Die erste Mensa: "Aufbau- und Verfügungszentrum" nannte sich das Gebäude mit den Essensausgaben. Später zog die Fachhochschule an die Kurt-Schumacher-Straße und nutze den Ort für die Versorgung der Studenten. - © FOS/Studierendenwerk Bielefeld
Die erste Mensa: "Aufbau- und Verfügungszentrum" nannte sich das Gebäude mit den Essensausgaben. Später zog die Fachhochschule an die Kurt-Schumacher-Straße und nutze den Ort für die Versorgung der Studenten. | © FOS/Studierendenwerk Bielefeld

Bielefeld Das Studentenwerk Bielefeld feiert 50 jähriges Jubiläum

Die Geschäftsführerin hat einen Geburtstagswunsch, den nur die Politik erfüllen kann

Ansgar Mönter

Bielefeld. "Ohne großes Brimborium", schrieb die Neue Westfälische am 7. Mai 1970,, habe die Mensa der Universität Bielefeld ihren Betrieb aufgenommen. Als erstes Menü gab es hausgemachtes Kartoffelpüree, Bratwurst, Ananassauerkraut und Vanillepudding. Das war der erste sichtbare Akt des am 7. September 1968 gegründeten Vereins "Studentenwerk Bielefeld". Gestern Abend feierte der mittlerweile auf 478 Mitarbeiter angewachsene Servicebetrieb für Studenten mit einem Ball sein 50-jähriges Bestehen. Am Tag des ersten Stammessens gab es noch nicht mal eine Uni. Sie war noch in der Planung, und zwar im so genannten Aufbau- und Verfügungszentrum an der Kurt-Schumacher-Straße, wo später die Fachhochschule Bielefeld einzog. Die sieben Studentenwerkwerks-Gründer, darunter der spätere Uni-Rektor Karl-Peter Grotemeyer und Unternehmer Rudolf August Oetker, hatten in weiser Voraussicht den Verein gegründet, weil sie wussten, dass Studenten versorgt werden müssen - und zwar nicht nur mit Kalorien; sie müssen auch wohnen, und sie müssen sich finanzieren können. So wuchs im Laufe der Jahre das Arbeitsfeld des Studentenwerks, und damit auch der Betrieb selbst. Heute ist der vor wenigen Jahren in - nicht ganz korrektem Deutsch - "Studierendenwerk" umbenannte Betrieb für mehr als 42.000 Studenten an vier Hochschulen und fünf Standorten zuständig, verkauft fast 1,3 Millionen Essensportionen, bearbeitetet fast 10.000 Bafög-Anträge, betreut fast 2.500 Wohnheimplätze, betreibt drei Kindertagesstätten mit 155 Plätzen und weist eine jährliche Bilanzsumme von fast 71,5 Millionen Euro auf. Das alles klingt beeindruckend, aber es ist nicht alles so in Ordnung, wie es erscheint, erklärt Geschäftsführerin Sigrid Schreiber. Landeszuschuss ist seit 2005 gleich geblieben "Der Landeszuschuss ist seit 2005 gleich geblieben", moniert sie. Der beläuft sich auf 40,5 Millionen Euro für alle zwölf Studentenwerke in NRW. Bielefeld bekommt davon 3,4 Millionen Euro. In den vergangenen 13 Jahren aber sind die Kosten enorm gestiegen. Das bedeutet: Die Studenten müssen einen immer größeren Anteil des Services selbst finanzieren. "Er ist im Vergleich zu 1992 von 11 auf 21 Prozent gestiegen", sagt Schreiber. Für Studenten negativ hat sich zudem die Unterstützung durch Bafög entwickelt. Laut Studierendenwerk Bielefeld wurden 1992 noch 25 Prozent der Studenten gefördert, heute sind es 15 Prozent. "Nur zwei von zehn Studenten stellen überhaupt noch einen Antrag", berichtet die Geschäftsführerin. Wegen dieser Entwicklung formuliert sie einen Geburtstagswunsch an die Landesregierung: die Erhöhung der Zuschüsse, eine Bafög-Reform und allgemein also bessere finanzielle Rahmenbedingungen. Nur so könne auch verhindert werden, dass die Mieten in den Wohnheimen steigen müssten. Ungeachtet der Geldfrage erweitert das Studierendenwerk Bielefeld seine Tätigkeit - einfach, weil es gebraucht wird. Derzeit ist das Wohnheim an der Stennerstraße mit fast 240 Plätzen im Bau, eine Teileröffnung im April 2019 mit 100 bezugsfertigen Plätzen ist laut Schreiber geplant. Weitere Wohnheime sind in Planung, unter anderem an der Wertherstraße 150 mit 64 Plätzen. Gerne würde das Studierendenwerk auch auf dem ehemaligen FH-Gelände an der Kurt-Schumacher Campus-nah Wohngebäude für Studenten errichten. Bisher ist es da aber nicht vorangekommen, weil der Eigentümer, der landeseigene Bau- und Liegenschaftsbetrieb sich zu einer Umnutzung des Areals noch nicht entschließen konnte.

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