Zeugnisse der Auseinandersetzung in der Uni Bielefeld: Das Bild oben zeigt einen Ausschnitt aus einem Youtube-Video von der Prügelei vom 21. November bei einer „KulTürk"-Veranstaltung. - © Screenshot Youtube
Zeugnisse der Auseinandersetzung in der Uni Bielefeld: Das Bild oben zeigt einen Ausschnitt aus einem Youtube-Video von der Prügelei vom 21. November bei einer „KulTürk"-Veranstaltung. | © Screenshot Youtube

Bielefeld Nach Gewaltausbruch: Uni Bielefeld droht mit Hausverbot

Rektorat veröffentlicht Stellungnahme nach Gewaltausbruch bei einer Veranstaltung der Gruppe "KulTürk"

Bielefeld. Die Uni-Leitung verschärft die Gangart im Umgang mit politisch radikalen Gruppen: Hausverbot, Aberkennung des Status und der Rechte sowie Exmatrikulation drohen Hochschulgruppen und deren Mitgliedern an der Universität Bielefeld. Jedenfalls wenn ihnen nachgewiesen werden kann, dass sie Persönlichkeitsrechte missachten oder gegen Strafgesetze verstoßen. Das ist Kern einer Stellungnahme des Rektorats nach dem Gewaltausbruch bei einer Veranstaltung der Hochschulgruppe "KulTürk". Wie berichtet, kam es am 21. November vergangenen Jahres zu einer Prügelei in einem Hörsaal. Die von Kritikern als türkisch-nationalistisch und Erdogan-nah eingestufte Gruppe "KulTürk" hatte einen Referenten eingeladen, der mit antisemitischen und antifreiheitlichen Facebook-Texten aufgefallen war. Gegen-Demonstranten mit kurdischem Hintergrund drangen in den Hörsaal ein, es kam zu verbalen und körperlichen Attacken. "Aufs Schärfste" verurteilt das Rektorat die Gewalt. Es sei Anzeige erstattet worden, heißt es. Schockierend - aber nicht überraschend So schockierend die Schlägerei auch war - ganz überraschend kam sie nicht. "Das Rektorat ist konfrontiert mit Aussagen, dass sich durch Aktivitäten einzelner Gruppen und Personen das Klima an der Universität verschlechtere", heißt es etwas umständlich in der Stellungnahme. Tatsächlich berichten Studenten von Bedrohungen in und an der Uni. Hintergrund ist der Konflikt in der Türkei zwischen Kurden und Türken. Ein schon längerer Streit ist dabei die offensive Werbung offensichtlich kurdischer Studenten und Gruppen für die als Terrorgruppe eingestufte und verbotene PKK sowie ihren Anführer Öcalan oder ihnen nahestehende Organisationen. Dagegen will die Uni jetzt konsequent vorgehen. Symbole aus diesem Spektrum hätten in der Hochschule nichts zu suchen und würden entfernt werden. Die Polizei wird bei Verstoß eingeschaltet. "Gewaltverherrlichend und sexistisch" Zugleich warnt die Uni-Leitung mit Rektor Gerhard Sagerer an der Spitze auch Gruppen wie "KulTürk" - zumindest indirekt. "KulTürk" reagiert oft ungehalten gegen die Einstufung der Massenvernichtung von Armeniern im Osmanischen Reich als Genozid, gemäß der Linie der türkischen Regierung. Das Rektorat schreibt dazu, dass es sich "deutlich distanziert von Positionen, die geschichtliche Tatsachen leugnen, die menschenverachtend, gewaltverherrlichend oder sexistisch sind". Die Uni-Leitung kündigt an, zwei Dinge zu unternehmen, damit es erst gar nicht zum Äußersten - Hausverbot und Exmatrikulation - kommt. Zum einen werde ab sofort mehr mit den politisch und kulturell aktiven Hochschulgruppen das Gespräch gesucht, um "ihnen den Wert von Meinungsfreiheit und die Grundlagen eines respektvollen Miteinanders" zu vermitteln. Zum anderen ist die "Uni ohne Vorurteile"-Kampagne, gegründet wegen rechtsextremer Studenten an der Fakultät für Rechtswissenschaften, "nachhaltig gestärkt" worden. Die Kampagne soll auch Veranstaltungen zur Situation in der Türkei anbieten.

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