Legende: Arminias Stadionsprecher Lothar Buttkus in seinem Element. - © Christian Weische
Legende: Arminias Stadionsprecher Lothar Buttkus in seinem Element. | © Christian Weische

Bielefeld Arminias Stadionsprecher Lothar Buttkus ist gestorben

Trauer: 35 Jahre lang war der frühere Dixi-DJ Arminias Stimme

Patrick Albrecht
Ingo Kalischek

Bielefeld. 35 Jahre lang war er Arminias Stimme, sagte Torschützen sowie Platzverweise an und verabschiedete die Zuschauer nach dem Abpfiff. Jetzt muss der Verein ohne Lothar Buttkus auskommen. Der langjährige Stadionsprecher verstarb jetzt im Alter von 71 Jahren. Das gab die Polizei am Donnerstag bekannt. Buttkus sei wahrscheinlich friedlich auf dem Sofa in seiner Wohnung eingeschlafen, heißt es von der Polizei. In der „Arminia-Familie" war Buttkus bekannt wie ein bunter Hund, galt dort längst als Legende. Buttkus war Armine durch und durch, verfolgte schon als kleiner Junge die Spiele mit seiner Mutter auf der Alm. „Wir waren bei den Fußballern, den Handballern, den Hockeyspielern und zum Schluss im Vereinslokal. Samstag und Sonntag waren ausgebucht", sagte Buttkus noch vor knapp einem Jahr im Gespräch mit der NW. Die Zeit als DJ im »Dixi« prägte Buttkus besonders Bekannt war er nicht nur als Stadionsprecher, sondern auch als Discjockey. Nach ersten Gehversuchen in Köln nahm Buttkus an einem DJ-Casting in einer Brackweder Discothek für schwarze Soulmusik, dem Come Down, teil. „Das war das einzige Casting meines Lebens", sagte Buttkus, der sich prompt gegen alle elf Konkurrenten durchsetzte. Seine Heimatstadt Bielefeld sollte er nie mehr verlassen. Ein halbes Jahr später arbeitete er für das „Old Crow", besser bekannt als „die Krähe". Immer montags veranstaltete Buttkus dort eine Hitparade. „Die Hütte war jedes Mal proppevoll", erzählte er stolz. Später legte er im „Ex" auf. „Teuer, exklusiv und mit schwarzem Leder", wie er es beschreibt. Dort begrüßte er kommende Top-Stars wie Peter Maffay, Otto Waalkes oder Ricky Shayne. Eine besonders prägende Zeit erlebte Buttkus als DJ im ehemals bekannten „Dixi". Ursprünglich als Studentenkneipe geplant, wurde es zwischen Hannover und Dortmund das Top-Lokal und Hot-Spot für sämtliche Fußballprofis. Von Arminia-Legende Kalli Feldkamp, über HSV-Star Kevin Keegan bis hin zu Otto Rehagel waren alle da. „Nur Ewald Lienen hat davon nichts gehalten", erzählte Buttkus schmunzelnd. „Wer die Taktik von Arminia für das nächste Spiel herausfinden wollte, der kam zu uns ins Dixi". 43 Werbeansagen in 15 Minuten 1983 kam die Anfrage des DSC, ob er gerne als Stadionsprecher arbeiten würde. „Ich war zuerst alleine und bin immer zwischen dem Mikrofon und dem Plattenspieler hin und her gerannt". Buttkus war damals für alles zuständig. „In der Halbzeit-Pause eines Spiels gegen Bayern München habe ich einmal 43 Werbeansagen in 15 Minuten untergebracht". Trotzdem liebte er seinen Job beim DSC. Nur die Ansage der Mannschaftsaufstellung sagte ihm nicht zu. „Das habe ich einmal vor einem Spiel gegen Preußen Münster gemacht, das wir verloren haben. Ein furchtbarer Tag". Nach 30 Jahren als Stadionsprecher lief natürlich nicht alles glatt. „Einmal habe ich Bayer Leverkusen und seinen Trainer Klaus Augenthaler begrüßt , obwohl dieser zwei Wochen zuvor entlassen worden war." Direkt zu Beginn seiner Zeit beim DSC taufte er Arminias ehemaligen Torwart Wolfgang Kneip als „Bielefelds bekannteste Bahnschranke". Im Nachhinein konnte Buttkus darüber lachen. Kaum zu glauben, dass er einst Innenarchitekt werden wollte. Als junger Erwachsener hatte Buttkus zwei Semester Design studiert. Der Verein zeigte sich auf Anfrage am frühen Donnerstagabend bestürzt. "Lothar war ein Original. Ihn kann man nicht eins zu eins ersetzen", sagt Sprecher Tim Placke. "In der Bundesliga dürfte es keinen Verein geben, der so lange einen Stadionsprecher angestellt hatte", glaubt Placke. "Lothar Buttkus hatte immer etwas Spontanes, Humorvolles oder Dramatisches zu sagen. Heute fehlen uns die Worte. Arminia Bielefeld verliert nicht nur einen verdienten Mitarbeiter, sondern auch einen leidenschaftlichen Anhänger, der den Club und das Stadionerlebnis 35 Jahre lang geprägt hat. Wir sind unendlich dankbar für die vielen gemeinsamen Momente und werden ihn stets so in Erinnerung halten wie er war: Als immer positiv gestimmten und verrückten Arminen”, schreibt  DSC-Präsident Hans-Jürgen Laufer auf der Vereins-Homepage. Für die Begegnung am Samstag gegen Dynamo Dresden soll Stadionmoderator Sebastian Wiese die Funktion des Stadionsprechers kurzfristig übernehmen.

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