In der Altstädter Nikolaikirche: Die Journalistin und Moderatorin Dunja Hayali ist eine der Trägerinnen des Regine-Hildebrandt-Preises 2018. Mehrere Hundert Gäste kamen zu der Veranstaltung. - © Sarah Jonek
In der Altstädter Nikolaikirche: Die Journalistin und Moderatorin Dunja Hayali ist eine der Trägerinnen des Regine-Hildebrandt-Preises 2018. Mehrere Hundert Gäste kamen zu der Veranstaltung. | © Sarah Jonek

Bielefeld Dunja Hayali nimmt in der Altstädter Nicolaikirche den Regine-Hildebrandt-Preis entgegen - mit Interview

Die Stiftung Solidarität zeichnet die Journalistin, den Verein "Über den Tellerrand" und die Gesellschaft Mozaik aus. Jörg Hildebrandt lobt "wahrhafte Gemeinnützigkeit". Preisträgerin spendet für einen überraschenden Zweck

Sebastian Kaiser

Bielefeld. "Anfangs war ich entsetzt über Hasskommentare, Hetze und sogar Morddrohungen in sozialen Netzwerken", sagt Dunja Hayali. Ihre Berichte über Kundgebungen und Demonstrationen rechtsradikaler Parteien haben der streitbaren Journalistin und Moderatorin (heute-Nachrichten, ZDF-Morgenmagazin) üble Reaktionen eingebracht. Davon, gegen Rassismus und Diskriminierung einzutreten, aber auch mit Menschen zu reden, die sich etwa der AfD zugewandt haben, hält sie das nicht ab. Jetzt ist sie mit dem Regine-Hildebrandt-Preis 2018 geehrt worden. Hayali ist eine von drei Preisträgerinnen. Die Stiftung Solidarität bei Arbeitslosigkeit und Armut zeichnete sie für ihr mutiges journalistisches und persönliches Wirken für Demokratie und Toleranz aus. Gewürdigt wurde auch der Verein "Über den Tellerrand", der bundesweit Treffen von Menschen mit und ohne Fluchterfahrung organisiert und damit unter anderem zum Abbau von Vorurteilen beiträgt. Die Bielefelder Mozaik gGmbH, die den sogenannten Regionalpreis erhielt, macht Beratungs- und Bildungsangebote von Einwanderern für Einwanderer und stärkt so die berufliche und soziale Integration. Hayali recherchierte 2016 auch bei einer Neonazi-Demo in Bielefeld Jörg Hildebrandt, Ehemann der 2001 gestorbenen SPD-Politikerin, machte bei der Festveranstaltung in der Altstädter Nikolaikirche deutlich, dass die Preisträger in besonderer Weise für Information, Bildung und Integration wirken. "Sie stellen sich dabei gegebenen Anfeindungen und Gleichgültigkeit." Hayalis Journalismus sei geprägt vom Bemühen um "weitsichtige Klärung" von Ereignissen und Entwicklungen. 2016 etwa hatte Hayali bei einer Neonazi-Demonstration in Bielefeld für den Beitrag "Woher kommt der Hass" recherchiert. Die Arbeit von Mozaik und "Über den Tellerrand" zeige "wahrhafte Gemeinnützigkeit", so Hildebrandt. Franz Schaible, Vorsitzender der Stiftung Solidarität, betonte: "Die Preisträger sind alle Vorbilder mit einer geraden Haltung." "Meinungsfreiheit darf kein Alibi dafür sein, andere Menschen abzuwerten" Meinungsfreiheit sei kein Alibi dafür andere Menschen abzuwerten, betonte Hayali. Sie war gestern wie gewöhnlich um 3.45 Uhr aufgestanden, hatte eine Morgensendung im TV moderiert und war dann mit dem Zug nach Bielefeld gereist. Sehr müde sei sie, gab Dunja Hayali zu. Die Preisverleihung am frühen Nachmittag fiel in die Zeit, in der sie sonst eine längere Pause macht. Die Journalistin rief dazu auf, "die Hand auszustrecken und beispielsweise Flüchtlingen zu helfen". Die Entscheidung über das Bleiberecht müsse die Politik treffen. Sie gebe den Rahmen vor, in dem dann beispielsweise Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe viel bewegen könnten. Der Regine-Hildebrandt-Preis wird seit 2002 für soziales und gesellschaftspolitisches Engagement verliehen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert, die an gemeinnützige Projekte gehen. Die Empfänger werden von den Preisträgern bestimmt. Der Verein Mozaik spendet sein Preisgeld an die Bielefelder Tafel Die Gesellschaft Mozaik spendet den Großteil ihres mit 3.000 Euro dotierten Regionalpreises an die Bielefelder Tafel. "Über den Tellerrand" wird das Preisgeld von 5.000 Euro in den Ausbau seines auch in Bielefeld aktiven Netzwerkes stecken. Dunja Hayali, Besitzerin einer Golden-Retriever-Hündin, lässt 5.000 Euro dem Verein Vita zukommen. Der bildet Assistenzhunde für Menschen mit körperlicher Behinderung aus. Kurz gefragt: Dunja Hayali Frau Hayali, am Donnerstag hat die Neonazi-Partei „Die Rechte" in Bielefeld für die verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck demonstriert. Wie stehen Sie zu solchen Aktionen? 
Dunja Hayali: Das ist nur schwer erträglich. Es ist schwer verständlich, dass so etwas zugelassen wird. Aber unser Recht gilt auch für diese unsägliche Person. Rassismus, Antisemitismus und Holocaust-Leugnen haben nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Wie gehen Sie mit Anfeindungen um? Haben Sie Angst?
 Hayali: Nein, aber man wird im Umgang mit unbekannten Menschen leider vorsichtiger. Aber: Journalisten gehen hin, reden mit Menschen, hören zu. Auch wenn man Bedrohungen ertragen muss. Woher nehmen Sie den Mut, sich immer wieder klar zu positionieren? Hayali: Das, was ich tue, ist doch eigentlich selbstverständlich. Es ist weder mutig, noch herausragend. Man muss für gewisse Dinge in unserer Gesellschaft einstehen. Ich kann meine Popularität nutzen, um das deutlich zu machen. Vom kommenden August an werden Sie auch das Aktuelle Sportstudio moderieren. Haben Sie schon ein Konzept dafür?
 Hayali: Das lasse ich noch auf mich zukommen. Interviews mit Sportlern werde ich führen wie sonst auch: kritisch und hinterfragend. Ich habe keine Schablone. 

Wie energisch werden Sie fragen, wenn es beispielsweise um Themen wie Respekt geht? Hayali: Das kommt immer auf den jeweiligen Gast an. Nicht jeder kann oder darf sich zu Themen wie Rassismus oder Doping äußern. Klar ist, dass ich für die neue Aufgabe vieles von meinen Kollegen beim Sportstudio lernen werde.

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