Hochbegabt: Geigerin Mira Foron (16) aus Bielefeld. FOTO:PR - © PR
Hochbegabt: Geigerin Mira Foron (16) aus Bielefeld. FOTO:PR | © PR

Bielefeld "Eurovision": Diese junge Bielefelderin spielt schon bald für Deutschland

Internationaler Klassik-Wettbewerb: Das 16-jährige Geigen-Wunderkind aus Bielefeld vertritt die deutschen Farben bei „Eurovision Young Musicians“ in Edinburgh

Thomas Klingebiel

Jeder kennt den „Eurovision Song Contest", das von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) seit 1956 veranstaltete Schlagerfestival. Nicht ganz so bekannt ist das Klassik-Pendant des europäischen Wettbewerbs, das alle zwei Jahre ebenfalls von der EBU ausgerichtet wird, in diesem Jahr in Edinburgh. Für Deutschland spielt dort ein Geigen-Wunderkind aus OWL: Mira Foron. Die gerade 16 Jahre alt gewordene Bielefelderin ist eine von 18 jungen Musikern, die bei „Eurovision Young Musicians" vom 18. bis 23. August jeweils die Farben ihres Landes vertreten werden. „Es ist eine riesige Ehre für mich, für Deutschland auftreten zu dürfen", sagt Mira Foron erfreut am Telefon. Sie hält sich gerade zu einem Privatbesuch und einem anschließenden Festival-Auftritt in Frankreich auf. Schon viele erste Preise gewonnen Trotz ihrer Jugend hat Mira Foron, die in Bielefeld ein Gymnasium besucht und parallel an der Musikhochschule Detmold bei Prof. Koh Gabriel Kameda studiert, schon reichlich Wettbewerbserfahrung und erste Preise gesammelt. 2011 gewann sie unter anderem den internationalen Wettbewerb „La Flame" für Violine solo in Paris. „,Eurovision Young Musicians’ ist aber etwas ganz Besonderes, schon wegen der vergleichsweise großen medialen Aufmerksamkeit. Ich freue mich riesig darauf", sagt die hochbegabte Geigerin. Beim ESC ist der NDR für die Auswahl des deutschen Wettbewerbsteilnehmers zuständig, bei „Eurovision Young Musicians" der WDR. Anders als in früheren Jahren schrieb der Kölner Sender den Wettbewerb diesmal nicht aus, sondern erstellte eine Shortlist aus jungen Musikern, die bei nationalen und internationalen Klassik-Wettbewerben schon gut abgeschnitten haben. Das letzte Wort hatte ein Jury aus Musikexperten. Deren Wahl fiel auf Mira Foron, die in ihrer Bewerbung auch auf Empfehlungen von Stargeigern wie Anne Sophie Mutter und Daniel Hope verweisen konnte. Anne Sophie Mutter lud Mira Foron im vergangenen Jahr ein, bei ihren Jubiläumskonzerten bei den Salzburger Festspielen und in Baden-Baden in ihrem „Mutter’s Virtuosi"-Ensemble mitzuspielen. Durch die weltberühmte Geigerin lernte Foron auch Pendereckis „Cadenza" für Solovioline kennen, die sie im August in Edinburgh neben Ravels „Tzigane" als Halbfinal-Wettbewerbsbeitrag spielen wird. Mira Foron wurde in eine musikalische Familie geboren. Ihre Eltern verschlug es vor Jahren aus Stuttgart nach Bielefeld, weil Miras Vater Sebastian Foron eine Anstellung als Violoncellist bei den Bielefelder Philharmonikern erhielt. Auch Miras Mutter, Marina Maestri-Foron, spielt Cello, während der ältere Bruder Nicoló Umberto (20), ihr „großes Vorbild", Klavier und Dirigieren in Amsterdam studiert. Nicolò Umberto wird seine Schwester in Edinburgh im kammermusikalischen Halbfinale am Klavier begleiten. Sollte sie zu den sechs Glücklichen zählen, die die Jury für das Grand Final am 23. August in Edinburghs berühmter Usher Hall auswählt, wird sie mit dem BBC Scottish Symphony Orchestra spielen. Für diesen Fall hat sie das Sibelius-Konzert ausgewählt. Mira begann mit fünf Geige zu spielen und schaffte noch im selben Jahr die Aufnahmeprüfung als Jungstudentin an der Musikhochschule Hannover. Inzwischen ist sie so gut, dass sie als Leihgabe vom Deutschen Instrumentenfonds eine kostbare Violine „mit Zettel ,Giovanni Grancino anno 1731’" erhalten hat. »Die Bühne ist mein zweites Zuhause« Obwohl ihr Schule, Studium und Konzerte wenig Freizeit lassen, vermisst sie nichts. „Auf der Bühne fühle ich mich wahnsinnig wohl", sagt sie, „das ist wie ein zweites Zuhause." Dass die Ländervertreter bei „Eurovision Young Musicians" unterschiedliche Instrumente spielen – 2016 in Köln gewann der junge Saxophonist ?ukasz Dyczko – stört sie nicht. „Das ist eindeutig etwas anderes. Da spielen Persönlichkeit und Charakter eine größere Rolle. Eine schöne Herausforderung", findet sie. Das Halbfinale in Edinburgh wird europaweit im Radio, das Finale im Fernsehen gesendet. Auch schon vorher dürfte der Medienandrang enorm sein. Miras Vater, der inzwischen freischaffender Musiker ist und sie zu den meisten Auftritten begleitet, rechnet mit „20 bis 25 Interviews am Tag". Da könnte die Konzentration fürs Geigenspiel leiden. Aber Mira macht nicht den Eindruck, als wenn sie sich leicht aus der Ruhe bringen ließe, selbst dann nicht, wenn sie beim Auftritt aus einem Meter Abstand gefilmt wird. „Ich spiele sowieso am liebsten mit geschlossenen Augen", lautet ihre ganz pragmatische Lösung. "Eurovision Young Musicians" Der Wettbewerb für junge europäische Klassik-Talente zwischen 15 und 19 Jahren wird seit 1982 alle zwei Jahre von der Europäischen Rundfunkunion (EBU) organisiert.Über den Sieger entscheidet eine international besetzte Fachjury.Der Wettbewerb gilt als einer der bedeutendsten Musikwettbewerbe auf internationaler Ebene.

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