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Hebammententrale: Der Verein steht vor dem aus. - © NeuPaddy / Pixabay
Hebammententrale: Der Verein steht vor dem aus. | © NeuPaddy / Pixabay

Bielefeld Bielefelder Hebammenzentrale steht vor dem Aus

Der Verein finanziert sich über Mitgliedsbeiträge - die aber werden weniger. Denn immer mehr freiberufliche Hebammen geben auf. Für Frauen wird es jetzt schwierig, ausreichend versorgt zu werden

Kristina Grube
10.05.2018 | Stand 10.05.2018, 10:01 Uhr

Bielefeld. Zwei Jahrzehnte war die Hebammenzentrale Bielefeld-Gütersloh eine wichtige Anlaufstelle für Frauen und Familien - nun steht der Verein vor der Auflösung. Bislang hat er sich über Mitgliedsbeiträge finanziert, ab Juli sei die Eigenfinanzierung allerdings nicht nicht mehr sichergestellt, sagt Julia Buschmann, zweite Vorsitzende der Hebammenzentrale. In einem Brandbrief wendet die sich jetzt an Parteien und Stadtverwaltung. Sie fordern eine finanzielle Beteiligung der Kommunen. "Wir haben zwei Probleme", sagt Buschmann. "Zum einen den Hebammenmangel an sich, zum anderen die schwierige berufspolitische Situation, weswegen sich immer mehr Hebammen aus der freiberuflichen Tätigkeit zurückziehen." Gründe seien die geringe Vergütung für freiberufliche Hebammen, die gestiegenen Kosten für die Haftpflichtversicherung, die sich laut Buschmann aktuell auf 7.000 Euro pro Jahr belaufe, sowie Einschränkungen bei der Urlaubs- oder Vertretungsplanung. Die Probleme kennt auch das Geburtshaus Bielefeld an der Wertherstraße. Auch hier gebe es einen erheblichen Hebammenmangel, viele Frauen werden abgelehnt. "Wir raten daher, direkt eine Hebamme zu suchen, wenn die Frau erfährt, dass sie schwanger ist", sagt Edith Janzen. Sie ist seit sechs Jahren Hebamme und erinnert sich noch gut an ihre Ausbildungszeit, in der es noch schwer war, einen Platz an einer Hebammenschule zu bekommen. Heute, so sagt sie, hat der Beruf ein schlechtes Image bekommen - nicht zuletzt auch wegen der teuren Haftpflichtversicherung. Die Auszubildendenzahlen würden immer tiefer sinken. Die Hebammenzentrale vermittelt Hebammen an Schwangere. Sie hat einen Überblick darüber, welche Hebamme noch Kapazitäten hat. Wird der Verein aufgelöst, müssten sich die Hebammen künftig wieder selbst organisieren. Das wiederum zu Lasten der eigentlichen Arbeitszeit, sagt Buschmann. Die Leidtragenden seien dann vor allem die Frauen, die sich für die Vor- und Nachsorge bei einer Schwangerschaft selber von Hebamme zu Hebamme telefonieren müssten. "Dieses Verfahren hatten wir vor 1996, dem Gründungsjahr der Hebammenzentrale", erzählt Buschmann. "Das lief eher schlecht als recht." Die Hebammenzentrale hofft jetzt auf die finanzielle Unterstützung der Kommunen. "In Düsseldorf und in anderen Städten Deutschlands läuft das bereits so." Seitens der Politik habe es bereits Gesprächszusagen gegeben, sagt sie. Aktuell werde geprüft, aus welchen Töpfen der Stadt Bielefeld und des Kreises Gütersloh eine mögliche finanzielle Beteiligung fließen könnte. Julia Buschmann versucht, zuversichtlich in die Zukunft zu blicken. "Wir hoffen, dass sich durch eine Übernahme der Beiträge künftig wieder mehr Hebammen dem Verein anschließen und die Kapazitäten dann besser ausgeschöpft werden können", sagt Buschmann. Die Probleme, die es durch den Hebammenmangel ohnehin schon gibt, würden sich durch das Aus der Hebammenzentrale noch verschärfen, vermutet sie. Sie könnten nach Buschmanns Plan durch die Politik nicht nur abgewendet, sondern weiter angegangen werden. Der Telefondienst müsse zudem weiterhin zwingend von Fachkräften übernommen werden, da die Frauen bereits am Telefon beraten werden, erklärt Buschmann. "Nicht jede Hebamme kann auch für jeden Fall herangezogen werden." So gebe es Hebammen, die sich beispielsweise auf das Wochenbett spezialisiert hätten, andere wiederum auf Rückbildungskurse und manche machten beides. Der zweistündige Telefondienst musste bereits von fünf auf drei Werktage zurückgeschraubt werden, die Zahl der Ablehnungen ist hoch: 2017 musste die Hebammenzentrale von 1.302 Anfragen 500 Frauen abweisen.

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