Im entkernten "Clubraum": Daniel Elsner, Sascha Berg und Marcel Lossie (v. l.) stehen da, wo zukünftig Platz für rund 150 Gäste auf anthrazitfarbenem Betonestrich sein wird. - © Wolfgang Rudolf
Im entkernten "Clubraum": Daniel Elsner, Sascha Berg und Marcel Lossie (v. l.) stehen da, wo zukünftig Platz für rund 150 Gäste auf anthrazitfarbenem Betonestrich sein wird. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Großbaustelle: Bielefelds Ringlokschuppen schließt für mehrere Monate

Inhaber und Betreiber gestalten bis September das historische Gebäude um. Sie wollen Industrie-Architektur hervorheben. Manch bekannter Anblick verschwindet

Dennis Rother

Bielefeld. Im Ringlokschuppen fällt der Startschuss für ein Mammutprojekt. Inhaber und Betreiber wollen das mehr als 100 Jahre alte Gebäude umgestalten, vom Boden über die Empore bis zur Decke. Zudem arbeiten sie Historie und Herkunft des Veranstaltungshauses architektonisch heraus. Industriedesign soll betont werden, Buntes, teils Kitschiges verschwinden. Mächtig viel zu tun also bis zum Neustart im September. Wie berichtet haben vier Bielefelder Investoren die Immobilie mit mehr als 4.000 Quadratmetern Innenfläche gekauft. Die Event-Manager Sascha Berg, Marcel Lossie und Daniel Elsner sind seit Anfang 2018 Mieter. Ihre künftige Devise: mehr Konzerte und Kongresse, weniger Fokus auf Diskobetrieb. Um den Schuppen dafür auszustatten, kommt jetzt die Großbaustelle. "Sommerurlaub hab' ich gestrichen", sagt Sascha Berg am Dienstag im Foyer. Um ihn herum reges Treiben: Aufräumarbeiten der letzten Dehoga-Tagung laufen. Weil die Hoteliers und Gastwirte den kleinen "Clubraum" für bis zu 150 Gäste nicht brauchten, ist er schon entkernt worden. Der wellig-löchrige Boden bröckelte schon und wurde herausgerissen. Ab 6. August kommt 18 Zentimeter dicker, stahlbewehrter Betonestrich. "Farbe anthrazit", sagt Berg. Empore in der großen Halle kommt weg Ausgewechselt werden unter anderem auch Schallisolierplatten. Ab Montag sind die beiden 600 und 1.400 Quadratmeter fassenden Hallen dran. Gleiches Programm, aber viel mehr Aufwand. Stilistisch schlicht und elegant soll's im Innenraum hinter den Kulissen gleichermaßen werden. "Wir nutzen den offenen Boden überall, um Kabelstränge in Tanks unterirdisch zu verlegen", sagt Berg. Bei der Haustechnik sei einiges nachzuholen. Sie stammt von 2003, dem Jahr der "Rilo"-Wiedereröffnung. "Man muss sich nur die Entwicklung von Handys angucken, um zu sehen, wie sehr wir im Hintertreffen sind." Wenn der Boden schließlich wieder zu ist, gibt?s im Gebäude keine Stufen oder "Rampen" mehr, sagt Marcel Lossie. "Barrierefreiheit" bringt eine riesige Bandbreite an Veranstaltungsmöglichkeiten, so Lossie. Die markante Empore in der großen Halle kommt ganz weg. Der Balkon sei bei Konzerten und Partys hinderlich, nicht nutzbar und werde abgerissen. Aufgepeppt werden zudem die Theken. "Bislang bereiten Barkeeper Getränke mit dem Rücken zum Kunden zu, an der Wand. Gastronomisch nicht zeitgemäß", sagt Sascha Berg. Demnächst ist der Tresen zum Kunden hin ausgerichtet. High-Tech-Kassen sind ebenfalls bestellt. Viel Arbeit gibt's auch an der Decke, sagen Berg und Lossie und blicken in der kleinen Halle vor der Bühne nach oben. Die konventionelle Lichtanlagen koste 113 Euro pro Stunde, LED-Ersatz läge bei rund 10 Euro, rechnet Berg vor. "Da mussten wir nicht lange überlegen." Licht spielt eine herausragende Rolle Licht spiele sowieso eine herausragende Rolle im Nutzungskonzept: "Wir illuminieren das Mauerwerk samt historischer Träger." Statt es zu verstecken, soll das ehemalige Eisenbahnbetriebswerk, Baujahr 1905, seine geschichtsträchtigen Alleinstellungsmerkmale stolz präsentieren. Die Betreiber setzen auf den Nostalgie-Charme von Industriekultur. Was obendrein noch an Diskostrahlern montiert wird, sei aber noch nicht fix: "Wir haben mehrere zum Testen besorgt." Der Zeitplan für die Handwerker ist eng getaktet. Sobald der Boden begehbar ist, kommen Maler. In der großen Halle startet der Innenausbau am 13. August. Das Praktische: "Yannick Ruschke und Sebastian Ernst, zwei der Inhaber, sind als Architekten regelmäßig da", sagt Marcel Lossie. Wie bei einer Wohnimmobilie teilen sich Inhaber und Betreiber die Renovierungskosten. Beide zahlen einen "deutlich sechsstelligen Betrag", sagen Sascha Berg und Sebastian Ernst. Das Geld sei der Lokschuppen allemal wert. Event-Chef Lossie lädt anlässlich des dreijährigen Bestehens seiner Gin-Eigenkreation am Samstag noch einmal zur Party. Es ist die letzte, bevor sich die Handwerker für das Projekt "Rilo" 2.0 zum Dauereinsatz einnisten. Wehmut dürfte mitschwingen.

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