Verkehrswende: Heute zeigen Bilder wie diese viele Autos in der Innenstadt, wenige Fahrräder. Das soll sich ändern. Der Umstieg aus Fahrrad ist laut der Verkehrsplaner die Zukunft - © Oliver Krato
Verkehrswende: Heute zeigen Bilder wie diese viele Autos in der Innenstadt, wenige Fahrräder. Das soll sich ändern. Der Umstieg aus Fahrrad ist laut der Verkehrsplaner die Zukunft | © Oliver Krato

Bielefeld Vehrkehrswende Bielefeld: Neuer Radschnellweg, weniger Parkplätze und Fahrspuren in der Stadt

Fünf Frauen kümmern sich im Amt für Verkehr maßgeblich um den Radverkehr und um Fußgänger. Sie sagen: "Es wird eine Neuverteilung des öffentlichen Raumes geben".

Kurt Ehmke
09.05.2018 | Stand 09.05.2018, 11:47 Uhr

Bielefeld. Heute ist für das Radverkehrskonzept der sogenannte "Kick off". In Aachen treffen sich Vertreter der Stadt mit Planern, die bis Frühjahr 2019 ein Konzept für die Zukunft des Radverkehrs erarbeitet sollen. Eine Zukunft, vor der viele Einschnitte stehen werden, die für Chef-Verkehrsplanerin Stephanie Dietz aber auch große Chancen bieten. Passend dazu stellte Dietz jetzt die neue Radfahrbeauftragte, Barbara Choryan, vor. Sie folgt auf Oliver Spree. Fünf Frauen sind es nun im Amt, die sich den Themen rund um Radfahrer und die Fußgänger verschrieben haben. Sie wollen was bewegen, wollen "richtig dicke Bretter bohren", so Dietz. Ideen und Visionen gibt es viele - von vielen neuen Abstellplätzen bis zu wesentlich verbesserten Verkehrsräumen für Fußgänger und Radfahrer. Klar ist auch, so Dietz: "Es wird eine Neuverteilung des öffentlichen Raumes geben." Oberbürgermeister Pit Clausen bestätigt das auf Anfrage: "Das ist so - dieser Raum ist nicht vermehrbar, und wenn wir jetzt für Radfahrer mehr Raum zur Verfügung stellen wollen, müssen wir ihn anderen wegnehmen." "Eine Neuverteilung des öffentlichen Raumes ist die Folge" Er bevorzuge, stärker den ruhenden als den fließenden Verkehr zu beschneiden - also Parkplätze zu streichen statt Fahrspuren einzuziehen. Doch auch Letzteres werde zum Paket gehören. Für Dietz ist es an der Zeit, in die Verkehrswende einzusteigen, denn: Der Rat habe beschlossen, dass 2025 ein Viertel aller Wege mit dem Rad zurückgelegt werden soll. Choryan: "Vorarbeiten sind getan, die Weichen gestellt." Dietz: "Der Status quo wird verändert, das ist ein Spannungsfeld, aber die Flächen müssen gerechter verteilt werden." Choryan: "Die Stadt Bielefeld muss hier als Vorbild vorangehen." Radverkehr in "beklagenswertem Zustand" Denn, so Dietz, mit Blick auf Fußgänger und Radfahrer: "Zu Fuß zu gehen ist eine total unterschätzte Fortbewegungsart, die in den städtischen Planungen bisher nicht angemessen berücksichtigt wird - und der Radverkehr befindet sich in Bielefeld in einem beklagenswerten Zustand." So deutlich und schonungslos war das aus dem Rathaus noch nie zu hören. Dietz und Choryan wissen, dass auf sie und die drei Kolleginnen viel Arbeit zukommt - aber die Verwaltung sei nun in der Pflicht. Dietz: "Andere Städte beneiden uns darum." Mehr Geld stünde bereit, endlich müsse nicht mehr bei Straßenbauarbeiten nach kleinen Bröckchen für den Radverkehr geschaut werden. Nun sei es so, dass ein festgestellter Mangel alleine Auslöser sein könne und müsse, um etwas für den Radverkehr zu verbessern. Prioritäten verschöben sich, zu erleben sei das bereits an der Heeper Straße. Radschnellweg auf Artur-Ladebeck-Straße Und so darf nun auch schon einmal größer gedacht werden. Dietz nennt neben der Radschnellwegroute von Herford über Bielefeld nach Gütersloh zwei Straßen, die als Radschnellwege in Frage kommen: die Artur-Ladebeck-Straße, die zuletzt auch halbiert gut funktioniert hatte, und die Osnabrücker Straße, die mit dem Bau der A 33 an Bedeutung verliere. In die Artur-Ladebeck-Straße soll für Radler in absehbarer Zeit sowieso investiert werden, zudem wird weiter Tempo 30 geprüft. Clausen bestätigt: "Ein Modell, das geprüft wird, ist die Zweispurigkeit mit neuen Flächen für den Radverkehr." Umdenken in der Bevölkerung hat begonnen Rückenwind ist es, den Dietz und Choryan wahrnehmen. "In der Bevölkerung ist ein Umdenken zu erkennen", sagt Dietz, und Choryan ergänzt: "Ich hoffe, dass wir den Knackpunkt lösen können - jenen, der vom Freizeitradeln zum Alltagsradeln führt." Hier sei noch immer der Weg vom Kopf zum Herz für viele schwer zu überbrücken, weiß Dietz. Zum Spaß radeln? Kein Thema. Zur Arbeit, zum Einkauf, zum Bäcker? Irgendwie nicht. Dabei sei längst klar, dass fast jeder Weg bis drei Kilometer schneller, gesünder und umweltfreundlicher mit dem Rad zu erledigen sei. Niemand, so Dietz, rede ja davon, dass das Auto abgegeben werden solle. "Die Gelegenheit für die Verkehrswende ist jetzt extrem günstig" Choryan (36), vorher bei der Kommunalen Verkehrsgesellschaft Lippe beschäftigt, geht optimistisch an ihre Aufgabe heran. Sie will den ÖPNV mit dem Rad verzahnen; neue Zielgruppen fürs Radfahren begeistern; die durch E-Mobilität größeren Reichweiten der Radler nutzen; viele neue Angebote machen. Kurz: Den Weg in eine Zukunft bereiten, die sie selbst schon lebt. Sie hat kein Auto, fährt Rad, geht zu Fuß, nutzt den ÖPNV, mietet Autos an. Choryan: "Die Gelegenheit für die Verkehrswende ist jetzt extrem günstig."

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