Einsatzkräfte betreuten die Kinder, nachdem sie von der Feuerwehr befreit und ans Tageslicht gebracht worden waren. - © Sarah Jonek
Einsatzkräfte betreuten die Kinder, nachdem sie von der Feuerwehr befreit und ans Tageslicht gebracht worden waren. | © Sarah Jonek

Bielefeld Bei brütender Hitze: 15 Kinder stecken 50 Minuten in Fahrstuhl fest

Aufzugs-Horror an Stadtbahnstation: Großeinsatz für Feuerwehr und Retter ausgelöst

Dennis Rother
20.09.2018 | Stand 21.09.2018, 13:58 Uhr |

Bielefeld. Bei brütender Hitze dicht gedrängt in einem Fahrstuhl festsitzen – das ist ein Albtraum für viele. 15 Kindern und Jugendlichen passierte das jetzt. 50 Minuten kamen sie nicht raus. Offenbar waren sie am Steckenbleiben aber nicht unschuldig. Die brenzlige Lage löste einen Großeinsatz für Feuerwehr, Sanitäter und Notärzte aus. Das Ganze ereignete sich am Donnerstagnachmittag an der Ecke Herforder Straße/Beckhausstraße. Die Schüler, 13 bis 15 Jahre alt und untereinander großteils bekannt, wollten gegen 15 Uhr mit dem Aufzug an der dortigen Stadtbahnstation von der Straßenebene zu den unterirdischen Gleisen der Linie 2 gelangen. Der Aufzug ist für zwölf Personen ausgelegt. Scheiben schon beschlagen Er fuhr los – setzte nach einigen Metern in der Etage tiefer aber mutmaßlich wegen eines technischen Defekts nicht richtig auf. Es fehlten etliche Zentimeter. Die Sicherheitsglastür öffnete sich nicht. Die Kinder waren zusammengequetscht gefangen. Das Geschehen im Aufzug verfolgten zu diesem Zeitpunkt bereits Mitarbeiter der MoBiel-Verkehrszentrale in Sieker auf Bildschirmen, denn die Kinder hatten im Aufzug fast schon beim Einsteigen – ungewollt oder nicht – den Alarmknopf betätigt. Das berichtet MoBiel-Sprecherin Yvonne Liebold. In der Leitstelle hatten die Mitarbeiter anschließend per installierter Videokamera gesehen, dass „die Kinder im überfüllten Aufzug hüpften", so Liebold weiter. Das sei der Grund fürs Steckenbleiben gewesen. Heißt auch: Schadenersatzforderungen sind möglich. Die brenzlige Lage im beengten Raum drohte sich Minute für Minute zuzuspitzen. Nicht selten bricht in solchen Situationen Panik aus. Helfer des Sicherheitsdienstes Trias, im Einsatz für MoBiel, rückten sofort aus und waren als Erste vor Ort. Sie öffneten mit einem Keil die Aufzugstür zumindest einen Spalt. Sie wedelten den Kindern Luft zu, denn die Scheiben waren bereits beschlagen. Retter aufs Schlimmste vorbereitet Befreien konnte die Kinder letztlich erst die verständigte Feuerwehr. Die Einsatzkräfte zerschlugen das Sicherheitsglas mit einem sogenannten Halligantool, ein Spezial-Brechwerkzeug. Das Glas splitterte, die Tür konnte am Stück entfernt werden. Die Schüler kamen körperlich unversehrt raus ans Tageslicht, berichtete Einsatzleiter Peter Palsbröker. „Es ging für die Rettungskräfte dann hauptsächlich darum, die Kinder zu beruhigen. Viele waren logischerweise sehr aufgeregt, außerdem war es im Fahrstuhl sehr heiß." Im Außenbereich einer Shisha-Bar an der Straßenkreuzung betreuten Sanitäter die teils angeschlagenen Kinder, sprachen mit ihnen, begutachteten ihren Gesundheitszustand. Einige zeigten Symptome eines leichten Schocks, ins Krankenhaus musste aber niemand. Nach ersten Erkenntnissen ging also alles offenbar glimpflich aus. Gegen 17 Uhr wurden die ersten Betroffenen von ihren Eltern abgeholt. Einige fuhren sogar mit der Stadtbahn heim. Straßen gesperrt Genug Einsatzkräfte, um selbst einen Ernstfall mit etlichen Verletzten zu bewältigen, waren indes vor Ort: Für die Feuerwehr lief der Einsatz zunächst unter dem Stichwort „MANV 2", also „Massenanfall von Verletzten", Stufe 2. Das heißt intern, dass von mehr als vier Verletzten ausgegangen wird, so Einsatzleiter Peter Palsbröker. „50 bis 60 Einsatzkräfte waren alarmiert." Neben der Berufsfeuerwehr war etwa die Löschabteilung West ausgerückt, Sanitäter und Rettungsdienste hätten Unterstützung von gleich drei Notärzten sowie einem leitenden Notarzt gehabt. Das Gute: Längst nicht alle von ihnen mussten eingreifen. Der Großeinsatz an der vielbefahrenen Kreuzung sorgte im Nachmittags- und Feierabendverkehr für erhebliche Störungen: Die Herforder Straße war ab 15.58 Uhr in Fahrtrichtung City gesperrt, in die Beckhausstraße konnte auch keiner mehr abbiegen. Autos wurden von der Polizei stadtauswärts über die Walter-Rathenau-Straße umgeleitet. Um 16.58 Uhr floss der Verkehr wieder.

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