Top-Fußballer, Top-Entertainer: Ansgar Brinkmann beim Auftritt im Bielefelder Westen. - © Barbara Franke
Top-Fußballer, Top-Entertainer: Ansgar Brinkmann beim Auftritt im Bielefelder Westen. | © Barbara Franke

Bielefeld Ansgar Brinkmann erzählt über fliegende Fernseher und Arminias Saisonstart

Kurzweiliger Auftritt im Heimat+Hafen

Heimo Stefula

Bielefeld. Ganz relaxed lustwandelt er in einer grauen schlabbrigen Jogginghose vor seinem Auftritt in der "Heimat+Hafen"-Spelunke an der Stapenhorststraße über den Siegfriedplatz, trifft Leute und posiert ganz geduldig für ein paar Selfies. Tiefenentspannung hat einen Namen – und Volksnähe auch: Ansgar Brinkmann. Die Kultfigur. „Ich hab’ keine Ahnung, was da gleich auf mich zukommt", verrät er. „Den Marc-Oliver „Katze" Schuster hab’ ich nur einmal auf der Alm getroffen". „Schaun mer mal", wie ein Fußballkollege Ansgars, kaiserlichen Geblüts, es mal formulierte. Und „Katze" sagte mal in einem Interview mit der Lippischen Landeszeitung: "Es kommt immer auf einen guten Start an" - und meint damit seine Auftritte als Slammer und Wortakrobat in der Region, in der Republik. Und dieser Start ist mal so richtig in die Hose gegangen. Legat ist "Fußballer und Hooligan" „Wette gewonnen!", ruft „Katze" freudig, als der Uhrzeiger die Acht überschritt. Ansgar ist nicht da. Er hatte gegen Arminias Spielbetriebsleiter Christian Venghaus gesetzt, dass Ansgar Brinkmann es nicht pünktlich schaffen wird. Worum ging’s bei der Wette? Um die Ehre - wie langweilig! Auch anfängliche technische Schwierigkeiten wie Mikro-Rückkopplungen und Kabel-Wirrwarr vermiesten den Start. Ansgar würde sagen, was er mehrmals am Abend sagte: „Scheiß drauf!" Ansgar war kurzzeitig im Casa an der Karl-Eilers-Straße versackt – kann ja mal vorkommen – aber irgendwann stand er dann doch auf der Bühne im voll besetzten „Heimat+Hafen". Ursprünglich sollte diese Veranstaltung am Freitag stattfinden, nur war diese so schnell ausgebucht, dass der Veranstalter „Vibra Agency" den straßenköterblonden Fußballgott noch einmal buchte. Ist ja egal – Ansgar ist ohnehin dauernd im Bielefelder Westen unterwegs. Ansgar im Dschungel? Kloppo guckt jede Folge Der strohblonde „Katze" Schuster stellt Fragen, Ansgar antwortet, mittlerweile bekleidet mit einer verwaschenen Jeans. Er plaudert aus dem Nähkästchen – Late Night Talk. „Mit dem Effe sollte man besser nicht Fahrstuhl fahren", weiß Ansgar. Gemeint ist Stefan Effenberg. Und „Torsten Legat ist Fußballer und Hooligan in einer Person", scherzt er. Mit Jürgen Klopp hatte er in Mainz ein Hotelzimmer, aber weil ihm das Ende eines Films nicht gefiel, während Kloppo in seinen Büchern vergraben war, warf er den Fernseher einfach aus dem Fenster. „Es war aber nur ein kleiner Fernseher", beruhigte Ansgar die Gemüter. „Der Jürgen ist wirklich ein guter Freund, als ich ihm sagte, dass ich ins Dschungelcamp gehe, sagte er nur: ’Du? Das ist Weltklasse! Ich gucke jede Folge’". Ansgar kommt in Fahrt: „Ich hatte 39 Trainer und mit allen Krieg", bemerkt er grinsend. Wo Arminia am Saisonende landet Ansgar Brinkmann ließ sich zeitlebens nicht verbiegen, blieb immer authentisch, hatte stets „die Hosen an". „Hey Trainer, behalt deine Taktik für dich, ich hab’ meine eigene",oder „ob du Trainer auf der Bank sitzt oder der Busfahrer, ist egal!" Ansgars „Street credibility", der Staub der Straße, kommt gut an. „Wo steht Bielefeld in einem Ranking von 1 bis 10?", fragt „Katze". „Ganz weit oben", antwortet Ansgar nach längerem Zögern und da offenbart sich seine Schwäche: so richtig festlegen mag er sich nicht, er will jedem gefallen, Positionierung ist nicht sein Ding. Aber immerhin, seine Saisonprognose für den DSC fällt überraschend positiv aus: die ersten drei-vier-fünf Plätze! Das klingt nach Perspektive. Und immerhin: als er den Namen einer unbedeutenden Stadt im Flachland westlich von Bielefeld kurz vor der holländischen Grenze erwähnte, biss er sich verstohlen auf die Lippen: „Ich meinte natürlich Mxxster". Jogginghose verschwindet - aber wo? Ansgar Brinkmann, einer der letzten echten Typen des Fußballs, einer, der sich noch blutige Knie auf dem Asphalt geholt hat, genoss sichtlich einen kurzweiligen Kurzpassspiel- Abend mit Marc-Oliver Schuster im „Heimat+Hafen". Schuster hätte mal die Blutgrätsche einsetzen können, hätte aber auch nichts genutzt, denn Ansgar sagt: "Ich hatte immer Bock auf Fußball." Bleibt am Ende nur die Frage, wo zum Teufel zwischen Siggi, Casa und „Heimat+Hafen" der Fußballgott seine Jogginghose in eine Jeans getauscht hat.

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