0
"WT 1,20m": Im neuen Almbad misst die flachste Stelle 1,20 Meter Wassertiefe. Hinter der Eingewöhnungstreppe können viele Kinder deshalb nur auf Zehenspitzen oder gar nicht stehen. Für die Sicherheit der Kinder werden deshalb Nachbesserungen gefordert. - © Andreas Zobe
"WT 1,20m": Im neuen Almbad misst die flachste Stelle 1,20 Meter Wassertiefe. Hinter der Eingewöhnungstreppe können viele Kinder deshalb nur auf Zehenspitzen oder gar nicht stehen. Für die Sicherheit der Kinder werden deshalb Nachbesserungen gefordert. | © Andreas Zobe

Bielefeld Neues Almbad zu tief: Kinder vom Schwimmunterricht ausgeschlossen

Becken ist für Nichtschwimmer zu tief

David Knapp
05.10.2018 | Stand 05.10.2018, 08:02 Uhr

Bielefeld. Die Freude über das neue Lehrschwimmbecken in der frisch eingeweihten Almsporthalle währte nicht lange. Denn zu Beginn des neuen Schuljahres Anfang September mussten die Grundschulen feststellen: Für Kinder, die noch nicht schwimmen können, ist das Becken selbst an der flachsten Stelle zu tief für einen sicheren Schwimmunterricht. Das Becken im alten Stapenhorstbad maß an der flachsten Stelle eine Tiefe von 80 Zentimetern. Im neuen Becken beträgt die Eingangswassertiefe 1,20 Meter, was auf Unverständnis bei Grundschulen, Sportvereinen und Eltern stößt. "Nichtschwimmer werden so ausgeschlossen", sagt etwa Lena Jeckel, Mutter eines Grundschulkindes an der Bültmannshofschule. So müssten einige Kinder der dritten Klassen alternativen Sportunterricht besuchen, erklärt sie stellvertretend für mehrere Eltern. Ihr Sohn sei indes nicht betroffen. Gerade aufgrund der engen Kapazitäten in den Bädern sei eine schnelle Lösung zu finden Momentan wird das Almbad von sechs Grundschulen und der Leineweberschule für den Schwimmunterricht genutzt. Zudem besuchen Kinder von drei Grundschulen dort Kurse aus dem Angebot der offenen Ganztagsschule (OGS). Unzufrieden über die aktuelle Situation ist auch Meinhard Schinner. Der Sportlehrer ist Mitglied im Vorstand des TSVE Bielefeld. Über die OGS an der Stapenhorstschule ist der Verein dort mit dem freiwilligen Schwimmunterricht betraut. "Das kann keine Dauerlösung sein", sagt Schinner. Die neue Wassertiefe erfordere während der Kurse mehr Aufmerksamkeit, eine engere Betreuung. Das Konzept mit einem Flachwasserbereich habe sich in der Vergangenheit bewährt. Umso unverständlicher sei jetzt die neue Tiefe des Beckens. "So wie das alte Bad war, wäre es optimal gewesen. Ich habe erwartet, dass es eins-zu-eins so umgesetzt würde." Schinner und weitere Vertreter von Vereinen und Schulen nahmen im Herbst 2015 an einer Besprechung über den Neubau der Almsporthalle teil. In einem Protokoll, das die Besprechungsergebnisse zusammenfasst, heißt es: "Das vorhandene Schwimmbad ist in der derzeitigen Form für die diversen Nutzer optimal. (...) Bei Beibehaltung der Wasserfläche sollte das neue Schwimmbad analog dem Bestandsbad errichtet werden." In einem Unterpunkt listet das Protokoll allerdings auch variierende Wassertiefen von zwei Metern im Schwimmerbereich bis auf 1,35 Meter im Nichtschwimmerbereich auf. Laut der Stadt sei die Wassertiefe aufgrund der Eingewöhnungstreppe gleichmäßig auf 1,20 Meter verringert worden. Diese Planungsänderung sei über das Amt für Schule und das Sportamt an die beteiligten Schulen und Vereine zur Kenntnis weitergeleitet worden: "Vermutlich immer noch mit der Vorstellung in den Köpfen, dass das neue Becken 1:1 dem alten gleichen sollte, wurden diese Mitteilungen nicht mehr hinterfragt", heißt es in einer Stellungnahme der Stadt. Die Änderungen wurden den Grundschulen erst jetzt, drei Jahre später, bewusst. "Zuvor waren die Grundschulen nicht über eine Veränderung der Wassertiefe informiert", erklärt die Stadt weiter. Eine bauliche Nachbesserung wird seitens der Stadt bisher nicht favorisiert: "Nachträglich eine Beckentiefe zu korrigieren, würde zu betrieblichen oder technischen Herausforderungen führen. Darum werden organisatorische Lösungen geprüft, bevor ernsthaft über technische Alternativen nachgedacht wird." Organisatorische Lösungen wären etwa Busfahrten zu anderen Bädern. Meinhard Schinner fordert, dass jetzt "alle Beteiligten an einen Tisch geholt werden". Gerade aufgrund der engen Kapazitäten in den Bädern sei eine schnelle Lösung zu finden.

realisiert durch evolver group