Im Labor: Daniel Urbisch forscht beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen zu experimentellen Alternativmethoden, die Tierversuche ersetzen sollen. Jetzt ist der 34-Jährige in der Kategorie Nachwuchsforschung für den Lush-Preis nominiert worden. - © BASF
Im Labor: Daniel Urbisch forscht beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen zu experimentellen Alternativmethoden, die Tierversuche ersetzen sollen. Jetzt ist der 34-Jährige in der Kategorie Nachwuchsforschung für den Lush-Preis nominiert worden. | © BASF

Bielefeld/Ludwigshafen Für Preis nominiert: Bielefelder Forscher entdeckt Alternative zu Tierversuchen

Der gebürtige Baumheider interessiert sich seit seinem Chemiestudium für Möglichkeiten, Tierversuche zu vermeiden

David Knapp

Bielefeld/Ludwigshafen. Seit seinem Chemiestudium an der Universität Bielefeld interessiert sich Daniel Urbisch für alternative Möglichkeiten, um Tierversuche zu vermeiden: "Seit dieser Zeit finde ich das Thema hochspannend", berichtet Urbisch, der mittlerweile bei BASF in Ludwigshafen arbeitet. Nach Bachelorabschluss in Bielefeld und einem Master in Toxikologie an der Universität Düsseldorf folgte die Promotion beim Chemiekonzern aus der Pfalz. Für seine Forschung wurde der 34-Jährige gebürtige Baumheider nun für den Lush-Preis des gleichnamigen britischen Kosmetikherstellers in der Kategorie Nachwuchsforschung nominiert. Der Preis, der zum sechsten Mal ausgelobt wird, zeichnet Forscher aus, die sich gegen Tierversuche einsetzen und nach wissenschaftlichen Alternativen suchen. "Es ist ein bekannter, renommierter Preis, der mir zuvor schon durch Kollegen bekannt war", sagt Urbisch. Der Preis sei dafür bekannt, dass für eine Nominierung nur Projekte in Betracht kommen, die dem "3R-Prinzip" entsprechen. Tierversuch wird komplett ersetzt Vereinfacht gesagt bedeutet das, die Belastung für Tiere wird nicht nur minimiert, sondern der Tierversuch wird durch eine neue Methode ersetzt. Bei seiner Forschung geht es insbesondere darum, mittels alternativen Ansätzen Hautsensibilisierer zu identifizieren, durch die Tierversuche vermeidbar werden. Unter Hautsensibilisierungen sind Reaktionen des Menschen auf bestimmte Fremdstoffe zu verstehen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist nickelhaltiger Schmuck, der nach einer Sensibilisierung zu allergischen Reaktionen führt. Hautrötungen und Bläschen können die Folge sein. Um solche hautsensibilisierenden Stoffe zu identifizieren, waren Tierversuche an Mäusen und Meerschweinchen bisher die übliche Methode. Dabei wurde den Mäusen die zu untersuchende Substanz am Ohr aufgetragen. Über einen radioaktiven Marker konnten nach einigen Tagen aus den Lymphknoten Rückschlüsse über die Hautsensibilisierung gezogen werden. Vor der Entnahme der Lymphknoten mussten die Mäuse allerdings getötet werden. Tieren wird großes Leid erspart Bei dem von Daniel Urbisch und seinem Team entwickelten Prüfverfahren kommen die Nager gar nicht mehr zum Einsatz: "Dadurch ersparen wir den Tieren großes Leid", sagt Urbisch. "Wir konnten bereits eine Teststrategie etablieren, die den Tierversuch vollständig ersetzt." Urbisch hat in seiner Doktorarbeit die Eignung von Alternativmethoden sowie deren Vor- und Nachteile analysiert. Einen Datensatz mit experimentellen Alternativmethoden verglich er mit bereits publizierten Tierversuchs- und Humandaten. Aus diesen Erkenntnissen konnten die Forscher letztlich eine Teststrategie entwickeln, die mithilfe von Zelltests sogar präzisere Vorhersagen trifft als es bei Tierversuchen der Fall ist. Das ist möglich, weil die Ergebnisse aus den Tests mit Mäusen nicht eins zu eins auf den Menschen übertragbar sind. So haben Urbisch und sein Team eine Strategie entwickelt, die in Zukunft als Ersatz für Tierversuche die Bewertung von Chemikalien in Europa und den USA vornehmen kann. Sollte der gebürtige Baumheider am 16. November von der Jury in Berlin mit einem Preisgeld bedacht werden, würde dieses in die Überprüfung der bisherigen Ergebnisse fließen.

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