Eigentlich harmlos: Das Thema "Zukunft Handel" war bewusst allgemein gewählt. In der Debatte zwischen Oberbürgermeister Pit Clausen und den Altstadt-Kaufleuten Henner Zimmat und Jochen Janik (v. l.) wurde es dennoch lebhaft. - © Foto: Barbara Franke
Eigentlich harmlos: Das Thema "Zukunft Handel" war bewusst allgemein gewählt. In der Debatte zwischen Oberbürgermeister Pit Clausen und den Altstadt-Kaufleuten Henner Zimmat und Jochen Janik (v. l.) wurde es dennoch lebhaft. | © Foto: Barbara Franke

Bielefeld Zukunftsängste: Bielefelder Kaufleute fühlen sich vom Oberbürgermeister vergessen

Streitgespräch: Bei der "Knackigen Stunde" diskutieren die Einzelhändler über den Verkehrsversuch am Jahnplatz und Sonntagsöffnung. Dabei treten unterschiedliche Sichtweisen zu Tage

Carsten Heil

Bielefeld. Die Kaufleute aus der Altstadt haben Oberbürgermeister Pit Clausen gehörig in die Zange genommen. Weder beim Verkehrsversuch am Jahnplatz noch bei der Neuregelung der verkaufsoffenen Sonntage seien die Händler einbezogen worden, so ihr Vorwurf. Clausen wehrt sich nach Kräften. Anlass des Aufeinandertreffens ist die vierte "Knackige Stunde", die der neue Vorstand der Kaufmannschaft unter Vorsitz von Henner Zimmat jetzt monatlich anbietet. Clausen sagt zu, den Interessen des Einzelhandels in der Stadt Rechnung zu tragen: "Wir halten an unserem Einzelhandelskonzept fest, werden Handel nicht auf der grünen Wiese, sondern nur in integrierten Räumen zulassen, also dort, wo schon Handel stattfindet." Das Loom sei nur in der Innenstadt, nicht in den Außenbezirken möglich gewesen, so sein Beispiel. "Stimmung in der Altstadt schlecht" Zweitens müsse den veränderten Bedürfnissen der Käufer Rechnung getragen werden. Clausen. "Die Menschen müssen Lust haben, in die Stadt zu kommen." Erreichbarkeit sei so wichtig wie Aufenthaltsqualität. Deshalb sei auch der Zulieferverkehr neu zu denken. "Es ist nicht förderlich, wenn stinkende Lieferwagen in der Fußgängerzone stehen", so der Oberbürgermeister. Beim Thema "Erreichbarkeit" haken die 20 Kaufleute ein. "Die Stimmung in der Altstadt ist mehr schlecht", sagt Mark Sölter (Möbelhändler Classic House). Die Altstadt sei seit dem Beginn des Verkehrsversuches schlecht zu erreichen. Das berichteten auch seine Kunden. Jochen Janik (Modehaus Form Fünf) beklagt, dass Angebote der Händler auf Mitgestaltung von der Stadt nicht ernst genommen würden. Und: "Wir leben mit der Unsicherheit darüber, wie es weitergeht." Auch während des Verkehrsversuches müsse der Einzelhandel Geld verdienen. Er fordert erneut einen Runden Tisch. "Ich erwarte mehr Rücksichtnahme" Thomas Renken (Optik Renken) zieht die Datenbasis des Verkehrsversuches in Zweifel: "Haben Sie eigentlich die Zahlen, wie der Verkehr in den Nebenstraßen rund um den Jahnplatz vor dem Versuch aussah?" Nur dann könne man doch etwas zum Ergebnis feststellen. Da muss Clausen passen. Wie Verkehr und Stickoxid-Werte in Turner-, Körner-, Viktoria- und Friedrich-Verleger-Straße vor dem Versuch waren, müsste die Verwaltung wissen, so die Antwort. Clausen: "Aber am Jahnplatz läuft es nach meiner Beobachtung gut." Er verweist nochmal darauf, dass die Stadt wegen der schlechten Stickoxid-Werte am Jahnplatz zu Maßnahmen gezwungen gewesen sei. Direkt wird Olaf Klötzer (Feinkost Klötzer): "Der Handel wird nicht mitgenommen. Es geht doch gar nicht um Messergebnisse und Grenzwerte. Sie wollen die Autos vom Jahnplatz verbannen. Da erwarte ich mehr Rücksichtnahme auf den Einzelhandel und nicht das Durchdrücken von Entscheidungen." Da wird Clausen gerade: "Wir haben nichts durchgedrückt." Das Thema werde seit Jahren in der Öffentlichkeit diskutiert, die Presse berichte darüber und am Ende entschieden die demokratisch gewählten Gremien. Hoffnung für Sonntags-Shopping Auch beim Thema Sonntagsöffnung gibt`s Missmut bei den Altstadt-Einzelhändlern. Wieder ist es Klötzer, der in die Offensive geht. "Unser Konzept für Flirt mit dem Frühling 2019 ist schlicht abgeschmettert worden. Dabei hätten wir mehr daraus machen können." Da immerhin kann Clausen beruhigen. Lediglich die Sonntagsverkäufe für 2018 - vom Advent abgesehen - seien gestrichen. "Für 2019 ist noch nichts entschieden." Da könnten die Kaufleute noch bis zum 30. November an einem verbesserten Konzept feilen. Die Stadt stehe gern mit Hilfen zur Seite, um den rechtlichen Vorschriften gerecht zu werden.

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