand des Rasens in der Schüco-Arena verantwortlich. Diesem Vollzeitjob geht sie mit großer Leidenschaft nach. Der heiße Sommer in diesem Jahr habe sie vor besondere Herausforderungen gestellt. - © Christian Weische
Alles im Griff: Alisa Bendlin ist für den Zustand des Rasens in der Schüco-Arena verantwortlich. Diesem Vollzeitjob geht sie mit großer Leidenschaft nach. Der heiße Sommer in diesem Jahr habe sie vor besondere Herausforderungen gestellt. | © Christian Weische

Bielefeld Arminia Bielefeld beschäftigt die einzige Greenkeeperin Deutschlands

Für den DSC steht Alisa Bendlin vor einem Heimspiel manchmal schon um 5 Uhr morgens auf dem Grün. Der lange Sommer stellte sie vor Herausforderungen

Ingo Kalischek
22.10.2018 | Stand 21.10.2018, 14:58 Uhr

Bielefeld. Wenn’s auf dem Fußballfeld nicht so klappt, dann ist entweder der Schiri schuld, oder der Platz. In der Bielefelder Schüco-Arena lässt man zumindest die zweite Ausrede nicht mehr gelten. Denn der im Jahr 2016 verlegte Hybridrasen gilt als besonders gut und als einer der besten der Liga. Verantwortlich dafür ist eine Frau. Alisa Bendlin. Die 25-Jährige ist die einzige „Greenkeeperin" in ganz Deutschland. Alle anderen Profivereine beschäftigen Männer für ihre Rasenpflege. Dass das in Bielefeld nicht der Fall ist, liegt auf der Hand – wie ein genauer Blick zeigt. Die 25-jährige Bielefelderin hat seit ihrer Kindheit eine Verbindung zum heimischen Zweitligisten. Zehn Jahre lang kickte sie für Arminia. Erst bei den Jungen, dann bei den Frauen. Als sie 2013 eine Ausbildung als Gärtnerin in der Fachrichtung Garten- Landschaftsbau begann, spezialisierte sie sich schnell: Ein Jahr lang kümmerte sie sich bereits um die Spielflächen der Fußballvereine Darmstadt 98 und Mainz 05. Ende 2016 machte sie zusätzlich den Fachagrarwirt im Bereich Sportplatzpflege. Das kommt einem Meister-Lehrgang gleich. Den schloss sie vor drei Wochen erfolgreich ab. Ihr Bezug zum Sport kommt nicht von ungefähr. Bendlin ist verwandt mit dem ehemaligen deutschen Zehnkämpfer Kurt Bendlin aus Paderborn. „Er ist der Großcousin meines Vater", sagt die 25-Jährige. Angestellt ist sie bei der Firma Heiler. Das Bielefelder Unternehmen kümmert sich seit einiger Zeit komplett um den Zustand von Arminias Spiel- und Trainingsflächen. Es stattete die „Alm" zudem mit Hybridrasen aus – einer Mischung aus Kunst- und Naturrasen. Bendlin mäht den Rasen in der Arena vier Mal pro Woche Da lag es auf der Hand, dass Alisa Bendlin nach ihrer Ausbildung an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehrt. Nicht als Fußballerin, sondern als Greenkeeperin. Und das mache sie mit viel Herzblut, wie sie versichert. „Bei mir gibt es keine Ausnahmen." Soll heißen: Der Zustand des Rasens hat für sie oberste Priorität. Dafür investiert sie unmittelbar vor einem Spieltag bis zu 16 Stunden in die Pflege, allen voran das Mähen. Bis zu vier Mal pro Woche schneidet sie den Rasen – überwiegend auf Sitzmähern. Zwei Mal längs; zwei Mal quer. Das dauert. Spielt Arminia sonntags, wünsche sich Trainer Jeff Saibene, dass der Rasen noch am Morgen des Spiels gemäht wird. Dann komme es auch mal vor, dass Bendlin bereits um 5 Uhr mit ihrer Arbeit beginnt. Das Mähen sei wichtig; aber längst nicht alles. „Ich dünge alle vier bis sechs Wochen, wässere, liniere, säe den Platz nach und schließe regelmäßig nach den Partien und Trainingseinheiten Löcher im Boden", erklärt die Greenkeeperin. Ein Vollzeitjob. „Im Prinzip macht die Tätigkeit für Arminia den Großteil meiner Arbeit aus." Der trockene Sommer war eine große Herausforderung Der diesjährige Rekord-Sommer hat auch Bendlin vor Herausforderungen gestellt. „Wir mussten wegen der Dürre besonders aufpassen, dass der Rasen nicht krank wird." Auch Pilze wie zum Beispiel der Schneeschimmel seien manchmal ein Problem. Wichtig sei deshalb die richtige Mischung aus Düngen und Wässern. Und im Winter gelte: „Eine Rasenheizung bedeutet noch lange nicht, dass der Platz auch wirklich gut zu bespielen ist. Sie sorgt zunächst einmal dafür, dass er frostfrei ist. Um den Rest kümmern wir uns dann." Ob sie von ihren Arbeitskollegen der Firma Heiler beneidet werde? „Nee, die meisten finden Pflege langweilig. Für mich ist es aber genau das Richtige", sagt Bendlin. Ihr Unternehmen stattete bereits mehrere Bundesligisten mit dem modernen Hybridrasen aus. Für Alisa Bendlin hat ihre Arbeit noch einen weiteren Vorteil: Die frühere Kickerin darf immer hautnah mit dabei sein – und fiebert als Arminia-Fan mit den Spielern mit. Nur selber tritt sie nicht mehr hinter den Ball. „Dafür habe ich jetzt keine Zeit mehr."

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