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Memory: Die Buchhandlung Thalia, die Fast-Food-Ketten Subway und KFC sowie das Modegeschäft Orsay werden durch ihren Einzug ins Loom künftig mehrfach in der Stadt vertreten sein. Sie eröffnen in dem Shopping-Center zusätzliche Filialen. - © Carsten Berger
Memory: Die Buchhandlung Thalia, die Fast-Food-Ketten Subway und KFC sowie das Modegeschäft Orsay werden durch ihren Einzug ins Loom künftig mehrfach in der Stadt vertreten sein. Sie eröffnen in dem Shopping-Center zusätzliche Filialen. | © Carsten Berger

Bielefeld Steht nach der Loom-Eröffnung die halbe Innenstadt leer?

Einige Geschäfte in der Innenstadt eröffnen in dem neuen Shopping-Center eine weitere Filiale. Andere ziehen komplett um und verlassen ihre bisherigen Räume. Was das für die City bedeutet

Ingo Kalischek
10.10.2017 | Stand 12.10.2017, 16:04 Uhr
Hoffnungsvoll: Jörg Beyer vom Handelsverband. - © Karin Prignitz
Hoffnungsvoll: Jörg Beyer vom Handelsverband. | © Karin Prignitz

Bielefeld. 110 Läden und Gastronomiebetriebe ziehen Ende Oktober in das Shopping-Center Loom ein. Ein genauer Blick zeigt: Ein gutes Dutzend von ihnen ist in der Innenstadt bereits vertreten - mit einer oder mehreren Filialen. Bahnt sich nun eine große Umzugs- und Leerstandswelle an? Nein. Viele Läden bleiben ihrem bisherigen Standort treu und eröffnen im Loom noch eine zusätzliche Filiale. Was bedeutet das für die Stadtentwicklung?

Die Buchhandlung Thalia eröffnet im Loom eine 360 Quadratmeter große Filiale mit zehn Mitarbeitern. Der Standort am Oberntorwall bleibt. Damit ist Thalia wieder doppelt in der Stadt vertreten. Das war zuletzt bis Dezember 2012 der Fall - damals direkt gegenüber am Jahnplatz (ehemalige Buchhandlung Boulevard). "Der Standort Bielefeld ist für uns sehr wichtig", erklärt Vertriebsdirektorin Agnes Wieland.

Auch das Geschäft Schuhpark aus Warendorf expandiert in Bielefeld und ist nach dem Einzug ins Loom künftig an drei Standorten vertreten. "Die zwei bisherigen Filialen bleiben bestehen", sagt Mitarbeiter Günter Kröger.

Subway und KFC eröffnen je eine zusätzliche Filiale

Zuversichtlich: Immobilienmakler Michael Fredebeul. - © Privat
Zuversichtlich: Immobilienmakler Michael Fredebeul. | © Privat

Ganze sechs Filialen bietet künftig das Fast-Food-Unternehmen Subway in Bielefeld an - allein drei in der City. "Im Loom eröffnen wir eine Filiale im Mini-Format", erklärt Franchise-Partner Viktor Gett. Sie soll 13 Quadratmeter groß sein, unterhalb einer Rolltreppe - mit Platz für 20 Kunden.

Auch die Fast-Food-Kette Kentucky Fried Chicken vergrößert sich in Bielefeld und bietet mit den Standorten Loom und Eckendorfer Straße künftig zwei Filialen an.

Eine zusätzliche Verkaufsstelle eröffnet das Damenmodengeschäft Orsay, das ebenfalls an der Bahnhofstraße vertreten ist. Auch Douglas breitet sich in Bielefeld aus und macht im Loom die dritte Filiale auf, ohne eine bisherige zu schließen. Gleiches gilt für Vodafone und das Schuhgeschäft Deichmann, das es seit zehn Jahren an der Bahnhofstraße gibt.

