Zwischen Hoffnung und Tod: Hosam Katan vor zweien seiner Bilder bei der Ausstellungseröffnung im Neuen Rathaus. - © Andreas Zobe
Zwischen Hoffnung und Tod: Hosam Katan vor zweien seiner Bilder bei der Ausstellungseröffnung im Neuen Rathaus. | © Andreas Zobe

Bielefeld Die Bilder dieses Fotojournalistens gingen um die Welt

Als der Kampf in Syrien losging, griff Hosam Katan zur Kamera und dokumentierte den Alltag der Menschen im zerstörten Aleppo

Ivonne Michel

Bielefeld. Ein Mädchen liegt blutüberströmt auf einer Pritsche, ein Vater hält sein schwer verletztes Baby im Arm, Jugendliche baden lachend in Bombentrichtern, ältere Frauen verkaufen vor Kriegsruinen ihr Gemüse: Fotojournalist Hosam Katan hat Leid und Alltag der Menschen in seiner Heimatstadt Aleppo mit der Kamera festgehalten. Und trotz aller Grausamkeit auch noch einen Funken Hoffnung entdeckt. Seine Bilder, die in internationalen Magazinen veröffentlicht und mehrfach ausgezeichnet wurden, sind jetzt im Neuen Rathaus zu sehen. Unter dem Titel "Yalla Habibi. Living with War in Aleppo" sind seine Fotos 2017 als Buch unter dem Titel "Yalla Habibi. Living with War in Aleppo" erschienen. Die Bilder zeigen Menschen, die täglich bemüht sind, die Schrecken des Krieges mit etwas Normalität auszugleichen und ihre Würde zu wahren. Gewidmet hat Katan es der in Höxter geborenen Fotojournalistin Anja Niedringhaus, die 2014 bei ihrem Einsatz in Afghanistan erschossen wurde. "Ich habe Hochachtung vor ihr", sagt der 24-Jährige. "Sie hat ihre Heimat verlassen, um aus den Kriegsgebieten zu berichten", sagt er. Sie war 17, als sie begann, für die Lokalredaktion der Neuen Westfälischen in ihrer Heimatstadt Höxter zu arbeiten. Katan 18, als er er anfing, seinen Traum vom Wirtschafts- und Jurastudium verwarf und mit der Kamera als Autodidakt das Leben im Krieg dokumentierte. "Bei den ersten vier Einsätzen habe ich nur geweint", sagt er. Dann aber doch weiterfotografiert. "Weil ich wusste, dass es außer mir kaum Fotojournalisten in Aleppo gab." Weder der IS, Al-Qaida noch die Regierung seien daran interessiert, dass die Wahrheit berichtet werde. Er hat Freunde und Verwandte verloren - nicht aber den Blick für einen Funken Hoffnung in den Augen der geschundenen Menschen. Nach einer schweren Verwundung floh Katan Ende 2015 über die Türkei nach Deutschland und studierte Fotojournalismus in Hannover. Im Sommer zieht er um nach Berlin. Katan arbeitet freiberuflich, unter anderem für die New York Times, Reuters und den Stern.

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