Die Plataten in Bielefeld verlieren ihre Borke. - © Wolfgang Rudolf
Die Plataten in Bielefeld verlieren ihre Borke. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Was ist mit den Bielefelder Platanen los?

Naturphänomen: Viele Platanen verlieren seit ein paar Wochen große Borkenstücke

Bielefeld. Rund um die Platanenallee am Finanzamt sieht es dieser Tage aus, wie nach einem Orkan. Auf den Straßen und Bürgersteigen liegen große Borkenstücke. Überall dort in Bielefeld, wo Platanen wachsen, zeigt sich ein ähnliches Bild. In vielen anderen deutschen Großstädten wie Frankfurt, Köln oder Aachen ist aktuell das gleiche Phänomen zu beobachten. Der Umweltbetrieb der Stadt Bielefeld gibt jedoch Entwarnung. „Das Erscheinungsbild der Platane ist zu dieser Jahreszeit arttypisch. Nur die Menge der abfallenden Borke variiert von Jahr zu Jahr," erklärt Michael Koch. Durch das Wachstum der Stämme wird die alte Rinde zu eng, wird abgeworfen und neugebildet. Je nach Dickenwachstum wird mal mehr, mal weniger Rinde abgeworfen. Der Abwurf der Borke sei damit kein Hinweis auf eine Schädigung des Baumes, so Koch. Dass die Platanen ihre Borke verlieren hat also erstmal nichts mit dem Klimawandel zu tun. Folge der Trockenheit Die ahornblättrige Platane ist eine beliebte Park- und Alleepflanze in Mitteleuropa. Typisch für die Pflanze ist, dass jedes Jahr im Sommer an den Stämmen ein grün-weißes Mosaik zum Vorschein kommt. Dies bestätigt auch Prof. Wolfram Beyschlag von der biologischen Fakultät der Uni Bielefeld. „Dass die Platanen um diese Zeit ihre Borke abwerfen, ist völlig normal und zeigt, dass es ihnen gut geht." Normalerweise, so Beyschlag, erstrecke sich der Borkenabwurf aber über einen längeren Zeitraum. „Die Trockenheit in den letzten Wochen hat aber zur Folge, dass dieser Prozess in diesem Jahr in einem kürzeren Zeitraum verläuft," so Bey᠆schlag weiter. Die Rinde trocknet schneller durch, als es bisher der Fall war und lässt die Borke schneller abfallen. So lassen sich die großen Borkenmengen auf den Straßen erklären. Der starke Wind in den letzten Tagen habe die abgefallene Borke zudem weit weg von den Bäumen transportiert, wo sie vielen Passanten stärker auffalle, als wenn sie im direktem Umfeld der Bäume liegen würde. Robuste Bäume Platanen gelten als recht robust gegenüber Hitzewellen und Trockenheit. „Allerdings stellt die Hitze der letzten Tage für andere Bäume ein großes Problem dar." Darauf weist Jens Jürgen Korff vom BUND hin. Er ist Projektleiter von „Bielefelder Bäume" und beobachtet die Veränderungen der Bäume genau. Bei Buchen, Linden, Eschen und Birken lassen sich bereits jetzt Blattverfärbungen beobachten. Der herbstliche Laubfall wird daher wohl deutlich früher einsetzen als sonst. Die Folge: die Bäume wachsen nicht weiter und versuchen teilweise, ihre Kronen zu verkleinern, indem sie trockene Äste abwerfen. Passanten sollten künftig also auf herabfallende Äste achten. Wichtig sei es jetzt, so Korff, Bäume ausreichend zu bewässern. Dort, wo die Stadt Straßenbäume mit Dränrohren im Wurzelwerk ausgestattet hat, deren Enden aus der Erde herausragen, sollten die Anwohner helfen und abends Wasser einfüllen, damit der Baum trinken kann. Vor allem Jungbäume müssen jetzt gewässert werden.

realisiert durch evolver group