Eigentlich sollten die Netze die Tauben fernhalten, doch die fanden Schlupflöcher und verendeten elend unter der Brücke an der Arndtstraße. - © Archivfoto Sarah Jonek
Eigentlich sollten die Netze die Tauben fernhalten, doch die fanden Schlupflöcher und verendeten elend unter der Brücke an der Arndtstraße. | © Archivfoto Sarah Jonek

Bielefeld Qualvoller Tod: Bielefelder Tauben-Experiment geht schief

Die Deutsche Bahn hatte Netze unter zwei Bielefelder Eisenbahnbrücken gespannt, um die Tiere fernzuhalten - doch das ging an der Arndtstraße nach hinten los

Bielefeld. 400 bis 500 Tauben leben in der Bielefelder Innenstadt. Die Stadt müht sich redlich, diese Zahl zu verringern. Doch zuletzt ist ein Versuch gründlich schief gegangen. Netze unter den Eisenbahnbrücken in der Innenstadt entpuppten sich als tödliche Falle. In dieser Woche haben die Verantwortlichen reagiert und die Netze entfernt - und das Taubenproblem so dramatisch verschärft. 2016 hatte die Deutsche Bahn auf Geheiß des Bielefelder Veterinäramtes unter den Eisenbahnbrücken an der Arndtstraße und der Jöllenbecker Straße Netze angebracht. Damit sollten die jeweils bis zu 70 Brutpaare ferngehalten werden, die dort Jahr für Jahr ihren Nachwuchs großzogen. Eine Strategie, die unter anderem der Landestierschutzbeirat in Baden-Württemberg empfiehlt - und die inzwischen von vielen Städten umgesetzt wird. "Eine Katastrophe" Das Ziel war seinerzeit, die Tiere in den zur selben Zeit an der Mindener Straße aufgestellten Taubenwagen mit rund 100 Brutplätzen zu locken. Und die Tiere nahmen den alten Bauwagen über die Monate und Jahre dankbar an. Dort werden sie seither gefüttert und können brüten. Um den Bestand dauerhaft zu verringern, ersetzen Tierschützer die Eier durch Plastikimitate. Mit der Brücke über der Arndtstraße nun einer der beliebtesten Brutplätze der Bielefelder Tauben wieder frei zugänglich. "Das ist eine Katastrophe, da gerade die Brutsaison beginnt und die Tiere sich weiter unkontrolliert vermehren können", sagt Helmut Tiekötter, Vorsitzender des Bielefelder Tierschutzvereins. "Damit haben wir exakt den Zustand von vor 30 Jahren wieder hergestellt." Bahn ist zuständig Könnte die Stadt nicht noch vor dem Höhepunkt des Brutgeschäfts tätig werden und die Brücke eigenständig vergrämen? "Das ist so einfach nicht möglich", sagt der Bielefelder Amtsveterinär Hans-Helmut Jostmeyer. "Hier ist die Deutsche Bahn zuständig." Doch die hat sich noch keine neue Lösung einfallen lassen: Grundsätzlich wolle man, so ein Bahnsprecher, für eine Alternative zu den Netzen sorgen. "Wann genau das passiert und mit welchen Mitteln wir den Bereich vergrämen wollen, ist aber noch nicht klar." Verletzte Füße Stadttauben sind verwilderte Haustiere: Nachkommen von domestizierten und entflogenen Brieftauben, die wiederum von den Felsentauben abstammen.Viele Stadttauben sind krank und leiden unter Fußverletzungen, die unbehandelt zu lebenslangen Beeinträchtigungen führen. Fallengelassene Bindfäden der Kleidung, Gummi- und Verpackungsbänder schnüren sich um die Krallen oder binden im schlimmsten Fall ganze Füße ab, die in Folge daran nach langen Schmerzen absterben.

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