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Die Zentrale Ausländerbehörde macht durch rassistische bis geschmacklose Vorfälle von sich reden. Unser Autor sagt, was er von der Entschuldigung des Oberbürgermeisters hält. - © Christian Weische
Die Zentrale Ausländerbehörde macht durch rassistische bis geschmacklose Vorfälle von sich reden. Unser Autor sagt, was er von der Entschuldigung des Oberbürgermeisters hält. | © Christian Weische

Bielefeld Kommentar zu Rassismus-Skandal: "Clausen stellt sich vor die Zentrale Ausländerbehörde der Stadt"

Unser Autor meint: Entschuldigung hin oder her, die Reaktion kommt spät. Die Stadt wird den zuerst vermittelten Eindruck nach der "Neger"-Äußerung eines Mitarbeiters nicht entkräften können. Es war nicht der erste Vorfall.

Jens Reichenbach
06.05.2018 | Stand 06.05.2018, 15:55 Uhr

Oberbürgermeister Pit Clausen stellt sich nach Bekanntwerden der Rassismus-Vorwürfe vor die Zentrale Ausländerbehörde der Stadt Bielefeld. Das darf man von einem Verwaltungschef erwarten: Er sagt, dass es in keiner Form den Tatsachen entspreche, dass fremdenfeindliche und rassistische Äußerungen oder Handlungen in der Zentralen Ausländerbehörde üblich oder vielleicht sogar geduldet sind. Das will ich sehr hoffen. Die gesamte Belegschaft darf man hier nicht über einen Kamm scheren und entsprechend verantwortlich machen. Clausens Aussage bedeutet aber auch, dass Äußerungen wie „Ich mache hier nicht die Negerarbeit" Konsequenzen haben und demjenigen, der diese Äußerung auf sich beziehen musste, Unterstützung widerfährt. Probezeit hin oder her. Der auf diese Weise beleidigte Jurist afrikanischer Herkunft beteuert aber, dass man ihm bei seiner ersten Beschwerde deutlich gemacht habe, dass so ein Satz schon einmal herausrutschen könne. Erst vor dem Arbeitsgericht war die Stadt – übrigens erst auf Nachfrage der Richterin – bereit, sich für diese Entgleisung beim Betroffenen zu entschuldigen. Seitdem war allerdings mehr als ein Jahr ohne jede Entschuldigung vergangen. Der Satz war im Februar 2017 gefallen. Die Entschuldigung kam im April 2018 aus dem Munde der Rechtsamtsleiterin. Weder der Verursacherin, noch Teamleitung, Geschäftsbereichsleitung oder Amtsleitung war in den vielen Monaten seit Bekanntwerden im Mai 2017 eingefallen, etwas Ähnliches zu tun. Dass sich Oberbürgermeister Pit Clausen selbst erst 2016 für ein geschmackloses Plakat in der ZAB entschuldigen musste, wird er nicht vergessen haben. Durch wiederholte Entschuldigungen wird die Stadt den nun „vermittelten Eindruck" aber nicht entkräften können. Hintergrund des Kommentars ist ein Streit nach dem Rassismus-Skandal in der Bielefelder Ausländerbehörde.

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