Bielefeld Diskussionen um Kanzler-Plätze in Bielefeld

Vorschlag: Zwei Plätze sollen nach Helmut Kohl und Helmut Schmidt benannt werden. In anderen Kommunen sorgen solche Pläne für Ärger. Besonders der Name Kohl ist umstritten

Michael Landwehr
Benedikt Schülter

Bielefeld. Geht es nach dem Willen der Paprika-Koalition und der CDU, soll demnächst das Stück Obernstraße zwischen Alfred-Bozi-Straße und Waldhof in einen Helmut-Kohl-Platz umbenannt werden. Der Bereich um die Kunsthalle soll außerdem den Namen Helmut-Schmidt-Platz tragen. Es habe ein „politisches Interesse" seitens der Parteien gegeben, diese Plätze nach den verstorbenen Altkanzlern zu benennen, sagt der Leiter des Amtes für Geoinformation und Kataster, Rainer Nuß. Eine „ordnungspolitische Notwendigkeit" habe es aber nicht gegeben. Die kurze Zeit nach dem Tod Helmut Schmidts 2015 und dem seines Nachfolgers Helmut Kohl 2017 und den jetzt angedachten Platzbenennungen, sieht Amtsleiter Nuß auch als „sehr zügig" an. Dabei gehen die Pläne der Kommunalpolitiker in Bielefeld bislang recht geräuschlos über die Bühne. In zahlreichen deutschen Städten ist das anders. Beispielsweise fiel in Herne der Vorschlag durch, eine Straße nach Helmut Schmidt zu benennen. Besonders aber Helmut Kohl ist bei den Kommunen wegen seiner Rolle in der CDU-Schwarzgeldaffäre umstritten. So scheiterten die Bemühungen der Politiker, den Kanzler der Einheit auf einem Straßenschild zu ehren, oft an den Widerständen der Bürger. So wie in der Heimatstadt Kohls, im pfälzischen Ludwigshafen. Dort wollten CDU, SPD und FDP im vergangenen Jahr die Rheinallee in eine Helmut-Kohl-Allee umbenennen. Bürger reichten eine Petition gegen dieses Ansinnen ein. Politiker 
räumen 
Schnellschuss ein Insbesondere vielen Geschäftsleuten war es sauer aufgestoßen, dass sie beispielsweise ihre Briefköpfe hätten ändern müssen. Außerdem habe es innerhalb der Bürgerschaft eine Polarisierung bezüglich der Person Kohls gegeben, sagt eine Stadtsprecherin. Daraufhin beschloss der Ludwigshafener Rat einstimmig, einen Antrag der Fraktionen von CDU und SPD anzunehmen, an dem Umbenennungsbeschluss nicht weiter festzuhalten. Die Politiker hätten damals selbstkritisch von einem „Schnellschuss" gesprochen. Es sei versäumt worden, die Bürger an dem Prozess zu beteiligen", sagt die Stadtsprecherin. Nun würden die Kommunalpolitiker ein paar Jahre warten, ehe man einen nächsten Anlauf versuchen könnte. Dabei scheint die Benennung nach Konrad Adenauer und Willy Brandt weniger konfliktbeladen zu sein: Alle sieben deutschen Städte mit einer Einwohnerzahl zwischen 300.000 und 400.000 haben sowohl nach Adenauer als auch nach Brandt benannte Straßen oder Plätze. In Bielefeld gibt es mit dem Adenauerplatz, der Ludwig-Erhard-Allee und dem Willy-Brandt-Platz zur Zeit drei nach ehemaligen Bundeskanzlern benannte Straßen und Plätze. Das sind ähnlich viele wie in Städten mit einer vergleichbaren Einwohnerzahl. Unter den Städten in dieser Größenordnung hat lediglich die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn fünf Straßen und Plätze, die nach Ex-Regierungschefs benannt sind. Sogar in seiner pfälzischen Heimat ist der Name Kohl umstritten Im Gegensatz zu vielen anderen Städten gibt es in Bonn auch eine Kurt-Georg-Kiesinger-Allee. Vor allem aufgrund Kiesingers NS-Vergangenheit ist er der umstrittenste Namensgeber für Straßen. Umstritten wird wohl auch weiterhin der Name Helmut Kohl bleiben. Wie im pfälzischen Frankenthal. Dort scheiterte die CDU damit, den Rathausplatz in einen Helmut-Kohl-Platz zu verwandeln. Der Fraktionsführer der CDU im rheinland-pfälzischen Landtag, Christian Baldauf, der auch im Frankenthaler Stadtrat sitzt, sieht den Grund des Scheiterns bei den Politikern selbst. Grundsätzlich würde er seinen Kollegen raten, lieber ein paar Jahre nach dem Tod eines Kanzlers mit der Benennung von Straßen und Plätzen zu warten, sagte er gegenüber der NW. Das Projekt sei nicht an der Person Kohl, sondern an der Vorgehensweise gescheitert.

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