Bielefeld Stadtwerke investieren 280 Millionen Euro in Glasfaser

Ausbau beginnt: Verlegung startet in Sudbrack

Joachim Uthmann

Bielefeld. Lahmes Internet, teils sogar weiße Flecken im Netz - der Breitbandausbau in Bielefeld hinkt hinterher. Das soll sich ändern. In einigen Straßen verlegen Anbieter wie die Telekom bereits Leitungen. Gestern gaben die Stadtwerke offiziell den Startschuss für ihren Netzausbau, in den bis 2027 rund 280 Millionen Euro fließen sollen. Im Auftaktstadtteil Sudbrack nahmen schon 750 Hausbesitzer das Angebot des kostenlosen Anschlusses an. Bis Ende Juli können sich die Bürger in Sudbrack noch melden und für den kostenlosen Anschluss registrieren lassen. Ab August kostet es dann 1.300 Euro, erklärte Martin Uekmann, Geschäftsführer der Stadtwerke, deren Telekommunikationstochter BITel das Projekt vorantreibt. Im ersten Abschnitt sind 900 Häuser mit rund 2.000 Wohnungen vorgesehen. Ende des Jahres könnten die Leitungen freigeschaltet werden, so Uekmann. Ab September will Projektleiter Ingo Kröpke aber schon zwei weitere Gebiete, die an das erste grenzen, mit den Glasfaser-Ausbau einbeziehen. "Wir tasten uns langsam vor, weil es auch für uns Neuland ist", sagt Kröpke. Klar sei aber auch, dass die Anstrengungen verstärkt werden müssten, wenn man das ehrgeizige Ziel des stadtweiten Ausbaus des Glasfasernetzes erreichen will. »Wir bemühen uns, die Beeinträchtigungen gering zu halten« Sechs Kolonnen buddeln in Sudbrack bereits Gehwege auf, um die Kabel zu verlegen. Daniel Stoffelen und seine Kollegen von der Firma Dahmen (Mecklenburg) graben an der Langen Straße und ziehen die orangegelben Leitungen ein. Die Anlieger zeigten sich zufrieden, dass endlich Glasfaser verlegt wird, sagt Stofflen. Die Beeinträchtigungen nähmen sie hin. Schwieriger sei es manchmal mit Autofahrern, weil es Engpässe gibt und in Abschnitten Halteverbote gelten. "Wir bemühen uns, die Beeinträchtigungen gering zu halten", sagte Uekmann. Überwiegend könne in den Gehwegen gearbeitet werden. Vollsperrungen von Straßen seien nicht nötig. Kurzzeitig könne es zu Engpässen oder halbseitigen Sperrungen kommen. Kröpke rechnet damit, dass die Leerrohre im ersten Abschnitt in fünf bis sechs Monaten verlegt sind: "Zu Weihnachten könnte das Licht angehen." Denn angeschlossen sein müssen die Leitungen an eine Steuerungsstation, die an der Koblenzer Straße geplant ist. Über Verteilerkästen werde das Netz dann bis zu den Häusern geführt. Im zweiten und dritten Abschnitt sollen dann die Gebiete westlich der Jöllenbecker Straße bis hin zur Koblenzer Straße sowie südlich bis zur Sudbrack- und Bünder Straße angeschlossen werden. Kröpke: "Das sind noch einmal so viele Häuser wie im ersten." »Glasfaser ist das größte Infrastrukturprojekt für Jahrzehnte« Aber auch das ist erst ein kleiner Prozentsatz. Insgesamt rechnen die Stadtwerke mit 70.000 Häusern, die sie erreichen wollen. Offen ist, wann da auch die entlegene Stadtgebiete, die heute noch als "weiße Flecken" im Netz gelten, dazuzählen. Denn für deren Erschließung läuft eine Sonderausschreibung der Stadt, weil es dafür sogar Fördermittel gibt. Die Stadtwerke haben sich beworben, ob sie den Zuschlag erhalten, ist aber unklar. Die Vergabe sei in Kürze zu erwarten, so die städtische Breitbandbeauftragte Sonja Opitz. Die Bielefelder wünschten sich ein schnelleres Internet. Obwohl es eher Neuland ist, verfolgen die Stadtwerke eine ehrgeizige Gesamtstrategie. Geschäftsführer Friedhelm Rieke: "Glasfaser ist das größte Infrastrukturprojekt für Jahrzehnte". Und es sei dringend nötig, damit Bielefeld den Anschluss halte. Bisher sind die Leistungen begrenzt. BITel verspricht jetzt aber, dass die, die angeschlossen sind, bald mit 400 Megabit im Netz surfen könnten. Geschäftsführer Josef Glöckl-Frohnholzer: "Im kommenden Jahr werden wir auch Gigabit-Produkte aufnehmen." Und ein Masterplan, den die Firma Voss Telecom Services erarbeitete, zeigt künftig den Leitungsplanern, wo Netzausbau und Projekte geplant sind, damit sie Leerrohre mit verlegen lassen können, so Kröpke.

realisiert durch evolver group