Roller im Retro-Look: Cornelia Christian (v.l.), Friedhelm Rieke, Sarah Bicker und Martin Uekmann von MoBiel und Stadtwerken mit dem neuen „Kumpan electric", der in Deutschland bei Remagen hergestellt wird. Ab August wird die Rollerflotte zunächst getestet. - © Oliver Krato
Roller im Retro-Look: Cornelia Christian (v.l.), Friedhelm Rieke, Sarah Bicker und Martin Uekmann von MoBiel und Stadtwerken mit dem neuen „Kumpan electric", der in Deutschland bei Remagen hergestellt wird. Ab August wird die Rollerflotte zunächst getestet. | © Oliver Krato

Bielefeld Die Stadtwerke Bielefeld verleihen demnächst E-Roller

15 Elektroroller stehen ab September den Bielefeldern leihweise zur Verfügung. Vorbild ist das Carsharing-Modell. Doch es wird keine festen Mietstationen geben

Christine Panhorst

Bielefeld. Er beschleunigt ordentlich, schnurrt dabei nur leise vor sich hin und schafft mit drei Elektroakkus bis zu 180 Kilometer. Der weiße E-Roller, der auf dem MoBiel -Betriebshof in Sieker probeweise seine Runden zieht, soll in Zukunft ein guter "Kumpan" der Bielefelder werden. 15 Elektroroller des Typs "Kumpan electric" bringt die Stadtwerke-Tochter ab September für ein neues Leihangebot in die Stadt. Das hat gegenüber dem Cambio-Carsharing einen klaren Vorteil. Denn die Roller werden keine Mietstationen haben. Das heißt: Sie müssen nach abgeschlossener Fahrt nicht zu einem festen Standort zurückgebracht werden, sondern warten dort, wo sie der letzte Kunde abgestellt hat, auf den nächsten Fahrer. Das macht das Angebot besonders flexibel. DAS SHARING-PRINZIP Sharing in der Mobilität, das gibt es schon länger. "to share" ist das englische Wort für teilen. Beim Sharing kann man sich als Kunde aus dem Fahrzeugbestand eines Dienstleisters bedienen. Eine Anmeldung in der Nutzergemeinschaft ist dafür in der Regel Voraussetzung. Das trifft auch aufs neue E-Roller-Angebot zu. DIE ANMELDUNG "Es wird eine App geben, über die die gesamte Nutzung der E-Roller abgewickelt wird und über die man sich zunächst anmeldet", erklärt Sarah Bicker, Projektleiterin bei MoBiel. Die App werde dafür aufs Smartphone heruntergeladen. Persönliche Daten müssen eingegeben, Führerschein (mindestens ein Jahr Fahrpraxis) und Personalausweis hochgeladen werden. Ein MoBiel-Mitarbeiter prüft die Richtigkeit der Informationen und schaltet Neukunden für die Nutzung frei. Sobald das passiert ist, können diese in der Smartphone-App sehen, wo die 15 Roller gerade stehen. DIE BUCHUNG Per App kann nun ein Roller reserviert werden. Dieser muss jedoch ab Reservierungszeitpunkt innerhalb von 15 Minuten abgeholt werden. Sonst verfalle die Reservierung, so Bicker. Das Angebot ist also zunächst vor allem für Kurzentschlossene geeignet. Auch zum Losfahren benötige man sein Handy, erklärt Bicker. "Ist der Kunde, der gebucht hat, mit seinem Smartphone in unmittelbarer Nähe des E-Rollers, koppelt sich dessen Technik über Bluetooth mit dem Handy des Kunden." Der Roller schaltet automatisch auf Fahrbereitschaft - und kann per Knopfdruck gestartet werden. Los geht?s. Aber nur mit Helm. DIE AUSSTATTUNG Zwei Helme in verschiedenen Größen liegen im Koffer hinten am Zweisitzer-Roller zum Überstülpen bereit - dazu Zellstoffhäubchen. Aus Hygienegründen. Außerdem gibt?s ein Handschuhfach, in dem sich das Handy aufladen lässt, in der Trittfläche verbirgt sich ein Getränkehalter. Werden beide Helme benutzt, ist der Koffer frei. Unterm Sitz sind drei E-Akkus, Technik und GPS-Empfänger untergebracht - hier ist kein Stauraum. "Da kommt der Kunde nicht heran", sagt Bicker. Muss er auch nicht: Das Aufladen der Akkus übernehmen die MoBiel-Mitarbeiter. Sinkt die Akkuleistung unter 20 Prozent, wird ein E-Roller aus dem Angebot genommen. Den jeweiligen Akkustand der Roller erfahren die Kunden bei der Buchung, so dass sie abschätzen können, ob es für ihre Fahrt auch reicht. DIE FAHRT Unterwegs setzt nur die Akkuleistung mit rund 180 Kilometer Reichweite Grenzen. Jede Fahrt kann jedoch per App-Parkfunktion unterbrochen werden. "Es ist auch möglich, Ausflüge über die Stadtgrenzen hinaus zu machen", sagt Bicker. Anders sieht es beim endgültigen Abstellen nach Fahrtende aus: Hier müssen die Roller innerhalb innerhalb der Stadtteil-Außengrenzen zwischen Schildesche und Gadderbaum, Dornberg und Heepen abgestellt werden. Der Bielefelder Süden ist ausgeklammert - zu abgelegen für viele. Per App wird auch bezahlt: Einmalig 9,90 Euro kostet die Anmeldung inklusive 20 Freifahrt-Minuten. Danach werden fürs Fahren 19 Cent pro Minute, fürs Parken 9 Cent pro Minute fällig oder 19 Euro als Tagesfestpreis. Ab August werden die E-Roller während einer ersten Testphase im Straßenverkehr zu sehen sein. Im September geht das Angebot offiziell an den Start. Zunächst bis zum Jahresende stehen die Retro-Flitzer zur Verfügung. Kommen sie an, wird die Flotte laut MoBiel erweitert.

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