Bielefeld Diese Stellenausschreibung verwirrt die Bielefelder - und sorgt für Streit

Stein des Anstoßes ist die neue Formulierung m/w/d

Bielefeld. Die ASB DRK JUH Rettungsdienst Bielefeld gGmbH sucht derzeit nach Notfallsanitätern und Rettungsassistenten. Eigentlich nichts, um das man sich streiten müsste. Wäre da nicht die neue Bezeichnung "m/w/d" in der Stellenausschreibung. "Notfallsanitäter (w/m/d) oder Rettungsassistenten (w/m/d)" sucht der Rettungsdienst unter anderem über Facebook. Und die Stellenanzeige irritiert. Bisher reichten die Abkürzungen w/m für "männlich" und "weiblich", um dem Vorwurf der Geschlechterdiskriminierung zu entgehen. Nun also noch ein "d". Was hat das zu bedeuten? Deutsch? Durchsetzungsfähig? Dauereinsatz? Es ist ein wenig komplizierter. Die neuen Codes (neben dem "d" für divers werden wahlweise auch das "x" oder ein "i" für intersexuell verwendet) signalisieren Geschlechtsneutralität. Die Buchstaben sind an all jene gerichtet, die sich nicht eindeutig einem bestimmten Geschlecht zuordnen lassen. Laut dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz setze sich derjenige, der das Geschlecht nicht nenne, dem Verdacht aus, dieses zu diskriminieren. Auslöser für die neuen Formulierungen ist ein spektakuläres Urteil aus dem vergangenen Oktober 2017. Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts hatte seinerzeit entschieden, dass es im Geburtenregister neben den Einträgen „männlich" und „weiblich" die Möglichkeit geben muss, ein drittes Geschlecht eintragen zu lassen. Eine intersexuelle Person (von Geburt an keinem biologischen Geschlecht zuzuordnen) hatte sich seinerzeit durch alle Instanzen geklagt. Sie wünschte, im Personenstandsregister als inter/divers bezeichnet zu werden. Die Beamten hatten sich aber geweigert. Nun zeigen sich die Auswirkungen des neuen Gesetzes. Und die Sorgen auch in Bielefeld für Verwirrung und - Ärger. Was denn das "d" zu bedeuten habe, will ein User wissen. Der User wird beleidigend - doch Rettungsdienst-Geschäftsführer Heinrich Hofmann pariert souverän: Innerbetrieblich, so Hofmann, hätten die Kollegen grundsätzlich positiv auf die Neuerung reagiert. "Bei uns arbeiten Schwule und Lesben, natürlich sind auch intersexuelle Menschen bei uns willkommen." Laut Schätzungen leben in Deutschland bis zu 120.000 Intersexuelle.  Und denen ist nun viel Aufmerksamkeit gewiss: das zeigt zumindest das Abfrageverhalten bei der Suchmaschine Google. Die Zahlen der Suchanfragen nach der Buchstaben-Kombination steigt seit Anfang 2018 massiv.

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