Verzweifelt: Ilse Wehr, Gudrun Dittrich und Ulrich Plaß schauen vom Balkon auf die Baustelle des Boss-Marktes an der Herforder Straße. Doch das Schlimmste für die Nachbarn ist der Lärm: "Man hat keinen Tag Ruhe mehr." - © Andreas Zobe
Verzweifelt: Ilse Wehr, Gudrun Dittrich und Ulrich Plaß schauen vom Balkon auf die Baustelle des Boss-Marktes an der Herforder Straße. Doch das Schlimmste für die Nachbarn ist der Lärm: "Man hat keinen Tag Ruhe mehr." | © Andreas Zobe

Mitte Möbelmarkt-Baustelle sorgt bei Bielefeldern für Unmut

Boss-Möbelmarkt: Lautes Schreddern, Rattern und Pfeifen, teils auch nachts, stört die Anwohner

Joachim Uthmann

Mitte. "Manchmal klappert sogar das Geschirr im Schrank", sagt Ilse Wehr verzweifelt. Die Anwohner der Hellingstraße im Osten sind genervt. Sie haben schöne Gärten und Balkone - doch vom Sommer haben sie nicht viel. Denn daneben ist Baustelle. Porta baut an der Herforder Straße 271-273 einen neuen Boss-Möbelmarkt. Und seitdem ist es mit der Ruhe für die Anlieger vorbei. "Teils geht es schon um 6 Uhr morgens los, teils wird noch in der Nacht bis 2 Uhr rangiert", sagt Gudrun Dittrich. Sie hat sich auch an Stadt und Polizei gewandt: "Doch genützt hat es nichts." Denn die Aussichten, die Belastungen durch die Baustelle zu verringern, sind nicht groß. Das Projekt ist genehmigt, der Bebauungsplan lässt den Möbelmarkt zu. Für die Anwohner keine schöne Perspektive. Denn sie können nicht in Ruhe im Garten oder auf dem Balkon sitzen. "Den ganzen Tag den Lärm, das hält man nicht aus", sagt Ulrich Plaß. Besonders betroffen sind die ersten Häuser, weil dort die Schredderanlage für den Bauschutt lief. Dass die auch nachts auf- und abgebaut wurde, empört Anwohner. Doch dafür sei ein Schwertransport nötig, der nur nachts fahren dürfe, erklärt Umweltamtsleiter Martin Wörmann. Es habe eine Sondergenehmigung gegeben. Auch Dreck und Staub machen den Anliegern zu schaffen Neben Lärm machen Dreck und Staub den Anliegern zu schaffen. Teils sei dicker Betonstaub herübergeflogen. Wehr: "Alles war dreckig." Dabei hat der eigentliche Bau noch gar nicht begonnen. Boss-Sprecherin Henrike Hohmeyer hatte den offiziellen Beginn für August angekündigt. Doch davor muss das Gelände hergerichtet werden. Weil dort bis Anfang der 2000er-Jahre noch die frühere Mercedes-Benz-Niederlassung betrieben wurde, waren Altlasten zu entfernen und der Baugrund aufzuarbeiten. Erste Arbeiten liefen schon 2017, so Hohmeyer. Das sei mit Grund gewesen, dass sich das Projekt um ein Jahr verzögert hatte und die Eröffnung erst 2019 ist. Vorgeschrieben ist, dass das ausgebuddelte Material sortiert und so weit wie möglich recycelt wird - mit der Folge, dass große Maschinen es zerlegen und schreddern. Und das macht Lärm. Das Baugelände ist groß. Der Boss-Markt plant selbst schon 11.500 Quadratmeter Verkaufs- und Lagerfläche. Dazu kommt der Hammer-Fachmarkt für Heimtex mit 2.500 Quadratmetern sowie zwei weitere Einheiten mit 2.500 bzw. 1.400 Quadratmetern, wo Einrichtungen wie ein Fitnessstudio denkbar wären. Davor sind 230 Parkplätze geplant. Fast 15 Jahre war die frühere Gewerbefläche Brache. Nur gelegentlich wurde sie mal als Baustellenlager oder für einen Zirkus genutzt. Insgesamt eine eher ruhigere Zeit für die Anlieger. Dass so lange nichts geschah, lag mit daran, dass sich Porta nach Kauf der Immobilie und die Stadt über das Ausmaß der künftigen Nutzung nicht einig waren. Für die Anlieferung wird eine Extrazufahrt an der Herforder Straße gebaut Vor gut zehn Jahren änderte die Stadt den Bebauungsplan mit Blick auf einen Möbelmarkt in ein Sondergebiet. Doch Beschränkungen etwa beim einzelhandelsrelevanten Sortiment erschwerten die Investition. Schließlich gibt es genauere Auflagen etwa für die Beleuchtung, die nicht in die Fenster der angrenzenden Wohnhäuser scheinen soll, und ein Lärmgutachten, nachdem die Grenzwerte eingehalten werden. Für die Anlieferung, die nur tagsüber von 6 bis 22 Uhr erlaubt ist, wird von der Herforder Straße eine Extrazufahrt gebaut. Hohmeyer erklärt, in der Regel werde nur in Betriebszeiten angeliefert, nachts nicht. Daneben soll es zwei Ein- und Ausfahrten geben - eine an der Herforder und eine zweite an der Hellingstraße zwischen der Ampelkreuzung und dem ersten Haus. Auch das wird die Nachbarn belasten. Sie hätten es lieber gesehen, wenn auf der Fläche Wohnungsbau geplant würde. Dittrich: "Nur wenige 100 Meter weiter ist doch Zurbrüggen. Und Wohnungen werden doch gebraucht." Das Areal direkt an der Stadtbahnlinie 2 würde sich doch dafür gut eignen. Hohmeyer erklärt: "Wir legen großen Wert auf gute Nachbarschaft." Für eine Information der Anlieger sei man aber nicht zuständig.

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