0
Autos, die über ein Keyless-Go-System geöffnet und gestartet werden, sind bei Autodieben beliebt.Mit Funkwellenverlängerern können sie die Fahrzeuge ohne Aufbruchspuren wegfahren. - © Symbolfoto: Sarah Jonek
Autos, die über ein Keyless-Go-System geöffnet und gestartet werden, sind bei Autodieben beliebt.Mit Funkwellenverlängerern können sie die Fahrzeuge ohne Aufbruchspuren wegfahren. | © Symbolfoto: Sarah Jonek

Bielefeld Ortungssystem verrät Autodieb - Polizei stoppt ihn noch in Tschechien in einem Bielefelder Luxuswagen

Prozess: Amtsgericht verurteilt vorbestraften Hehler zu einem Jahr und vier Monaten Haft

Nils Middelhauve
05.09.2018 | Stand 05.09.2018, 13:22 Uhr
Jens Reichenbach

Bielefeld. Im Februar dieses Jahres entwendeten Autodiebe in Bielefeld zwei hochwertige BMW. Eine technische Finesse der Autos wurde einem Kurier, der eins der gestohlenen Autos nach Polen überführen sollte, zum Verhängnis. Der 29-jährige Täter wurde in Tschechien von der Polizei festgenommen und später an die hiesige Justiz überstellt. Das Bielefelder Amtsgericht verurteilte den polnischen Staatsbürger nun zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis – ohne Bewährung. In der Nacht auf den 21. Februar entwendeten Unbekannte einen an der Orchideenstraße in Vilsendorf abgestellten 6er BMW Cabrio (Baujahr 2016). Das Auto, das der Besitzer am Vorabend dort abgeschlossen geparkt hatte, hatte einen Wert von rund 60.000 Euro. In derselben Nacht stahlen Unbekannte an der Straße Zum Upholz in Schildesche einen zwei Jahre alten schwarzen BMW X5 im Wert von 80.000 Euro. In beiden Fällen hatten sich die Täter das so genannte moderne „Keyless-Go-System" der Autos zunutze gemacht. Mittels eines Funkwellenverlängerers hatten die Diebe das Signal vom Haus zum Auto verlängert, um die Autos zu öffnen und zu starten. Beide BMW wurden jedoch zeitnah sichergestellt, da die Täter darauf verzichtet hatten, die verräterischen GPS-Module auszubauen. Mitglied der berüchtigten Mara Salvatrucha-Organisation? Während sich das in Schildesche gestohlene Auto bereits in Polen befunden hatte, erfolgte in Fall des Vilsendorfer BMW ein Polizeizugriff in Tschechien. Am Steuer saß der 29-jährige Adrian S. aus Polen. Für die Polizei ist er kein Unbekannter, bereits 2014 war er schon einmal wegen Hehlerei in der Bundesrepublik verurteilt worden. In seiner polizeilichen Vernehmung hatte S. offenbar prahlen wollen: Er sei Berufskrimineller, darüber hinaus Mitglied des polnischen Ablegers der ursprünglich aus Lateinamerika stammenden Verbrecherorganisation Mara Salvatrucha. Die schwerstkriminelle und äußerst brutale Vereinigung verdient ihr Geld in erster Linie mit Drogen- und Frauenhandel sowie Autohehlerei. Vor dem Amtsgericht bestritt S. nun die bei der Polizei protokollierten Aussagen – diese seien Missverständnisse gewesen, da in der damaligen Vernehmung kein Dolmetscher anwesend gewesen sei. Richterin: "absoluter Blödsinn" Aufgrund seiner ursprünglichen Aussage war S. zunächst wegen schweren Bandendiebstahls angeklagt gewesen. Das Gericht folgte letztlich jedoch seiner hiesigen Einlassung, dass er lediglich den 6er BMW gegen ein Entgelt nach Polen überführen sollte und verurteilte ihn wegen Hehlerei zu einem Jahr und vier Monaten Gefängnis. Die ursprünglichen Angaben hinsichtlich einer Zugehörigkeit zu Mara Salvatucha wertete das Gericht als „absoluten Blödsinn" – es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass diese Vereinigung in Deutschland oder Polen aktiv sei.

realisiert durch evolver group