Frisch eingezogen: Chefarzt Eckard Hamelmann (v. l.) begrüßt die Kinderärzte Pascale Gerdes und Marcus Heidemann neu am Grenzweg. In der Kinderklinik Bethel befindet sich ab heute auch die Notfallpraxis der niedergelassenen Kinder- und Jugendmediziner. - © Sarah Jonek
Frisch eingezogen: Chefarzt Eckard Hamelmann (v. l.) begrüßt die Kinderärzte Pascale Gerdes und Marcus Heidemann neu am Grenzweg. In der Kinderklinik Bethel befindet sich ab heute auch die Notfallpraxis der niedergelassenen Kinder- und Jugendmediziner. | © Sarah Jonek

Bielefeld Kinder-Notfälle werden ab sofort in Bethel behandelt

Umzug: Die Notfallpraxis für die kleinen Patienten befindet sich jetzt 
in der Kinderklinik am Grenzweg. Gemeinsame Aufnahme soll Wartezeiten reduzieren

Jens Reichenbach

Bielefeld. Wer außerhalb der üblichen Praxiszeiten mit einem Kind zum Arzt muss, geht ab sofort zur Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung in die Kinderklinik. Denn dorthin ist sie jetzt von der Teutoburger Straße gezogen. „Es kommt zusammen, was zusammengehört", sagt Eckard Hamelmann, Chefarzt der Kinderklinik Bethel. Lange habe man darauf hingearbeitet, um einen Fehler im System zu tilgen. Denn bisher mussten die Eltern entscheiden, ob ihr Kind ein Fall für den niedergelassenen Kinderarzt in der Notfallpraxis oder sogar für die Notfallambulanz im Krankenhaus ist. Ab sofort sind beide Anlaufstellen für kranke Kinder zusammengeführt: „Wer gehen kann, geht an der alten Anmeldung der Notfallambulanz vorbei zur nächsten Tür", erklärt Marcus Heidemann, Obmann der Bielefelder Kinderärzte. „Dort entscheidet unser geschultes Personal, wer den Patienten weiterbehandelt." Undurchsichtiges Versorgungskonzept stellte viele Betroffene vor Herausforderungen Professor Hamelmann berichtet von vielen Familien, die bisher aus Unkenntnis oder Unsicherheit in die Klinik kommen, obwohl ihre Kinder weder stationär aufgenommen werden müssten, noch so ernsthaft erkrankt seien, dass nur Klinikärzte helfen können. „Diese Familien verirren sich oft zu uns und müssen oft zur Teutoburger Straße geschickt werden." Das für Laien bisher undurchsichtige Versorgungskonzept stellte viele Betroffene auch wegen der Wegstrecken immer wieder vor Herausforderungen. Kinderärztin und Notfalldienstbeauftragte Pascale Gerdes nickt: „Es ist die einzig richtige Entscheidung, eine gemeinsame Anlaufstelle anzubieten." Jens Flintrop von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe nennt es eine „Portallösung": Weil die Eltern mit ihrem Notfall an einem Anmeldetresen („Portal") ankommen und dann von Fachkräften auf die passenden Behandlungsorte verteilt werden. Im Kinderzentrum Bethel befindet sich damit die 8. Portallösung für Kinder- und Jugendmedizin in Westfalen-Lippe. Bisher gebe es dafür nur positives Feedback, sagt Hamelmann, der sich vor allem eine Verkürzung der Wartezeiten in der Notfallambulanz erhofft. „Wir haben oft Familien, die bei uns vier oder fünf Stunden warten, obwohl wir ihnen sagen, dass das Kind morgen von einem niedergelassenen Kinderarzt besser und schneller versorgt werden kann", berichtet der Klinikchef. 2022 ziehen Klinik und Notfallpraxis gemeinsam in das Kinderzentrum Für die neue Notfallpraxis hat die Klinikleitung vier Büroräume umgebaut und einen Behandlungsraum abgezweigt. Am Wochenende werden drei niedergelassene Kinderärzte die Notfallpraxis von 9 bis 22 Uhr besetzen, erklärt Heidemann. „Werktags steht ein Kollege bis 22 Uhr bereit." Weil die Kinderklinik kommendes Jahr abgerissen wird, wird auch die Notfallpraxis im dritten Quartal 2019 in den neuen Nord-Ost-Flügel neben Gilead I umziehen. 2022 ziehen dann Klinik und Notfallpraxis gemeinsam in das neu geschaffene Kinderzentrum.

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