Bielefeld Wird es schon bald teurer in Bielefelds Parkhäusern?

Bedrohtes Parkparadies

Christine Panhorst

Bielefeld. Ein Ende des "Lebens im Schlaraffenland", prophezeit Unternehmer Christoph Borchard. Er meint damit die Parkpreisgestaltung in der Großstadt Bielefeld. "Wir haben die günstigsten Parkgebühren von ganz NRW", behauptet der Investor. Die Tage des Parkparadieses in der City sind seiner Einschätzung nach gezählt. Auch die Handelsverbände wissen um das Preisgefälle im Vergleich mit anderen Städten. Für teureres Parken gibt es zudem politisch seit Jahren eine Lobby. Das Parken ist in Bielefelder Parkhäusern oft so günstig, wie in kaum einer anderen Großstadt: ein Euro in der ersten Stunde, Tagespauschalen ab 2,50 Euro mit Kundenkarte. Unrentabel und "ein Witz" sei das Bielefelder Parkdumping, lautet Borchards harsches Urteil. Bielefeld müsse sich mit Münster oder Hannover vergleichen lassen. Seine Prognose für die nähere Zukunft: zwei Euro pro Stunde. "Das ist immer noch günstig." Folgen die großen Park-Player Borchards Linie, wird es teurer Jörg Beyer vom Handelsverband hält jedoch dagegen. "Stabil" würde die Ein-Euro-Parkpreisgestaltung auch zukünftig bleiben, ist der Handelsreferent überzeugt. Aber auch Beyer ist bewusst: "In Gütersloh und Paderborn parkt man häufig teurer. Wir haben hier schon gute Parkmöglichkeiten." Die Preise setzt der Handelsverband seit Jahren mit fünf eigenen Parkhäusern in der City durch. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss auch die Park-Konkurrenz mitziehen. Zu ihr zählt auch Borchard mit einem Parkplatz am Bahnhof - und bald mit dem Parkhaus Am Zwinger. Dass der Investor, dessen Projektentwicklung das Zwinger-Parkhaus gehört, es ab März 2019 nicht länger an den Handelsverband vermieten will, könnte eine Kehrtwende in der Stadt bedeuten - mit Parkpreiserhöhungen. Viele Bielefelder dürfte das eher verärgern, doch es gibt auch eine Lobby für teureres Parken. Unterstützer einer Mobilitätswende erhoffen sich durch höhere Parkpreisen schon lange mehr Zulauf für den Öffentlichen Personennahverkehr. Borchard ist nicht der einzige Kritiker des Handelsverbands. Dem Vorsitzenden von Bielefeld Pro Nahverkehr Godehard Franzen sind die niedrigen Parkgebühren seit Jahren ein Dorn im Auge. Die Stadt gehe mit freiem Parken per Parkscheibe an Straßenrändern im Hufeisen der Altstadt "mit schlechtem Beispiel voran". "Das ist ein Markt. Wer aber weniger Autos in der Innenstadt und mehr Leute in Bus und Bahn haben will, kann das nicht anbieten. Bielefeld hat Parkpreise von Vorgestern." Borchards Argumentation ist da ähnlich: "In Zeiten, in denen eine Kugel Eis oft schon 1,50 Euro kostet, kann Parken nicht 1 Euro kosten." Günstige Erreichbarkeit in einer bequemen Welt, sei ein wichtiges Gut für den Einzelhandel und mache die Stadt attraktiv, betont dagegen IHK-Sprecher Jörg Deibert. Ein Vorteil, den Bielefeld nicht einbüßen soll, geht es nach Handelsverband und IHK. "Das hiesige Preisleistungsverhältnis ist für ein Oberzentrum okay", urteilt Deibert. Für IHK-Sprecher Deibert ist das Q-Park Karstadt ein Beispiel dafür, wie bereits versucht werde, Parkhäuser noch wirtschaftlicher zu führen Mehr als 20 Parkhäuser gibt es in Bielefeld. In sieben von ihnen sind bereits bundesweite Park-Unternehmen aktiv: Contipark betreibt die Tiefgarage Altstadt-Carree, das Marktpassage-Parkhaus sowie das Parkhaus Ritterstraße, das zu den günstigsten in der Stadt zählt. Zu Q-Park gehören das Karstadt-Parkhaus und das Centrum neben dem Skala-Haus. Apcoa ist im Neuen Bahnhofsviertel und an der Renteistraße vertreten. Die Renditen dieser großen Betreiber seien schon sehr interessant, räumt Handelsreferent Beyer ein. Das Geschäft mit dem Parken boomt. Für IHK-Sprecher Deibert ist das Q-Park Karstadt ein Beispiel dafür, wie bereits versucht werde, Parkhäuser noch wirtschaftlicher zu führen: Mietwagen-Anbieter Sixt ist hier als Untermieter eingezogen. "In Großstädten gibt es Parkhäuser, die einen integrierten Kfz-Pflegeservice anbieten." Folgen die großen Park-Player Borchards Linie, könnte es in Bielefelds Parkhäusern schnell teurer werden. In vielen gibt es zudem Sanierungsbedarf, ist auch die Einschätzung der IHK. Schlüsselobjekte seien dabei das Parkhaus Ritterstraße und das Ravensberger-Parkdeck an der Hermann-Delius-Straße, sagt Borchard. "Werden die fertig gemacht, werden auch die Preise angehoben." Sogar drei Euro pro Stunde seien längerfristig in Bielefeld denkbar. Autofahrer hoffen da einmal mehr auf den Handelsverbands. "Aber die jetzigen Parkpreise wird auch der nicht mehr lange halten können", ist Franzens Einschätzung. Borchard stimmt zu: "Letztendlich wird sich der Handelsverband als Pächter danach richten müssen, was ihm der jeweilige Vermieter abverlangt."

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