Traurig: Manucher Saidov (l.) ist Ausbildungsbotschafter. Auf seinen Mitarbeiter Hakeem muss er nun verzichten. - © Wolfgang Rudolf
Traurig: Manucher Saidov (l.) ist Ausbildungsbotschafter. Auf seinen Mitarbeiter Hakeem muss er nun verzichten. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Verzweifelte Kollegen: Junger Flüchtling in Bielefeld darf nicht mehr arbeiten

Talentiert und beliebt: Hakeem aus Ghana hat über acht Monate erfolgreich ein Langzeitpraktikum bei einer Bielefelder Tiefbau-Firma absolviert - zwei Tage vor Ausbildungsbeginn ist plötzlich Schluss

Bielefeld. Seit acht Monaten geht Hakeem Noono seinem „Traumberuf" nach. Er ist im Kanalbau tätig und arbeitet mit seinen Arbeitskollegen auf Baustellen. Das klappt nur als Team. Einige seiner Kollegen starteten zum 1. August feierlich mit ihrer Ausbildung zum Straßenbauer. Darauf arbeitete auch Hakeem Tag für Tag hin. Doch daraus wird nichts. Er muss künftig zuhause bleiben. Das schreibt ein Arbeitsverbot der Ausländerbehörde vor. Als der 21-Jährige Anfang der Woche davon erfährt, schießen ihm die Tränen in die Augen. „Darf ich trotzdem arbeiten kommen, auch ohne Geld?", fragt er Maja Gehle vom Betrieb Jens W. Kipp Tiefbau GmbH mit dünner Stimme. Dort machte Hakeem seit Januar ein Langzeitpraktikum. Gehle will einfach nicht glauben, dass der „fleißige, talentierte und zuverlässige" Hakeem künftig zuhause bleiben muss, während seine Kollegen ihre Ausbildung beginnen. Als Waise auf den Weg nach Europa gemacht Der Grund für das Verbot: Hakeems Staatsangehörigkeit ist nicht geklärt. Er gibt an, aus Ghana zu stammen. Dort sei er geboren und habe in dem Land 15 Jahre lang gelebt. Die ghanaischen Behörden aber bezweifeln das. Hakeems Eltern waren afrikanische Wanderarbeiter. Beide sind tot. Der Vater stammte aus dem Südsudan, kam bei einer Explosion auf einem Gasfeld ums Leben. Die Mutter stammte aus Liberia in Westafrika. Als Waise macht sich Hakeem 2015 allein auf den Weg nach Europa. Sein Asylantrag wird abgelehnt, da Ghana als sicheres Herkunftsland gilt. Eine Abschiebung scheitert aber daran, dass Ghana ihn nicht aufnehmen will und seine Staatszugehörigkeit ablehnt. Deshalb lebt Hakeem mit einer Duldung in Deutschland, kommt 2016 nach Bielefeld ins Quartier Zedernstraße in Ummeln. Hakeem findet schnell Anschluss, kommt in Kontakt mit Maja Gehle, absolviert seit Januar 2018 ein Einstiegsqualifizierungsjahr in dem Betrieb, als Brücke zur Ausbildung. Dort ist man angetan vom jungen Neuling. „Er hat sich sehr bewährt und ist in jeder Hinsicht makellos", sagt Gehle. „Hakeem ist musterhaft in jedem Detail seines Verhaltens." Auch im Ort knüpft er Kontakte, spielt mittlerweile regelmäßig Tischtennis beim VFL Ummeln. Mitspieler mögen sein „sonniges Gemüt." Ausbildung verwehrt Ab August sollte für ihn nach dem Praktikum der nächste Schritt folgen: eine Ausbildung. Doch dann kam das Arbeitsverbot. Der Betrieb habe seitdem nichts unversucht gelassen, schaltete Arbeits- und Asylrechtler ein. Bislang erfolglos. „Bei uns hat sich die schiere Verzweiflung breit gemacht", sagt Gehle und bezeichnet die Situation als widersinnig. „Da will ein junger Mann einfach nur seinen Weg gehen und arbeiten – und dann lässt man ihn nicht", moniert Gehle. Mit Beginn seiner Ausbildung könnte sich Hakeem komplett selber finanzieren. So aber kostet er den Staat künftig Geld. „Was macht das mit einem Menschen?", fragt Gehle. Die Branche sei dringend auf Fachkräfte angewiesen. Und einen besseren Bewerber als Hakeem könne man sich nicht vorstellen. Die Bielefelder Ausländerbehörde äußert sich zu dem Fall aus „Datenschutzgründen" nicht. Und Hakeems Zukunft? völlig unklar. Gehle: „Wir kämpfen weiter."

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