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So sieht die Unglücksstelle am frühen Sonntagabend aus. Die Gesteinsbrocken sind deutlich zu erkennen. - © Barbara Franke
So sieht die Unglücksstelle am frühen Sonntagabend aus. Die Gesteinsbrocken sind deutlich zu erkennen. | © Barbara Franke

Bielefeld Balkon löst sich - Steine fallen auf Restaurant-Gäste

Die untere Verkleidung eines Balkons direkt über dem Restaurant Melow Gold hat sich am frühen Sonntagabend gelöst

Ingo Kalischek
11.06.2018 | Stand 11.06.2018, 11:33 Uhr |
Jürgen Mahncke

Bielefeld. Schock-Moment für Besucher, die am Sonntagnachmittag gegen 17.30 Uhr vor dem Restaurant Mellow Gold sitzen: Im dritten Obergeschoss des Hauses löst sich plötzlich die Unter-Verkleidung eines Balkons. Etwa 150 Kilogramm Stahlbeton fallen aus etwa 7,50 Meter Höhe zu Boden und zerplatzen dort mit einem großen Knall. Besucher flüchten panisch in das Innere des Restaurants. Eine Frau bleibt auf dem Boden liegen. Sie ist von einem Gesteinsbrocken getroffen worden. Das Restaurant in der Karl-Eilers-Straße – unmittelbar neben der „Wilden Kuh" – ist am frühen Abend gut besucht. Alle Außenplätze vor dem Betrieb sind belegt, als sich unvermittelt die muschelförmige Unterverkleidung des Balkons löst. "Ohrenbetäubender Knall" Hans-Jürgen Fritsche sitzt in einem Lokal gegenüber. „Es gab einen ohrenbetäuben Knall. Ich sah nur noch Menschen, die flüchteten." Eine 25–jährige Bielefelderin, die knapp unter dem Sonnenschutz sitzt, wird von Gesteinsbrocken getroffen. Ein Notarzt behandelt sie noch vor Ort. Dann wird sie mit einem Oberarmbruch ins Krankenhaus transportiert. „Die Gäste, die draußen saßen, hatten riesengroßes Glück", sagte Jan Hendrik Pieper, Einsatzleiter der Feuerwehr. Eine ausgefahrene, stabile Markise über dem Gästebereich habe verhindert, dass es Schwerverletzte gibt. Die Polizei sperrt den Unfallort ab. Über eine Drehleiter beseitigen Feuerwehrleute Reste der Balkonverkleidung. Zwei Beamte der Kriminalpolizei dokumentieren mit Fotos das Geschehen. Die Bilder sollen dem Bauamt und Statikern bei den Ermittlungen helfen, die zu diesem Unglück führten. Das Haus wurde im Jahr 1934 gebaut und gehört dem Wertheraner Kemal Sagir. Er ist nur wenige Minuten nach dem Unglück vor Ort, zeigt sich tief betroffen und bedauert die Verletzung der Frau. Er erzählt, dass die Fassade erst vor wenigen Jahren restauriert worden sei. Vermutlich habe heftiger Regen der letzten Tag für die Instabilität der Balkonverkleidung gesorgt. Außenbereich bis auf Weiteres stillgelegt Gegen 18.30 Uhr trifft Jona Brechmann vom städtischen Bauamt ein. Er begutachtet in luftiger Höhe vom Korb der Feuerwehr-Drehleiter den Balkon. Sein erstes Fazit: Die Eisenumrandung des Balkon ist stark verrostet. Die Korrosion wäre vermutlich nicht erst in den letzten Tagen erfolgt. Der Rost hätte dort schon länger genagt. Der Außenbereich der Gastronomie wird bis auf Weiteres stillgelegt. Ein staatlich anerkannter Sachverständiger für Standsicherheit muss jetzt erst sein Urteil zur Bausubstanz abgeben. Bis dahin will Eigentümer Sagir ein Gerüst an der Front aufbauen, damit Gäste wenigstens den Innenbereich des Betriebs erreichen können.

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