Kantige Oberfläche: Wer dieses raumschiffartige Objekt zukünftig von vorne sieht, ist schonmal gewarnt. In entgegengesetzter Fahrtrichtung wird dann nämlich geblitzt. - © Vitronic
Kantige Oberfläche: Wer dieses raumschiffartige Objekt zukünftig von vorne sieht, ist schonmal gewarnt. In entgegengesetzter Fahrtrichtung wird dann nämlich geblitzt. | © Vitronic

Bielefeld High-Tech im Tarnkappendesign: Dieser Laser-Blitzer löst "Bernd" in Bielefeld ab

"Bernds" Testlauf ist vorbei, ab Donnerstag folgt ein neues Modell. Es ist schon in der Stadt und sieht futuristisch aus, fast militärisch. Das Tarnkappendesign hat erstaunliche Gründe

Dennis Rother

Bielefeld. 6.850 Raser hat Blitzer "Bernd" während seines dreimonatigen Einsatzes laut Ordnungsamt erwischt. Mehr kommen nicht hinzu, denn am Dienstag war Dienstschluss für die mobile High-Tech-Laserfalle mit dem ulkigen Kosenamen. Doch Autofahrer aufgepasst: Das nächste Testmodell ist schon in der Stadt und scharfgestellt. Der "Enforcement Trailer" der Firma Vitronic soll ab Donnerstag zunächst an der Braker Straße knipsen. Eines der beiden Testmodelle wird wohl zukünftig dauerhaft zum Einsatz kommen. Der Neuzugang, genau wie "Bernd" als Fahrzeuganhänger offiziell "halbstationär", ist vor allem äußerlich außergewöhnlich. Nichts auf Bielefelds Straßen ähnelt der markanten Maschine in kühlem Silber. Das futuristisch anmutende Tarnkappendesign erinnert an Science-Fiction-Filme - und ans Militär. Schusssichere Außenhülle soll für Sicherheit vor Vandalen sorgen Und tatsächlich soll die kantige Oberfläche schützen. Aber nicht vor Radar-Ortung wie in Hollywood - sondern vor Kugeleinschlag von wütenden Verkehrsrowdys. "Denn immer wieder werden solche Geräte beschossen, manchmal gar angezündet", sagt Michael Kärgel von der Vitronic-Tochter Vetro, die den in Frankreich produzierten Trailer für den hiesigen Verkehr elektronisch ausrüstet. Alarmsystem und "schusssichere Außenhülle" sollen für Sicherheit vor Vandalen sorgen. Kärgel weist derzeit vier Ordnungsamtsmitarbeiter in die Technik ein. 1.300 Kilo schwer ist der Trailer, darin verbaut ist wie bei "Bernd" jede Menge High-Tech. Der Übergang dürfte reibungslos sein, denn beim Innenleben sind sich beide Exemplare, wenn auch von unterschiedlichen Herstellern, sehr ähnlich, sagt Kärgel. Beide erfassen auch mehrere Fahrspuren gleichzeitig. Krasser Preisunterschied Doch es gibt gewaltige Unterschiede. Wichtig für Autofahrer zunächst einmal: Der "Neue" blitzt nur in eine Richtung, und zwar an der Rückseite der Tarnkappen-Frontaufbauten. Er ist auch deswegen deutlich günstiger: Statt 260.000 Euro wie für "Bernd" müsste die Stadt für das Vitronic-Exemplar "nur" 160.000 Euro ausgeben, sagt Stefan Heiermann. Heiermann ist Abteilungsleiter der Bußgeldstelle im Ordnungsamt. Laut Vitronic sind Geschwindigkeitskontrollen mit acht Lithium-Hochleistungsbatterien gut zehn Tage am Stück möglich. Während "Bernd" wöchentlich zum Akku-Aufladen in eine Garage gebracht werden musste, klappt der Batteriewechsel nun ambulant am Einsatzort, sagt Stefan Heiermann. Weniger Aufwand, mehr Ertrag. An berüchtigten Raserstrecken droht also Blitzlichtgewitter nonstop. Positive Signale aus dem Rathaus Die Zahl von 6.850 Fotos an zwölf Messorten hat indes sogar Fachmann Michael Kärgel baff gemacht. "Knackige" Ausbeute, findet er. Mutmaßlich Tausende weitere Bilder von Verkehrssündern wären an der Babenhauser Straße außerdem hinzugekommen. Sie mussten aber wegen fehlender Schilder an der Splittenbrede-Kreuzung allesamt für ungültig erklärt werden. In welcher Tempozone am meisten Fotos entstanden und welche Strafen und Verwarngelder sie insgesamt zur Folge hatten, das will Stefan Heiermann vom Ordnungsamt nach "Bernds" Dienstagsendspurt nun ermitteln. Auch wenn die endgültige Bilanz mit Daten, Zahlen, Fakten noch fehlt: "Wir sind von 'Bernd' jetzt schon positiv überrascht - und zwar wegen der guten Resonanz in der Stadt", betont Stefan Heiermann. Es sei deutlich mehr Zuspruch als scharfe Kritik gekommen, Privatpersonen hätten sich genauso bedankt wie etwa Altenheimbetreiber. Jüngst hat sich laut Heiermann sogar die Paderborner Stadtverwaltung nach Erfahrungsberichten erkundigt. Das Thema Blitzer ist nun jedenfalls Stadtgespräch - und dürfte es bleiben. Denn aus dem Rathaus hat Stefan Heiermann nach eigenen Angaben positive Signale bekommen: Bielefeld will sich ein Exemplar zulegen. Für die Raser-Jagd über Jahre.

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