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Die Stadt Bielefeld bremst den Handel in den kleinen Geschäftszentren. - © Pixabay
Die Stadt Bielefeld bremst den Handel in den kleinen Geschäftszentren. | © Pixabay

Bielefeld Bielefeld bremst Einzelhandel in kleinen Geschäftszentren

Stadt aktualisiert Zielkonzept: Innenstadt und Nebenzentren werden gestärkt, zehn kleinere Nahversorgungsbereiche aber herabgestuft und gebremst. Bürger können Entwurf im September einsehen

Joachim Uthmann
20.08.2018 | Stand 20.08.2018, 06:41 Uhr

Bielefeld. 2,3 Milliarden Euro setzt der Einzelhandel im Jahr um. Bielefeld sei damit gut versorgt, sagen Experten. Das Einkaufszentrum Loom hat die City-Einkaufszone zusätzlich belebt. In Nebenzentren und Stadtteilen drückt aber teils der Schuh. Die Stadt aktualisiert jetzt ihr Einzelhandels- und Zentrenkonzept. Zehn kleinere Nahverkehrszentren werden darin herabgestuft. Hauptziel des Konzepts ist es, Verlagerungen auf die „grüne Wiese" zu stoppen. Dabei habe das erste Regelwerk schon sehr geholfen, das der Stadtrat 2009 beschlossen hatte. Bodo Temmen, im Bauamt für Planung und Stadtentwicklung verantwortlich, nennt es „ein Erfolgsmodell, das sich bewährt hat". Bielefeld werde seiner „oberzentralen Funktion weiterhin gut gerecht". „Der Rat bindet sich damit an klare Spielregeln", begründete Baudezernent Gregor Moss damals das neue Leitbild. Es soll die Zentren stärken und Neuansiedlungen da verhindern, wo sie unnötig Fläche verbrauchen würden. Handel "auf der grünen Wiese" stoppen Der Hauptblick liegt auf der Innenstadt (A), wo die beiden großen Fußgängerzonen Altstadt und Bahnhofstraße als Hauptzentrum auch Kaufkraft aus dem Umland anziehen sollen. Als einziges größeres Nebenzentrum (B) stuft das Konzept der Gutachter Junker und Kruse Brackwede ein, das für den gesamten Stadtbezirk relevant sei. Eher schon in Richtung stadtteilbezogen sind danach kleinere Nebenzentren (C) wie Jöllenbeck, Brake, Heepen, Alt-Schildesche, Carl-Severing-Straße in Quelle, Heeper Straße in Mitte, Hillegossen, Windelsbleicher Straße in Senne und Elbeallee in Sennestadt. Vor allem sie bilden „ein stabiles Grundgerüst" für den Bielefelder Einzelhandel, heißt in einer von Moss unterschriebenen Vorlage für den Stadtentwicklungsausschuss. Das sorge auch für stabile Immobilienwerte und bedeute Investitionssicherheit für Handel und Investoren. Der Entwurf markiert auch Bereiche, in denen die C-Zentren erweitert werden könnten. Für die Nahversorgung reichen die größeren Zentren allein aber nicht aus. Deshalb enthielt das erste Konzept 17 wohnortnahe Nahversorgungszentren (D), die in den Stadtteilen wichtig sind und ausgebaut werden könnten. Erweiterungen nicht mehr möglich Doch da will die Stadt jetzt, auch aufgrund neuer Rechtsprechung und Vorgaben des Landes, teils einen Riegel vorschieben. Im Entwurf des neuen Konzepts verlieren zehn Bereiche ihren D-Status – und sind nur noch Nahversorgungsstandorte. Das bedeutet, bei ihnen sind Erweiterungen und Ausdehnungen nicht mehr angestrebt und möglich. Das dürfte in einigen Stadtteilen auf Kritik stoßen. Immerhin wären größere Einheiten wie Theesen, Sieker (südlich Stadtbahn-Endstation), Milse, Ubbedissen oder Bültmannshof betroffen, in Dornberg sogar drei Geschäftslagen, Großdornberg, Lohmannshof und Hoberge-Uerentrup. Aber auch in Mitte sieht das Gutachten an der Stapenhorststraße/Siegfriedplatz und August-Bebel-Straße keine Entwicklungsmöglichkeit. Hintergrund dafür sei, dass die Rechtsprechung strengere Kriterien anlege, erklärt Temmen. Für ein D-Zentrum müssten mindestens zwei „strukturprägende Lebensmittelmärkte" und eine ausreichende Nahrungs- und Genussmittelversorgung vorhanden sein. Das erfüllten die herabgestuften nicht mehr. Vor Ort könnte das zu Engpässen führen. So wäre Dornberg, wo mehrere größere Wohngebiete geplant sind, beim Einzelhandel eingeschränkt. In Ubbedissen stoppte die Stadt bereits mit Hilfe des ersten Konzepts Einzelhandel auf dem Areal des früheren Gasthauses Siekmann. Politik sieht "gutes Steuerungsinstrument" Insgesamt begrüßen die Akteure in Bielefeld das Konzept. Ein wirksames Instrument dabei ist die Sortimentsliste, die Grenzen setzt, wie viel Waren, die eigentlich in den Zentren verkauft werden soll, auch außerhalb, etwa in Baumärkten, erlaubt sind. „Das ist ein gutes Steuerungsinstrument und stärkt die Altstandorte", sagt Georg Fortmeier (SPD), Vorsitzender im Stadtentwicklungsausschuss. Dort lasse es Erweiterungen und neue Betriebe zu, ergänzt Temmen. Und Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands, sieht „eine Belebung der City". Das Konzept müsse aber auch „stringent" eingehalten werden. Die Bielefelder können den Entwurf einsehen, vom 3. September bis 5. Oktober wird er offengelegt. Parallel beteiligt die Stadt Behörden und Verbände. Die Ergebnisse werden ausgewertet, dann geht es zur Beratung in die Bezirksvertretungen. Im Frühjahr 2019, schätzt Temmen, könne der Rat das Konzept beschließen.

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