Bielefeld Bielefeld bekommt wohl mehr verkaufsoffene Sonntage

In Brackwede zum Beispiel will die Werbegemeinschaft einen fünften Sonntag. Aber die Hürden sind hoch und die Kritik von Kirchen und Gewerkschaften ist groß

Ariane Mönikes

Bielefeld. Aus 4 werden 8: In den NRW-Innenstädten sind seit Jahresmitte doppelt so viele verkaufsoffene Sonntage möglich. Zusammengerechnet mit den Aktionen in den Stadtteilen dürfte in Bielefeld sogar an bis zu 16 Tagen geöffnet werden. Doch trotz der Lockerung gibt?s Auflagen. Im September wird sich die Politik damit befassen. "Die Landesregierung hat mit dem Entfesselungsgesetz im Handel einige Erwartungen geweckt", sagt Thomas Kunz, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Ostwestfalen-Lippe. Seit fünf Jahren gibt?s in Bielefeld eine Regelung über die verkaufsoffenen Sonntage, die aber läuft Ende 2018 aus. Jetzt muss neu verhandelt werden. "Wir müssen schauen, wie wir mit der neuen Situation umgehen", sagt Friedhelm Feldmann, Leiter des städtischen Ordnungsamtes. Brackweder Kaufleute sorgen sich um ihre Existenz So muss der Sonntagseinkauf laut Gesetzeslage räumlich eng an die dazugehörende Traditionsveranstaltung gebunden sein. "Die Verkaufsfläche darf nicht größer sein als die Anlassfläche", sagt Verdi-Gewerkschaftssekretärin Ursula Jacob-Reisinger. Heißt: Alles muss fußläufig erreichbar sein. Haben also die Geschäfte zum Heeper Ting im Ortskern von Heepen geöffnet, könnte der Obi-Markt an der Eckendorfer Straße möglicherweise außen vor sein. Das müsse jetzt ganz genau abgeklopft werden. "Wir sind da in Gesprächen mit der Stadt", sagt Jacob-Reisinger. Und die drückt aufs Tempo, hat von Gewerkschaften, Handelsverband, Kirchen und den Werbegemeinschaften schon Stellungnahmen angefordert. "Wir wollen schnell Klarheit", sagt Feldmann. Sicher scheint: An den Sonntagsöffnungen zu traditionellen Festen will man festhalten. "Wir prüfen Größe und Charakter der Veranstaltung, die Bewertung werden wir dann der Politik zur Verfügung stellen." Für die Verwaltung sei das ein nicht unerheblicher Prüfungsaufwand. In Brackwede gibt es bislang vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr, sagt Karl-Uwe Eggert, Chef der Werbegemeinschaft. Er würde gerne auf fünf gehen. "Wir brauchen die Sonntage, um gegen den Internethandel anzukommen." Die Kaufleute seien ohnehin schon in Sorge, dass die Läden während der Bauphase für den geplanten Hochbahnsteig nicht überleben werden. Das neue Gesetz sehe zwar auf den ersten Blick so aus, als würde es vieles vereinfachen, aber gerade was den Anlassbezug betrifft, habe lediglich eine Umetikettierung stattgefunden, sagt Eggert. Der Grund des Besuchs nämlich muss die Veranstaltung sein und nicht das entspannte Einkaufen. In Heepen will Jürgen Utecht von der Interessen- und Werbegemeinschaft an den vier Sonntagen festhalten. "Alle in Kombination mit Stadtteilfesten." Astrid Brausch ist seit 14 Jahren im Vorstand der Interessen- und Werbegemeinschaft InSchildesche. Vom 21. bis 23. September findet in diesem Jahr der Stiftsmarkt statt, an dem Sonntag ist auch verkaufsoffen. Es ist der einzige verkaufsoffene Sonntag in Schildesche. Eine Umfrage unter den Händlern habe auch ergeben, dass zusätzliche Sonntagsöffnungen hier gar nicht gewünscht sind, sagt Brausch. "Die meisten unserer Geschäfte sind inhabergeführte Betriebe, die haben nicht das Personal dazu." Evangelische Kirche sieht Sonntagsschutz als höchstes Gut Die Kirchen haben eine ganz klare Meinung zu dem Thema. Regine Burg, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises, hält die Verdoppelung verkaufsoffener Sonntage für ein fatales Signal. "Der Sonntagsschutz ist ein hohes Gut unserer Sozialkultur", sagt sie. Es gehe aber nicht nur um den Schutz des Sonntags für Gottesdienstzeiten, sondern auch um den Schutz von Arbeitnehmern. "Der Sonntag trägt dazu bei, dass Menschen Zeit für sich selbst und für andere haben", sagt sie. Auch Verdi wird deutlich: "Wir sind grundsätzlich keine Freunde von Sonntagsöffnungen", sagt Ursula Jacob-Reisinger. "Auf den ersten Blick sah das Ladenöffnungsgesetz gut aus", sagt Thomas Kunz. "Uns ging es aber nie darum, 20 Sonntage offen zu haben." Der Handelsverband hat die Händler bereits abgefragt, demnach wird es wohl keine Ausweitung der Sonntage geben, aber eine andere Aufteilung. Der ein oder andere hätte sich sicherlich über acht Sonntage in der City gefreut, doch nicht alle. "Es muss sich lohnen."

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