Endlich Ferien: Die Vorfreude ist riesengroß. Mit dem Zug reisen Tom (v. l.), Luca, Alexandros, Inel und Johannes mit dem Zug in die Niederlande. Erst geht's zum Hip-Hop-Festival, dann für ein paar Tage weiter nach Amsterdam. - © Andreas Zobe
Endlich Ferien: Die Vorfreude ist riesengroß. Mit dem Zug reisen Tom (v. l.), Luca, Alexandros, Inel und Johannes mit dem Zug in die Niederlande. Erst geht's zum Hip-Hop-Festival, dann für ein paar Tage weiter nach Amsterdam. | © Andreas Zobe

Mitte Wohin fahren die Bielefelder in den Urlaub?

Es muss aber nicht immer bis ans Ende der Welt gehen. Viele Menschen haben nur eine kurze Strecke bis zu ihrem Urlaubsziel vor sich. Doch allen steht die Urlaubsfreude ins Gesicht geschrieben

Jürgen Mahncke

Mitte. Am Freitagmittag ist der Hauptbahnhof zu einem Ort des Träumens, der Vorfreude und des Reisefiebers geworden. Immer mehr Menschen mit vollgepackten Taschen, schweren Koffern und Rucksäcken erobern die Bahnsteige. Sie machen sich auf ihren Weg in den Urlaub. Kennen Sie Pavlodar in Kasachstan, die Stadt im Süden des westsibirischen Tieflandes, etwa 5.300 Kilometer von Bielefeld entfernt? Erika und Oleg sind dort geboren, ihre Kinder Daniel und Anastasia in Herford, Oma Lidia ist gebürtige Russin. Die Fünf warten am Gleis 2 auf den ICE, der sie um 12.38 Uhr auf die erste Etappe nach Berlin bringt. Von dort geht es mit dem Flugzeug über Moskau nach Astana, der Hauptstadt Kasachstans. Nach 400 Kilometern über holprige Straßen werden Eltern, Kinder und Oma vermutlich heute Morgen gegen 8 Uhr müde und gerädert Pavlodar erreicht haben. Für einen Monat steht dann Shoppen, Grillen, Baden und Relaxen auf dem Programm. Nächste Gruppe, Männertour. Das Gepäck sagt einiges: Isomatten, Zeltstangen, Sporttaschen, Wasserflaschen. Eine Woche fernab von Eltern und Regularien, darauf freuen sich Luca, Tom, Inel, Johannes und Alexandros. Er produziert Hip- Hop-Beats, den Rhythmus, bei dem jeder mit muss. Johannes spielt Geige, die aber lediglich etwas über seine Musikalität aussagt. Die frisch gebackenen Abiturienten warten noch auf drei Kumpel, die sich mal wieder verspäten. Doch bis zur Abfahrt des Zuges nach Düsseldorf bleibt noch Zeit. Von dort geht es mit dem Bus in die Niederlande bis Eindhoven, dann umsteigen nach Tilburg - und von dort startet der Shuttlebus zum Woo Hah in Hilvarenbeek. Woo Hah, das ist ein bei jungen Leuten angesagtes, mehrtägiges Urban- und Hip-Hop-Festival. Hier werden die jungen Leute auf einem Campingplatz zelten, bevor es dann noch für ein paar Tage nach Amsterdam in ein angemietetes Ferienhaus geht. Reise ins Mittelalter Nächste Gruppe, Reise ins Mittelalter: Das große Gepäck bei den beiden Frauen auf Gleis 5 fällt sofort auf. Sie scheinen eine größere Reise vor sich zu haben. "Wir kommen aus Köln und gönnen uns zu Beginn der Ferienzeit etwas", sagt Simone, die mit ihrer Freundin Eleonora unterwegs ist. "Wir haben mittelalterliche Kleidung eingepackt und werden uns als Mägde in unseren Baumwoll-Leinenstoff-Gewändern unter die Besucher mischen." Die Fahrt geht nach Bückeburg zum "Mittelalterlichen Fantasie Spectaculum". Tour mit Hund: Aber, Sookie darf nicht angesprochen werden. Er ist bei der Arbeit. Sein Beruf ist Assistenzhund. Seit fast zehn Jahren weicht er Hannah aus Bielefeld nicht von der Seite. Sie leidet immer wieder unter plötzlich eintretenden Krämpfen. Der Border-Collie-Sheltie-Mix zeigt nahende Anfälle durch Kratzen an. So kann sich Hannah auf das nahende Übel besser einstellen. "Endlich wieder unbeschwert verreisen zu können, das habe ich mir immer gewünscht", sagt Hannah. Für zwei Wochen geht das unzertrennbare Paar auf Tour nach Verden an der Aller. Hier will Hannah mit Sookie wandern und relaxen. Im vergangenen Jahr haben sie bereits eine große Radtour von Hamburg nach Frankfurt und zurück gemacht. Sookie saß bequem vorne in der Hundekiste. War noch was? Ja. Pünktlich um 14.06 Uhr fährt der IC nach Binz auf Rügen ein. Die Reisenden pressen sich mit ihrem Gepäck in die Waggons, nach zwei Minuten fährt der Zug vollgestopft weiter gen Ostsee. Aus der anfahrenden Bahn ruft uns der Zugbegleiter noch zu: "Nichts wie weg aus Bielefeld!" Wir können ihn leider nicht mehr zur Rede stellen. Vielleicht hat er an diesem Tag aber auch Recht.

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