Der Bielefelder Unternehmer Hans-Dietrich Reckhaus kann seine eigenen Produkte schon länger nicht mehr leiden. - © dpa/picture alliance
Der Bielefelder Unternehmer Hans-Dietrich Reckhaus kann seine eigenen Produkte schon länger nicht mehr leiden. | © dpa/picture alliance

Bielefeld Ausgezeichnet: Obwohl Bielefelder Unternehmer seine eigenen Produkte nicht leiden kann

Zum 25. Mal kürt der Wettbewerb TOP 100 die innovativsten Firmen des deutschen Mittelstands - mit dabei ist eine Firma aus Bielefeld

Alexandra Buck

Bielefeld. Es klingt kurios in einer Zeit, da jedes tote Insekt eigentlich eine Katastrophe ist: Ein Bielefelder Insektenvernichter gewinnt einen renommierten Innovationspreis - übergeben von Deutschlands Populär-Wissenschaftler Nummer 1: Ranga Yogeshwar. Zum 25. Mal kürt der Wettbewerb TOP 100 die innovativsten Firmen des deutschen Mittelstands. Zu diesen Innovationsführern zählt in diesem Jahr die Reckhaus GmbH aus Bielefeld. Ranga Yogeshwar und Nikolaus Franke (wissenschaftlicher Leiter von TOP 100) ehrten den Unternehmer Hans-Dietrich Reckhaus aus Bielefeld am 29. Juni auf der Preisverleihung in Ludwigsburg. In dem unabhängigen Auswahlverfahren überzeugte das Unternehmen mit 50 Mitarbeitern besonders in der Kategorie „Innovationsförderndes Top-Management", heißt es bei den Ausrichtern des Wettbewerbs. Die Firma Reckhaus schaffe die Quadratur des Kreises, heißt es weiter: "Als Hersteller von Insektenbekämpfungsmitteln setzt sich das Unternehmen für den Erhalt von Insekten ein." 1956 wurde die Firma gegründet und entwickelte sich vom Produzenten von Bioziden für Privathaushalte zum umweltfreundlichen Dienstleister. Den Anstoß zu der Entwicklung gaben die St. Galler Konzeptkünstler Frank und Patrik Riklin, die den Auftrag, eine Idee für den Markteintritt einer neuen Fliegenfalle zu suchen, ablehnten. Stattdessen konfrontierten die beiden Künstler den Geschäftsführer Hans-Dietrich Reckhaus mit der Frage: Wie viel Wert hat eine Fliege? Ihre Antwort: Retten statt töten. Die daraus entstandene Gegenstrategie mündete in einen Transformationsprozess und in die Entwicklung von „Insect Respect". Den Höhepunkt bildete die Kunstaktion „Fliegen retten in Deppendorf" (2012). „Die Zusammenarbeit mit den Künstlern hat bei mir einen Schalter umgelegt", berichtet Reckhaus. „Ohne den Dialog mit der Kunst hätten wir nicht den Innovationspreis gewonnen", so Reckhaus weiter. Reckhaus gründete eine eigene Marke. Hinter ihr steckt unter anderem das Gütesiegel „Insect Respect" für Biozide mit ökologischer Kompensation. „Wir berechnen, wie viele und welche Insekten mit den Produkten bekämpft werden. Um diesen ökologischen Schaden zu kompensieren, errichten wir insektenfreundliche Lebensräume", erklärt Reckhaus. Unter anderem begrünt die Firma Flachdächer in Siedlungsgebieten. Ziel ist es darüber hinaus, eine „Insekten-Lobby" in Deutschland zu etablieren. Schließlich geben Insekten der Natur Widerstandskraft, halten die Pflanzenwelt am Leben, sichern die Welternährung, machen die Erde fruchtbar, befreien uns von „Müll", produzieren Chemikalien, heilen und sind wissenschaftlich äußerst wertvoll. So sieht Hans-Dietrich Reckhaus das, Chef einer Firma mit Produkten, die er selbst nicht mehr besonders mag.

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