Hauptbahnhof Bielefeld: Auf dem Bahnsteig Gleis 8, an dem Regionalzüge halten, ist es am Zugang eng, das Wartehäuschen ist zu klein. - © Jens Reddeker
Hauptbahnhof Bielefeld: Auf dem Bahnsteig Gleis 8, an dem Regionalzüge halten, ist es am Zugang eng, das Wartehäuschen ist zu klein. | © Jens Reddeker

Bielefeld Bielefeld bekommt ein großes, neues Hotel

Investor will Ladenzeile durch viergeschossiges Hotel ersetzen, Bahn plant Abriss der Expresshalle und Ausbau des Bahnsteigs an Gleis 8. Stadt legt Ersatz-Bushaltestelle in Zeit der Brücken-Baustellen an

Joachim Uthmann

Bielefeld. Der Bielefelder Hauptbahnhof steht unter Denkmalschutz. Das Jugendstil-Gebäude wurde Anfang der 2010er-Jahre für über 20 Millionen Euro saniert. Doch die Umgebung ist kein Schmuckstück, sorgt immer wieder für Kritik und Debatten. Jetzt verfolgen Bahn und Investoren neue Pläne. Dazu zählen ein Hotel, ein Ersatz für die alte Expresshalle und eine Aufwertung des Bahnsteigs Gleis 8. Ladenzeile Die heutige Ladenzeile entlang der oberen Bahnhofstraße mit neun kleineren Einheiten ist eher notdürftig hergerichtet. Die Bahn betreibt hier zudem ihren Müllhof und Büros. Mitte 2017 hat sie die Immobilie an die private Entwicklerfirma GBI AG verkauft, die dort ein neues Hotel der Kette Intercity plant. Mit einer Fertigstellung wird 2022/23 gerechnet. Den Geschäften ist noch nicht gekündigt. Aktuell sind sie belegt. Doch die niedrige Häuserzeile an so zentraler Stelle stand häufig in der Kritik. Die Bahn suchte über Jahrzehnte vergeblich nach lukrativeren Lösungen für das wertvolle Gelände. Vor 20 Jahren war von einer dreigeschossigen neuen Ladenzeile mit viel Glas die Rede, Gleis 1 sollte überbaut werden. Später gab es abgespeckte Sanierungsvarianten. Politiker und Medien sprachen von einer „Schmuddel-Ecke". 2004 kündigte die Bahn den Verkauf an. Doch erst jetzt ist er nach einem neuen Anlauf vollzogen. Hotelpläne Die Stadt hat für einen Hotelbau eine Bauvoranfrage positiv beschieden, bestätigte Bauamtsleiter Dieter Ellermann. Das 150 Meter lange Grundstück könnte nach Vorgaben der Umgebung bebaut werden. GBI plane vier Geschosse, das oberste als Staffelgeschoss, teilte ein Sprecher mit. Derzeit seien 193 Zimmer geplant, vielleicht würden es etwas mehr, und 7.800 Quadratmeter Bruttofläche. Die Deutsche Hospitality will als Pächterin ein neues Intercity-Hotel betreiben. Zusätzliche Geschäfte seien nicht vorgesehen. Der Bauantrag werde jetzt vorbereitet, nach der Genehmigung sei mit 1,5 bis zwei Jahren Bauzeit zu rechnen. Die Bahn muss, wenn die Übergabe 2019 erfolgt, ihre Büros verlagern, so Bahnhofsmanager Martin Nowosad, voraussichtlich zum neuen Stellwerk nach Lage. Für den Müllhof bliebe wohl nur Platz rechts vom Bahnhofsgebäude. Da steht aber noch die alte Expressguthalle, in der heute die Radstation mit 300 Stellplätzen arbeitet. Die Räume erfüllen nicht mehr den Stand der Technik und seien zu klein, stellte die Stadtverwaltung schon Anfang 2017 in einer Vorlage fest und schlug vor, ein neues Konzept oder sogar eine neue Station anzustreben. Das halten auch die Verkehrsbetriebe MoBiel, die die Halle angemietet haben und über den Etienne-Fahrradladen betreiben lassen, für sinnvoll, bestätigte Sprecherin Lisa Schöniger. Die Stadt hofft auf Geld aus dem Klimaschutzfördertopf „Emissionsfreie Innenstadt". Radstation Die Bahn denkt über den Abriss der Halle, die erst nach dem Krieg gebaut wurde, nach, bestätigte Nowosad: „Städtebaulich kann man sich was Schöneres und eine Aufwertung des Gebietes vorstellen." Konkrete Pläne gebe es noch nicht. Offen sei, ob Platz für eine neue Radstation bleibe. Das Fahrradparkhaus galt bei Eröffnung 1992 bundesweit als vorbildlich. 2003 übernahm MoBiel es und renovierte und erweiterte. Verbunden ist es mit Radladen, Service, Kurier und Verleih. Stadt und MoBiel drängen auf eine Fortführung direkt am Hauptbahnhof, um kurze Wege zu Bahn und Stadtbahn zu behalten. Im Februar ist jetzt ein Gespräch der Beteiligten angesetzt, um Bedarf und Möglichkeiten zu klären. Halle und Bahnsteig In der Bahnhofshalle ist einiges renoviert. Jetzt solle der Durchgang zum Neuen Bahnhofsviertel neu gestrichen und ein neuer Infoschalter eingebaut werden, kündigte Nowosad an. Die neue Fahrgast-Infoanlage, bei der es anfangs Störungen gab, laufe stabiler. Sehr beengt ist es bisher am Gleis 8, dem hintersten Bahnsteig zur Joseph-Massolle-Straße hin. Hier will die Bahn 100.000 Euro in die „Verschönerung" stecken. So werde das Schutzhäuschen vergrößert, der Zaun zum vorbeiführenden Gehweg entfernt und damit der Zugang zum Bahnsteig offener. Viele Bahnkunden nutzen diese Seite, weil dort weniger Trubel ist als vorn. Ersatzbus-Haltestelle Wichtig wird dieser Umbau, der bis Sommer fertig sein soll, auch, weil an der Joseph-Massolle-Straße Auto-Stellplätze in neun Bushaltestreifen umgewandelt werden sollen. Denn in Kürze beginnt die Bahn mit der Erneuerung der drei Brücken Von-der-Recke-, Schildescher und Schillerstraße. Das schränkt den Regionalverkehr erheblich ein. Die Ersatzbusse sollen an der Rückseite des Hauptbahnhofs halten. Nowosad: „Wir hoffen, dass die Kunden das akzeptieren."

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