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Zuschauermagnet: Bunte Kostüme und schrille Outfits. Der Carnival der Kulturen lockt jedes Jahr rund 100.000 Besucher nach Bielefeld. Dieses Jahr findet das Fest am Samstag, 9. Juni, statt. - © Andreas Frücht
Zuschauermagnet: Bunte Kostüme und schrille Outfits. Der Carnival der Kulturen lockt jedes Jahr rund 100.000 Besucher nach Bielefeld. Dieses Jahr findet das Fest am Samstag, 9. Juni, statt. | © Andreas Frücht

Bielefeld Angst vor Terror: Carnival in Bielefeld von schweren Lkw abgesperrt

Carnival der Kulturen: Die Veranstalter des Festes haben ihr Konzept überarbeitet. Zuschauer sollen durch LKW-Sperren vor Attentaten gesichert werden

Fabian Herbst
30.05.2018 | Stand 08.06.2018, 18:36 Uhr

Bielefeld. Der "Shademakers Carnival Club" hat in diesem Jahr das Sicherheitskonzept für den Carnival der Kulturen am Samstag, 9. Juni, verschärft. Aufgrund der Terroranschläge in Berlin und Münster sowie der Ereignisse bei der Loveparade 2010 sahen die Veranstalter sich dazu verpflichtet, ihr Konzept zu überarbeiten. "Wir wollen dem Publikum Sicherheit geben", sagt Frieda Wieczorek, Vorsitzende der Shademakers. So wird der Carnival der Kulturen in diesem Jahr zum ersten Mal als Großveranstaltung ausgewiesen. Dadurch stehen den Veranstaltern Sicherheits-Spezialisten zur Verfügung, die für den Schutz von Veranstaltungen mit mehr als 100.000 Besuchern am Tag ausgebildet wurden. Anschläge wie in Berlin 2016 sollen verhindert werden Dabei achten Wieczorek und ihre Kollegen darauf, dass der friedliche Charakter des Carnivals erhalten bleibt. "Wir wollen keine Sperren mit Schusswaffen." Um die Sicherheit des Publikums zu gewährleisten, werden die Zufahrtsstraßen zum Carnival von beschwerten Lkws weiträumig abgesperrt. Anschläge wie 2016 auf den Berliner Weihnachtsmarkt, bei dem ein IS-Terrorist mit einem Laster in eine Menschenmenge fuhr und zwölf Menschen tötete, könne dadurch verhindert werden. "Betonblöcke bringen nichts, da diese ins Publikum geschoben werden oder einfach zersplittern können", erklärt Wieczorek. Der Vorteil der mobilen Sperren sei zudem, dass Rettungskräfte einen schnelleren Zugang zum Carnival-Umzug hätten. Außerdem werden Sicherheitsmitarbeiter in zivil das Publikum kontrollieren auf verdächtige Personen und Gegenstände. Einen hundertprozentigen Schutz vor Anschlägen gebe es aber nicht. "Auf Terroranschläge kann man sich nicht komplett vorbereiten." Im Ernstfall seien die Veranstalter aber darauf vorbereitet, das Gelände so schnell wie möglich zu evakuieren. "Vor zehn Jahren lag der Sicherheitsfokus noch auf Brand- und Unwetterrisiken", sagt die Vorsitzende. "Seit der Loveparade und diversen Terroranschlägen hat sich das geändert." 106 Seiten umfasst das neue Sicherheitskonzept. "Vor zwei Jahren war es noch 25 Seiten." Sicherheit trotz des finanziellen Engpasses Ein kleineres Problem sind laut Wieczorek Carnival-Touristen aus Rotterdam, London und Berlin. "Dort dürfen Zuschauer den Akteuren und Gruppen während des Umzuges hinterherlaufen." In Bielefeld ist das nicht gestattet und soll von einem gesonderten Sicherheitsteam unterbunden werden. Auch mit alkoholisierten Künstlern gab es in den vergangenen Jahren Probleme. "In diesem Jahr werden wir zum ersten Mal  Alkoholkontrollen machen." Sind Teilnehmer des Carnivals zu betrunken, würden Strafen verhängt werden, so Wieczorek. Insgesamt 350 freiwillige Ordner plus Sicherheitspersonal und Polizei sollen am 9. Juni für Sicherheit sorgen. Rund 25.000 Euro kostet die Shademakers das Thema Sicherheit. "Der Wegfall von Bielefeld Marketing als Sponsor tut dabei unheimlich weh", sagt Wieczorek. Jedoch würde die Sicherung der Zuschauer nicht darunter leiden. "Unsere Priorität liegt auf der Sicherheit und der Kunst." Die Sparkasse bleibt vorerst bis 2019 als einer der wichtigsten Sponsoren erhalten. "Auch im nächsten Jahr wird es den Carnival geben." Gespräche mit der Sparkasse über eine Förderung nach 2019 laufen.

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