Innenstadt-Brache: Der bereits einmal ausgewechselte Rasen auf dem Kesselbrink ist in traurigem Zustand. Er sollte längst entfernt sein. Doch die Planung der alternativen Sport- und Spielanlage verzögert sich weiter. - © Wolfgang Rudolf
Innenstadt-Brache: Der bereits einmal ausgewechselte Rasen auf dem Kesselbrink ist in traurigem Zustand. Er sollte längst entfernt sein. Doch die Planung der alternativen Sport- und Spielanlage verzögert sich weiter. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Der Rasen auf dem Kesselbrink ist endgültig zerstört

Verzögerungen: Die Hoffnung der Stadt, mit Spiel- und Sportanlage als Alternative die Probleme schnell lösen zu können, haben sich zerschlagen. Bei der Planung häufen sich die Nachbesserungen

Joachim Uthmann

Bielefeld. Über einen Hauch "Siggi"-Flair freuten sich die Bielefelder, als der Kesselbrink 2012 nach der Neugestaltung für rund 12,4 Millionen Euro endlich fertig war. Ein Anziehungspunkt: Der neue Rasen, auf dem sich viele trafen. Doch das Gras ist längst hin, die Auswechslung scheiterte. Jetzt soll eine interessante Alternative her - aber auch sie stockt seit gut einem Jahr. Eine Kette von Mängeln, Fehlern und Pannen. Karg, gelb, teils verdreckt und voll Müll liegt der Rasen da, kein schöner Anblick. Schon 2013 schwächelte er, obwohl ein strapazierfähiger Sportrasen verlegt worden sei. Die Stadt reklamierte ihn und ließ ihn auswechseln. Doch auch der neue Rollrasen - die selbe Sorte - wuchs nicht an. Die Qualität war zu schlecht, stellte der Umweltbetrieb damals fest. Der Rasen sei überaltert, nicht vital und verfilzt, der Anteil robuster Gräser viel zu gering. Die Hoffnung, ihn mit intensiver Pflege und Wässerung zu retten, zerschlug sich. Mit der ausführenden Firma geriet die Stadt in Rechtsstreit über die Übernahme der Kosten. Eine ausweglose Lage. Attraktive Sport- und Spielanlage soll entstehen Um aus dem Dilemma mit dem Rasen, für den über der Tiefgarage angesichts dünner Bodenauflage eh schlechte Bedingungen sind, zu kommen, schwenkte die Stadt um: Der Rasen soll entfernt werden, dafür eine attraktive Sport- und Spielanlage entstehen. Das kostet zwar noch einmal sechsstellige Beträge, die von den alten Fördermitteln nicht gedeckt sind. Es bringe aber eine Perspektive, die den Platz für junge und sportliche Menschen attraktiver mache, Familien und Sportbegeisterte anziehe und vielleicht auch helfe, ungeliebte Gruppen wie Drogenkonsumenten zu verdrängen, so das Versprechen. Eine grüne Kunststofffläche soll den Rasen ersetzen: Darauf soll eine große Spielanlage mit ausgefallenen Kletter-, Rutsch- und Hangelgeräten ein "neuer Magnet" werden, erhofft sich die Stadt. Und als sportlicher Höhepunkt ist eine Calisthenics-Anlage geplant, an der - fast wie an den Stränden von Kalifornien - Sportler ihre Muskeln trainieren und zeigen könnten. Calisthenics-Anlage bereitet besondere Probleme Doch gerade die bereitet besondere Probleme - weil es sie "nicht von der Stange gibt", wie die Fachleute der Stadt erklären. Und das habe zu einer ganzen Reihe von Verzögerungen geführt: Beim Landschaftsarchitekturbüro Lützow 7 in Berlin, das schon die Neugestaltung des Platzes, aber auch die Nachrüstung plante, schied der Hauptsachbearbeiter kurzfristig aus und ein weiterer Projektmitarbeiter starb plötzlich, berichtet der Umweltbetrieb auf eine Anfrage der SPD in der Bezirksvertretung Mitte. Monate habe es gedauert, bis ein neuer Mitarbeiter mit der Materie vertraut gewesen sei. Das Großspielgerät sei mit einem namhaften Hersteller entwickelt und produziert worden - und lagere mittlerweile auf dem städtischen Bauhof. Weil aber alles als Gesamtprojekt realisiert werden soll, muss die Stadt auf die Calisthenics-Anlage warten. Die habe kein Hersteller auf Lager, sie müsse im Stil des Großspielgeräts von dem Architekturbüro in Abstimmung mit den Nutzern geplant werden, so der UWB. Erst dann könne die Anlage ausgeschrieben und von einer Stahlbaufirma gefertigt werden. Das müssten der TÜV Nord und ein externes Büro für konstruktiven Ingenieurbau prüfen. "Das führte zu einer weiteren Verzögerung", räumt der UWB ein. Abnahme von Statiker und TÜV ist für Ende September eingeplant Denn die Unterlagen dafür hätten "mehrfach nachgearbeitet" werden müssen. Erst im Juni konnte das Vergabeverfahren beginnen. Doch auch bei den Ausschreibungsunterlagen habe mehrfach korrigiert werden müssen. Hinzu kommen lange Lieferzeiten. Die Folge: Der Zeitplan hat sich weiter verschoben. Die Abnahme von Statiker und TÜV ist jetzt für Ende September eingeplant, der Einbau frühestens im Oktober. Wichtig sei zudem, dass die Arbeiten eng aufeinander abgestimmt werden und keine längeren Unterbrechungen entstehen. Jürgen Bültmann vom Immobilienservicebetrieb räumt "große Probleme" ein. Er hat die Hoffnung, dass die Anlage, die schon im Sommer 2017 Besucher auf den Platz locken sollte, noch 2018 aufgebaut wird. Risiken bleiben. Aktuell checkt das Rechnungsprüfungsamt die Angebote.

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