Bielefeld Weltmeisterlicher Besuch in Bielefeld

Sport-Talk: 200 Gäste kommen zur Wohltätigkeitsveranstaltung des Vereins "OWL zeigt Herz". Auf dem Podium sprechen Heiner Brand, Jeff Saibene und Sebastian Kehl

Bielefeld. Handball-Weltmeistertrainer Heiner Brand, Ex-BVB-Profi Sebastian Kehl und Arminia-Trainer Jeff Saibene - keine schlechte Besetzung für einen Talk über aktuelle Entwicklungen im Sport, dessen Einnahmen zudem an einen guten Zweck gingen: An den sozialen Verein "OWL mit Herz", der sich für zusätzliche Förderung von Kindern einsetzt. Moderator Thomas Milse sorgte dafür, dass alle Gäste einen ähnlichen Redeanteil erhielten. Besonders Sebastian Kehl, der als künftiger Leiter der Lizenzspielerabteilung von Borussia Dortmund gehandelt wird, sollte von Milse aus der Reserve gelockt werden. Aber keine Chance: Kehl wiegelte alle Anfragen mit einem Lächeln ab. Die allgemeine Entwicklung beim BVB könne er nicht gutheißen, merkte Kehl immerhin an. "Die Stimmung ist nicht prächtig, es gibt viel Verunsicherung", sagte der Vizeweltmeister von 2002. Auch über die Führungsstruktur müsse nachgedacht werden. Jeff Saibene, der kürzlich bei einer Gesprächsrunde in der SchücoArena jede Menge Anekdoten zum Besten gegeben hatte, hielt sich diesmal eher zurück. "Wir sind zu 99 Prozent gerettet", sagte der Luxemburger. Dies sei eine sehr schöne Situation, gerade im Vergleich zum Vorjahr. Müsste er sich zwischen der Arbeit als Spieler und Trainer entscheiden, "ich würde lieber Trainer sein", sagte Saibene. "Früher war ich eher der Faule. Nun liebe ich die Arbeit mit meinem Team. Ich freue mich jeden Tag, meine Kollegen zu sehen und mit ihnen zu arbeiten." Etwa 200 Gäste waren zum "Memo Sport-Talk" erschienen, um den drei großen Persönlichkeiten des Sports zuzuhören. "Alle sind ohne Gage gekommen. Das ist nicht selbstverständlich", sagte Organisator Daniel Stephan, selbst ehemaliger Welthandballer, erfreut. Weltmeister-Trainer Heiner Brand nahm dann auch den Handball in den Fokus. So rechnete er der deutschen Nationalmannschaft für die Heim-WM Anfang 2019 gute Chancen aus. "Aber nur, wenn das Team mit dem Trainer zusammenarbeitet", sagte Brand. "Es steckt so viel Talent in der Mannschaft." Dennoch habe sie bei den vergangenen beiden großen Turnieren, als Deutschland früh ausschied, "versagt". Über die zunehmende Kommerzialisierung der Sportarten wussten alle Talkgäste etwas beizutragen. "Der Handball macht durch die Übertragungen bei Sky einen Schritt nach vorne", meinte Brand. Dafür würden viele Zuschauer ungewohnte Anwurfzeiten etwa am frühen Sonntagmittag in Kauf nehmen. Jeff Saibene sah das anders - er spielt am liebsten abends unter Flutlicht. "Um ein Uhr mache ich meinen Mittagsschlaf", sagte der 49-Jährige. Den deutschen Fußball am Scheideweg vermutete der langjährige Profi Kehl. "Wir müssen uns fragen: Wollen wir den europäischen Weg gehen - oder unser eigenes Ding durchziehen, Traditionen bewahren, aber auf die großen Stars verzichten?" Auch der Videobeweis, beim Fußball ein viel größeres Thema als beim Handball, wurde kontrovers diskutiert. "Ich würde ihn abschaffen", sagte Saibene. "Ich hätte vielleicht zwei Titel mehr, wenn er früher eingeführt worden wäre. Ich bin für Gerechtigkeit", sagte Kehl. "Geht es denn überhaupt seit Einführung gerechter zu?", fragte Brand im Hinblick auf fragwürdige Entscheidungen gegen den 1. FC Köln, den der Gummersbacher seit langer Zeit unterstützt. Drei Köpfe, drei starke Meinungen - das hatten sich die Gäste vom Sport-Talk erhofft. Die Vereinsgründer Christian Messinger und Bernd Ottensmann zogen ein positives Fazit, Daniel Stephan sprach von einer geglückten Premiere in Bielefeld - Fortsetzung wahrscheinlich. Die Kür folgte ganz zum Schluss: Ein Scheck, bestehend aus den Einnahmen des Abends, wurde an den Verein überreicht. 10.000 Euro, mit denen "OWL zeigt Herz" künftig seine eigenen Projekte vorantreiben möchte.

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