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Nicht mehr existent: Die Brautmoden-Boutique wurde zwangsgeräumt. - © Andreas Frücht
Nicht mehr existent: Die Brautmoden-Boutique wurde zwangsgeräumt. | © Andreas Frücht

Bielefeld Fall Agora: Bielefelder Brautkleid-Betrug jetzt vor Gericht

Zwei Frauen fordern vorm Amtsgericht am Mittwoch Schadenersatz vom Hochzeitsmode-Hersteller aus Polen. Ihre Anwältin hält eine gütliche Einigung für unwahrscheinlich. Prozesswelle möglich

Dennis Rother
17.01.2018 | Stand 18.01.2018, 17:25 Uhr

Bielefeld. Der komplexe Betrugsfall Agora-Brautmoden kommt am Mittwoch erstmals vor Gericht. Zwei Frauen fordern Schadenersatz für bezahlte, aber nicht erhaltene Hochzeitskleider von der polnischen Herstellerfirma. Wenn die Klägerinnen erfolgreich sind, könnte eine Prozesswelle starten. Schließlich dürften weitere Geschädigte das Ergebnis nicht nur mit Spannung erwarten, sondern auch als Präzedenzfall werten. Ein Termin für den Prozess gegen die angeklagte 67-jährige Leiterin des ehemaligen Ladengeschäfts in der Bielefelder City steht indes noch aus (s. unten). Vorm Amtsgericht geht es während zweier Güte- und Verhandlungstermine nun um insgesamt rund 5.000 Euro. Die Summe wollen die Klägerinnen von Grazyna Galczynska, der eingetragenen Inhaberin des Breslauer Mode-Herstellers. Die Bielefelder City-Boutique, die im März 2017 zwangsgeräumt wurde, sowie das vermeintliche Mutterunternehmen firmierten beide unter dem Namen Agora. Genau da setzt Rechtsanwältin Nicole Meise für ihre Mandantinnen an: Galczynska habe der Boutique das Tragen des Namens gestattet, habe trotz offensichtlicher Unregelmäßigkeiten nicht eingegriffen und sei daher für entstandenen Schaden verantwortlich, so die Argumentation. Bei Kundinnen sei schließlich der Eindruck erweckt worden, dass sie die bekannte Marke quasi direkt beim Hersteller kaufen. An einer gütlichen Einigung zweifelt Nicola Meise: "Wir haben die Gegenseite diesbezüglich kontaktiert. Es gab kein Interesse." Erst gar kein Kleid, dann ein falsches - und das Geld ist weg Laut der Anwältin könnten Dutzende weitere Frauen gegen Agora vorgehen, falls das Verfahren für die ersten Klägerinnen positiv ausgeht. Grazyna Galczynska muss laut Nicola Meise persönlich vor Gericht erscheinen. Ihr Rechtsanwalt Piotr Jankowski wollte sich auf NW-Anfrage zum Verfahren nicht äußern. Die Agora-Vorwürfe machten überregional Schlagzeilen, weil Kundinnen aus ganz Deutschland stammen. Manuela Wolke, eine der Klägerin vorm Amtsgericht, kommt etwa aus Oldenburg. Rund 3.000 Euro will sie zurückhaben. Die 45-Jährige war nach den schlechten Erfahrungen Ende 2016 in der Bielefelder Boutique auf Einladung von Grazyna Galczynska sogar im Werk in Polen, berichtet sie. Sie habe ein neues Kleid ausgewählt. "Ich hatte ein super Gefühl - geliefert wurde dann aber ein falsches Kleid." Manuela Wolke ist mittlerweile verheiratet, zur Trauung trug sie aber kein Agora-Kleid. Einige Kundinnen haben laut Berichten ihre Hochzeiten indes sogar abgesagt. Oder besser: absagen müssen. "Neben emotionalem ging es in manchen Fällen um schlichtweg existenziellen finanziellen Schaden", sagt Nicola Meise. Zumindest Letzteres wird die Justiz nun aufarbeiten.

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