In diesem Haus auf dem Lönsweg in Spenge ereignete sich das Familiendrama. - © Mareike Patock
In diesem Haus auf dem Lönsweg in Spenge ereignete sich das Familiendrama. | © Mareike Patock

Spenge/Bielefeld Nach Sturz aus dem Fenster: Mordkommission ermittelt wegen versuchten Totschlags

In der Silvesternacht soll ein 39-Jähriger seine beiden Söhne gedrängt haben, aus dem Fenster zu springen. Bei dem Sturz aus dem zweiten Stock werden die Jungen schwer verletzt.

Ekkehard Wind
Mareike Patock

Spenge/Bielefeld. Bei dem Sturz aus dem zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses im Spenger Lönsweg haben sich zwei Kinder in der Silvesternacht schwer verletzt. Offenbar ein Familiendrama: Nach Angaben der Polizei soll der betrunkene Vater seine Söhne zum Sprung aus dem Fenster gedrängt haben. Die „Verdachtsmomente" gegen den 39-Jährigen hätten sich „durch die Ermittlungen bestätigt", teilte die Polizei Bielefeld am Dienstag mit. „Er hat gesagt, sie sollen springen – das steht im Raum", berichtete Hella Christoph von der Polizei-Pressestelle auf Anfrage der NW. Die Beamten nahmen den Mann vorläufig fest. Er selbst hat sich laut Polizei nicht zu dem Tatvorwurf geäußert. Dienstagmittag wurde er dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Der erließ einen Untersuchungs-Haftbefehl wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Passanten hatten die Polizei benachrichtigt Gegen 0.30 Uhr – kurz nach dem Jahreswechsel – hatten Passanten die Polizei in Herford benachrichtigt, dass in der Fußgängerzone ein verletztes Kind liege. Vor Ort fanden die Beamten dann zwei schwer verletzte Jungen im Alter von sechs und neun Jahren. Die Polizei verspricht sich von Zeugen nun Aufschluss über die tatsächlichen Vorgänge. Mehrere Fußgänger in der Straße hätten das Geschehen beobachtet, sagte eine Sprecherin der Polizei Bielefeld am Mittwoch. Sie würden nun befragt. Auch Horst Nölle wurde Zeuge des Vorfalls. Seit 2001 wohnt er in einem Nachbarhaus: „Nach dem großen Feuerwerk habe ich noch einen Rundgang durch Spenge gemacht", sagt der 70-Jährige. Gegen halb eins in der Nacht sei er auf dem Rückweg nach Hause gewesen. Auf dem Lönsweg habe er dann zwei schreiende Kinder auf dem Pflaster liegen sehen. Der ältere Junge habe auf dem Rücken gelegen und aus Nase und Mund geblutet. „Der Jüngere saß auf ihm drauf." Vermutlich sei er auf seinen Bruder gefallen. Was genau zuvor geschehen ist, hat Horst Nölle nicht gesehen. Beim Blick nach oben vermutet er jedoch sofort, dass die Kinder aus dem Fenster der zweiten Etage – dort wohnt der Vater – sieben, acht Meter in die Tiefe gestürzt sind. „Ich hatte gesehen, dass das Fenster oben ganz weit auf stand und die Dachrinne verbogen war." Auch die Polizei kommt nach ersten Ermittlungen zu diesem Schluss. Eines der Kinder musste zunächst stabilisiert werden Die herbeigeeilten Passanten verständigen neben der Polizei auch den Rettungsdienst. „Der Krankenwagen war sehr schnell da", sagt eine Nachbarin. Aber es habe lange gedauert, bis das Kind habe stabilisiert werden können. „Es muss schwer verletzt gewesen sein." Lebensgefahr besteht laut Polizei mittlerweile bei beiden Kindern nicht mehr. Nach dem Sturz der Jungen seien die Mutter, die im Haus gegenüber Silvester gefeiert habe, und auch der Vater verständigt worden, berichtet ein Anwohner. „Der Vater war aber so schwer betrunken, dass er nicht mehr stehen konnte." Der 39-jährige Vater lebt nach Angaben von Nachbarn getrennt von der Mutter der Kinder. „Aber die Kinder waren regelmäßig bei ihm", sagt eine Anwohnerin. Da die Umstände der Fensterstürze unklar sind, nimmt die Mordkommission „Löns" der Polizei Bielefeld mit Unterstützung der Polizei Herford die Ermittlungen auf. Der Verdacht gegen den Vater: versuchter Totschlag. Polizei macht keine Angaben zu möglichen Auffälligkeiten des Vaters Ob der Mann vorbestraft oder zuvor schon auffällig gegenüber seinen Kindern geworden ist, dazu machte Kathryn Landwehrmeyer von der Polizei Bielefeld gestern auf Anfrage keine Angaben. Auf seiner Facebook-Seite stellt sich der Spenger als ein Vater dar, der gern mit seinen Kindern zusammen ist. Zum Beispiel berichtet er von einem Besuch im Schwimmbad. Dass er seine Kinder zum Sprung aus dem Fenster gedrängt haben soll, ist für viele Nachbarn unvorstellbar. „Sowas würde ich ihm nicht zutrauen", sagt ein Anwohner. „Der Mann ist immer sehr nett und freundlich, und grüßt immer."

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