Der Asta der Uni Bielefeld hat keinen Bock auf Cro. - © dpa
Der Asta der Uni Bielefeld hat keinen Bock auf Cro. | © dpa

Bielefeld "Gewaltfantasien und Sexismus": AStA hat keinen Bock auf Cro beim Campus-Festival - und erntet selbst Kritik

Der Sänger tritt am Donnerstag beim Campus-Festival auf. Das hatten Teile der Studierendenschaft kritisiert - und Empörung ausgelöst. Jetzt meldet sich auch der Veranstalter zu Wort


Bielefeld. Kurz vor dem Campus-Festival Bielefeld kündigt sich eine überraschende Diskussion an. Denn Teile der Studierendenschaft haben "keinen Bock auf Cro". Der tritt am morgigen Donnerstag als Headliner an. Das finden vor allem das AStA-Gleichstellungsreferat und das Feministische Referat der Uni problematisch. "Wir haben keine Lust, Cro eine Bühne zu geben, auf der er seinen Sexismus und seine Gewaltfantasien zum Besten geben kann", heißt es in deren Stellungnahme, die auf der Facebook-Seite vom AStA veröffentlicht wurde. Auf NW-Anfrage melden sich jetzt weitere Beteiligte zu Wort. Cros Texte seien von Sex mit Frauen geprägt, dabei würden Frauen zum konsumierbaren Objekt (z.B. Paperdream oder Fake you). Das werde vor allem im Song "no.105" deutlich. In diesem versuche Cro, sich und seine Begierden zu ergründen. Er versuche sich "die perfekte Frau" zu basteln, so dass er über Körper und Geist bestimmen und verfügen kann, schreiben die Verfasser. Die Konzertagentur Vibra Agency ist Veranstalter des Festivals. Volker Hagen (Vibra Agency) sagt auf Anfrage: Als Veranstalter sei man sich bewusst gewesen, dass "sich auch Cro punktuell in seinen Texten der genre-typischen Klischees bedient". Themen wie Liebe, Sex, Geld, Fame und der gezielte Bruch mit Tabus seien jedoch Stilmittel, die über den Hip-Hop hinaus die Popmusik prägten: "Und nur diese Diskussion macht Popmusik so relevant und zu dem, was sie schon immer war: zur Stimme der Jugend.", sagt Hagen. Hagen respektiere dennoch die in der Stellungnahme geäußerte Kritik: "Diese Diskussionen gehören zur Kultur an Hochschulen. Wir nehmen die Hinweise ernst." Darüber hinaus betont er: "Die Art und Weise, wie die Diskussion in den sozialen Medien von manchen Kritikern des AStA-Statements geführt wird, finden wir weder konstruktiv, zielführend noch angemessen." Über 2.000 Kommentare erhielt die Stellungnahme auf Facebook. Die Mehrzahl der Kommentatoren stellt den Sexismus-Vorwurf gegen Cro als übetrieben und lächerlich dar, zahlreiche Kommentare beinhalten Beleidigungen gegen den AStA, einzelne Stimmen halten dagegen. Das Feministische Referat betont, dass es trotz dieser Reaktionen weiterhin hinter seinen Positionen stehe: "Uns ist klar, dass der Text radikal formuliert ist, radikale Meinungen stoßen immer auf Kritik, das ist normal." Die Reaktionen auf Facebook zeigten, wie notwendig es sei, über Sexismus in Kunst und Musik aufzuklären. Im Übrigen ziele ihre Stellungnahme nicht darauf ab, das Konzert von Cro abzusagen. "Natürlich, aus unserer feministischen Sicht wünschen wir uns, dass solche Künstler nich eingeladen werden." Im Vergleich zu "Farid Bang" oder "187 Straßenbande" sei Cro noch harmlos: "Künstler werden so lange eingeladen, wie ihre Musik konsumiert wird. Das eigentliche Problem ist, dass Sexismus so alltäglich ist und sich so gut verkauft. Darüber wollen wir aufklären."

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