Der Moskauer Cirkus kommt mit seinen Tigern nach Bielefeld - und wird scharf kritisiert. - © Pixabay
Der Moskauer Cirkus kommt mit seinen Tigern nach Bielefeld - und wird scharf kritisiert. | © Pixabay

Bielefeld "Stadt vollgemüllt": Protest gegen Zirkus in Bielefeld

Tiere: Der Moskauer Circus gastiert für zehn Tage auf dem Gleisdreieck. Bei einigen sorgt er bereits im Vorfeld für Kritik

Ingo Kalischek

Brackwede. Der Zirkus kommt nach Bielefeld – und das bedeutet Aufregung. Auf der einen Seite sind da begeisterte Familien und leuchtende Kinderaugen. Auf der anderen Seite demonstrierende Tieraktivisten und laute Kritiker. Zirkus polarisiert. Und auch das Gastspiel vom Moskauer Circus auf dem Festplatz Gleisdreieck sorgt für Diskussionen. Dass der Zirkus vom 14. bis 23. September in Brackwede gastiert, wird in der Stadt gut deutlich. An vielen Stellen kleben Plakate, die auf das Programm hinweisen, auch in Brackwede. »Zirkus hat kein Recht, unsere Stadt zuzumüllen« Das ärgert Ratsherr Michael Gugat: „Alleine auf den 500 Metern von der Pauluskirche bis zum Kesselbrink habe ich 14 Plakatierungen auf Stromkästen, Telefonzellen, Ampeln und sogar Verkehrsschildern entdeckt", sagt er. „Bielefeld scheint flächendeckend damit verschandelt zu sein." Gugat hält das für respektlos und unseriös – und habe das in dieser Form noch nicht erlebt. „Das Wirtschaftsunternehmen ’Zirkus Moskau’ hat kein Recht, unsere Stadt zuzumüllen, es muss sich an Regeln halten." Ricardo Kreuz vom Moskauer Circus fragt auf Anfrage: „Was heißt hier Wildplakatieren?". Der Zirkus zahle Geld, um auf Flächen für sich zu werben. „Irgendetwas müssen wir ja tun, um auf uns aufmerksam zu machen und aufzufallen. In der Stadt hängt eh schon alles voll." Beim Amt für Verkehr heißt es, dass dem Zirkus 50 Plakate genehmigt wurden – auf öffentlichen Flächen. Sie seien mit einem kleinen Aufkleber versehen, der ihre Gültigkeit beweise. „Ist das nicht der Fall, gehen wir der Sache nach – und nehmen sie ab oder fordern eine Nachzahlung", sagt Sprecher Uwe Borgstädt. Für Kritik sorgt auch der angekündigte Auftritt einer „kleinen gemischten Raubtiergruppe", bestehend aus fünf weißen und bengalischen Tigern, die Tierlehrer und „Raubtierflüsterer" Robano Kübler mitbringt. „Tiere haben im Zirkus nichts zu suchen. Wir setzen uns für ein generelles Verbot ein", sagt Petra Würz von der Tierrechtsorganisation Peta. Sie kritisiert zudem die Richtlinien, die eine Käfiggröße von 12 Quadratmetern vorschreiben. „Das ist mangelhaft." Auch das Veterinäramt habe „oft wenig Handhabe." Protest erreicht "neue Dimensionen" +Ratsherr Gugat hat bei dem Gastspiel vom Moskauer Circus ebenfalls ein „ungutes Gefühl". Er hatte sich bereits Ende Juni einen Schlagabtausch mit Vertretern von Zirkus Charles Knie geliefert, der damals an der Radrennbahn gastierte. Kreuz kennt solche Kritik längst und entgegnet: „Unser Tierlehrer hat die besten Kontrollen. Jede Woche kommt ein Kreisveterinär zu uns in den Zirkus und schaut nach dem Zustand der Tiere." Schwerpunkt des Zirkus’ liege ohnehin im Bereich Artistik. Dennoch gebe es immer wieder Protest. Der habe während der jüngsten Aufführung in Remscheid eine neue Dimension erreicht, sagt Kreuz: „Ein Tieraktivist hat direkt im Zirkus Flyer verteilt und die Leute an der Kasse bequatscht." Ein weiterer habe die Tiere während der Aufführung gefilmt. In beiden Fällen habe der Zirkus die Polizei gerufen. „Ich respektiere Protest, auch wenn es mich nervt. Aber irgendwann ist mal Schluss", sagt Kreuz und spricht von „Rufmord". Kreuz glaubt, dass die Tiger in der Wildnis „eingingen". „Die wurden per Hand aufgezogen. Das sind keine Wildtiere." Außerdem: Reise der Zirkus ohne Tiere an, führe das zu erheblichen Umsatzeinbußen. „Die Besucher fragen uns dann, warum wir keine Tieraufführungen anbieten."

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