Einige machen ihre Filialen dicht

Aber nicht alle Geschäfte setzen auf Expansion. Einige machen ihre bisherigen Filialen für den Umzug ins Loom dicht. So zum Beispiel der Drogerie-Riese Rossmann. Die Filiale an der Bahnhofstraße wird Ende Oktober schließen, teilt eine Sprecherin mit. Stattdessen eröffnet Rossmann ein 800 Quadratmeter großes Geschäft im Loom, mit rund 15 Mitarbeitern. Insgesamt hat Rossmann sechs Verkaufsstellen in Bielefeld.

Das Reisebüro L'Tur wird seine bisherigen Räume an der Bahnhofstraße verlassen und ins Loom ziehen. Auch der Bielefelder Tickethändler Konticket räumt seine Filiale im Warenhaus Karstadt. "Wir waren ohnehin nur übergangsweise hier", erklärt Inhaber Mirko Puzic. Während der zweijährigen Bauarbeiten des Shopping-Centers habe Karstadt dem Tickethändler "ein Dach über dem Kopf gegeben" - nun geht es zurück in das ehemalige Gebäude der früheren City-Passage.

Auf den Umzug des G-Star-Ladens von der Niedernstraße ins Loom deutet bereits ein Schriftzug am Schaufenster des bisherigen Geschäfts hin: "Ladenlokal zu vermieten", heißt es dort.

"Einzelhandel nach und nach zerbröckelt"

Was passiert mit den Altstandorten? Rentieren sich in Bielefeld für einen Laden überhaupt mehrere Filialen? "Diese Fragen können wir erst in ein bis fünf Jahren beantworten", sagt Jörg Beyer vom Handelsverband OWL. Er verweist darauf, dass die ECE-Einkaufszentren in manch anderen Städten durchaus zu Leerständen geführt hätten, zum Beispiel im Hameln. "Dort ist der Einzelhandel um das Shopping-Center herum nach und nach zerbröckelt." Bielefeld müsse sich davor aber zunächst nicht fürchten, glaubt Beyer. Ein Grund sei, dass das Loom auf dem Gebiet der ehemaligen City-Passage entsteht.

"Ein Großteil der Verkaufsfläche war ja vorher schon da", sagt Beyer und spricht von einem "guten und richtigen" Standort. Dass einige Läden weitere Filialen eröffnen, erklärt sich Beyer auch damit, dass viele Mieter noch laufende Mietverträge an den bisherigen Standorten hätten.

Auch der Bielefelder Immobilienunternehmer Michael Fredebeul glaubt nicht, dass durch das Loom viele Leerstände entstehen. "Von der enormen Anziehungskraft werden auch die kleinen Geschäfte profitieren", sagt er. Ob diese mehrere Filialen halten können, müsse sich zeigen, sagt Fredebeul und ergänzt: "Das Loom wird den Standort Bielefeld stärken."

Ein Sinnbild für den derzeitigen Stand dürfte Fleischer Siegfried Damisch sein, der die Metzgerei Damisch in der Jahnplatz-Passage betreibt und ebenfalls eine weitere Filiale im Loom eröffnet. "Ich probiere das erst einmal aus und warte ab, ob sich zwei Standorte rentieren."

Kommentar

Nur ein Versuch

Gut zehn City-Läden ziehen ins Loom und eröffnen dort eine zusätzliche Filiale. Das ist eine Überraschung. Brauchen wir wirklich sechs Subway- und Rossmann-Läden in der Stadt? Drei Schuhgeschäfte derselben Sorte – und noch dazu drei Douglas-Läden? Noch wichtiger: Übernimmt sich der ein oder andere Laden dabei nicht? Ein Grund für die Expansion dürften oftmals laufende Mietverträge sein. Die wurden damals über bis zu 15 Jahre abgeschlossen – und können nun nicht einfach aufgelöst werden. Somit bleibt den Unternehmen nichts anderes übrig, als es zu probieren: mehrere Filialen in der Innenstadt. Ob sich das auch wirklich rentieren wird, steht auf einem anderen Blatt Papier.

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