Vor laufenden Kameras: Pastor Ulrich Pohl hält im Adventsgottesdienst in der Zionskirche die Liturgie. Rechts neben dem Altar steht ein meterhoher Weihnachtsbaum, links die Krippe. - © Barbara Franke
Vor laufenden Kameras: Pastor Ulrich Pohl hält im Adventsgottesdienst in der Zionskirche die Liturgie. Rechts neben dem Altar steht ein meterhoher Weihnachtsbaum, links die Krippe. | © Barbara Franke

Bielefeld Große Show für Betheler Weihnachtsgottesdienst

Bodelschwinghsche Stiftungen: Mit einem Adventsgottesdienst ist das Festjahr zum 150. Jubiläum zu Ende gegangen. Die Aufzeichnung wird am 24. Dezember ab 9.30 Uhr gesendet. Ministerpräsident war zu Gast

Bielefeld. Der Fernseh-Gottesdienst in der Zionskirche begann mit einer kleinen Panne. "Die Mikrofone sind ausgefallen", verkündete Pastor Ulrich Pohl. Der freudigen Stimmung am dritten Advent tat das keinen Abbruch. Einige Minuten später stimmte die Gemeinde noch einmal das Eröffnungslied an, Pohl und Präses Annette Kurschuss traten erneut vor den Altar, der Gottesdienst konnte beginnen. Das ZDF hat gestern Morgen den Adventsgottesdienst in Bethel aufgezeichnet und da musste alles stimmen. Mit der Feier ging auch das Jubiläumsjahr "150 Jahre Bethel" offiziell zu Ende. Auch darum hatte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) die Einladung der von Bodelschwinghschen Stiftungen gerne angenommen, war früh aufgestanden und mit seiner Frau Susanne aus Aachen zu seinem ersten amtlichen Besuch nach Bethel gekommen. Das ZDF war schon seit Freitag mit rund 30 Mitarbeitern vor Ort. Die hatten die Technik aufgebaut, Licht- und Tonproben gemacht und am Samstag bei zwei Probedurchgängen den Ablauf des Gottesdienstes durchgeplant. "Das ist Routine", sagt Ulrich Hansen von der Redaktion "Kirche und Leben evangelisch", "doch ein Gottesdienst mit einem Ministerpräsidenten ist schon etwas Besonderes." Vier Kameras in der Kirche Vier Kameras schwenkten während des Gottesdienstes hin und her, nahmen Musiker, Gemeinde sowie prominente Gäste wie Christina Rau oder Landtagspräsident André Kuper in den Fokus. Zuvor hatte Pfarrerin Elke Rudloff, EKD-Beauftrage für TV-Gottesdienste, mit der Gemeinde geübt: "Singen Sie nicht nur kräftig, sondern auch fröhlich, damit die, die den Gottesdienst alleine vor dem Fernseher erleben, die Gemeinschaft erfahren." Da sich nicht alles auf die Sekunde planen lässt, gibt es kleine Tricks. Extra lange Orgeltöne am Ende von Liedstrophen sind das "Geheimzeichen" für die Gemeinde, dass die folgende Strophe nicht gesungen wird - denn mehr als 45 Minuten Sendezeit gibt es nicht. Gezeigt wird die Aufzeichnung erst am nächsten Sonntag, 24. Dezember, um 9.30 Uhr. Daher war der Gottesdienst sowohl für den dritten wie den vierten Advent konzipiert. So erzählte Präses Annette Kurschuss zu Beginn der Predigt: "Die letzten Handgriffe für das Fest sind jetzt getan." Sie ging auch auf die besondere Krippe in der Zionskirche ein. Dort gibt es Figuren, die nicht zum traditionellen Ensemble gehören - eine Krankenschwester etwa, einen Engel oder zwei kleine Vögel. Auf diese Figuren nahmen Menschen aus Bethel in kurzen Wortbeiträgen Bezug. Ludwig Kirsch (60) ist einer von ihnen. Nach einem Burnout konnte er nicht mehr als Bibliothekar arbeiten. In Bethel fand er einen neuen Anfang. Heute gehört er zu den Mitarbeitern der Briefmarkenaufbereitung. "Als ich ganz unter war, habe ich hier ein neues Leben gefunden. Bethel war mein Schutzengel", berichtete er. Oder Iris Winkel (55). Die Rollstuhlfahrerin arbeitet in der Industriemontage in der Werkstatt Kracks. Zwei Wellensittiche hat sie, die munter in ihrer Wohnung umherfliegen. "Das ist meine Familie." Während die Gottesdienstbesucher die beiden ebenso wie Krankenschwester Claudia Künzel und Diakon Wolfgang Roos-Pfeiffer nur als Sprecher vor der Krippe erlebten, werden Fernsehzuschauer mehr sehen. Redakteur Ulrich Hansen erklärt: "In die Aufzeichnung des Gottesdienstes werden 20 Sekunden lange Filme mit diesen Menschen eingeblendet. Zu sehen sind Szenen aus dem Haus Elim, aus der Briefmarkenstelle oder von einem Weihnachtsmarktbesuch mit Iris Winkel." Ministerpräsident gratuliert Pohl Bielefeld (bast). Einen prominenteren Gratulanten hätte Pastor Ulrich Pohl kaum haben können. Am Sonntag feierte der Vorstandsvorsitzende der von Bodelschwinghschen-Stiftungen seinen 60. Geburtstag. Dazu wünschte ihm auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet alles Gute. Am liebsten hätte Pohl seinen Geburtstag gar nicht öffentlich gemacht. Doch beim offiziellen Empfang zum Abschluss des Betheler Jubiläumsjahres im Assapheum kam er um die Glückwünsche und den Applaus von fast 300 Gästen nicht herum. Rainer Norden, Finanzvorstand der von Bodelschwinghschen Stiftungen, würdigte Pohl als „Seelsorger, unermüdlichen Arbeiter, Manager, Spendensammler und Netzwerker". Pohl sei stets ein aufmerksamer Zuhörer, der mit allen leicht ins Gespräch komme, „ob mit der Bundeskanzlerin, die er im Fahrstuhl zum Bethelbesuch eingeladen hat, oder mit dem Pförtner, mit dem er über Arminia diskutiert." Ulrich Pohl, früher Pastor und Superintendent in Lippe, war Leiter der Öffentlichkeitsarbeit in Bethel, bevor er 2008 zum Vorstandsvorsitzenden der von Bodelschwinghschen Stiftungen wurde. Er ist verheiratet und hat zwei Töchter. Während seiner Amtszeit sind die von Bodelschwinghschen-Stiftungen – mit rund 18.000 Mitarbeitern deutschlandweit eines der größten diakonischen Unternehmen in Europa – wirtschaftlich stark gewachsen. Etliche Einrichtungen, unter anderem in Ostdeutschland kamen hinzu. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 1,14 Milliarden Euro erreicht, das Spendenaufkommen wuchs auf die Rekordhöhe von fast 50 Millionen Euro. „Die diakonische Arbeit Bethels hat den modernen Sozialstaat geprägt", sagte Armin Laschet. Im Vordergrund stehe nicht Wirtschaftlichkeit, sondern die Hilfe für alte, kranke und behinderte Menschen. Das sei vor allem den Mitarbeitern und Ehrenamtlichen zu verdanken. Zudem sei Bethel etwa bei der Umsetzung des Teilhabegesetzes ein wichtiger Partner und Ratgeber für die Politik.

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