Bezugsfertig: Die BGW errichtete das dreigeschossige Haus Heeper Straße 125 in Holzbautechnik, die durch die graue Verkleidung verdeckt ist. Die Stadt wird die 15 Wohnungen ab August an Flüchtlinge vermieten. - © Wolfgang Rudolf
Bezugsfertig: Die BGW errichtete das dreigeschossige Haus Heeper Straße 125 in Holzbautechnik, die durch die graue Verkleidung verdeckt ist. Die Stadt wird die 15 Wohnungen ab August an Flüchtlinge vermieten. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Das erste Haus für Flüchtlinge ist fertig und kann demnächst bezogen werden

Heeper Straße 125: Eigentümerin BGW vermietet dreigeschössiges Gebäude an die Stadt. Stadt-Tochter Solion baut und plant vier weitere Wohnhäuser in Sieker, Jöllenbeck, Stieghorst und Mitte

Joachim Uthmann

Bielefeld. Die Flüchtlingswelle ist abgeebbt – da ist in Bielefeld das erste extra für Flüchtlinge gebaute Wohnhaus fertig. Die Wohnungsgesellschaft BGW als Eigentümerin und Bauherrin übergab das Gebäude Heeper Straße 125 jetzt dem Immobilienservicebetrieb der Stadt (ISB) als Mieter. Die ersten Flüchtlinge werden in zwei bis drei Wochen einziehen, so Sozialmanager Oliver Klingelberg. Knapp zwei Jahre, nachdem der Flüchtlingsstrom die Stadt aufschreckte, zeigt das Ende 2015 von Baudezernent Gregor Moss (CDU) angeschobene Wohnungsbauprogramm erste Ergebnisse. Drei Listen mit je zehn Wohngebieten prüfte und prüft die Stadt. Über ihre Tochter Solion steigt sie sogar selbst in den Wohnungsbau ein. Doch das Ziel, schon 2016 erste bezugsfertige Wohnungen zu haben, war zu ehrgeizig. Planung, Finanzierung, Umsetzung waren schwieriger als erwartet. Pilotprojekt Holzbau Am schnellsten war die 75-Prozent-Stadttochter BGW mit zwei Wohnhäusern in Holzrahmenbauweise, die sich bei Kita-Bauten bewährt habe. Die Heeper Straße 125 mit 15 Wohnungen (40 und 62 Quadratmeter groß) ist fertig, das Haus Bisonweg in Senne mit acht Wohnungen folge in vier Wochen, so Geschäftsführerin Sabine Kubitza. Die BGW testet die Holzbautechnik an Wohnhäusern als Pilotprojekt. Das habe Zeit gekostet, weil das System angepasst werden musste, erklärt Kubitza. Trotzdem war die BGW so schneller als beim konventionellen Hausbau. Die Hoffnung, dass es auch billiger wird, erfüllte sich nicht. Brand- und Schallschutz erforderten mehr Aufwand. Die BGW kalkulierte rund 1,3 Millionen Euro für die Heeper Straße 125. Eine Endabrechnung gebe es noch nicht. Ohne Einrichtung Eine grau-grüne Fassade verkleidet die Holzkonstruktion, die aus Fertigteilen um einen Betonkern herum errichtet wurde und so nicht erkennbar ist. Kubitza findet die Optik „schön". Innen lässt die Akustik Holz als Baumaterial erahnen. Die Flüchtlinge, die einziehen, müssen die Wohnung vollständig selbst einrichten. „Das soll die Eigenverantwortung stärken", sagt Sozialdezernent Ingo Nürnberger (SPD). Zielgruppe seien vor allem Flüchtlinge, die schon länger hier leben und gute Aussichten auf ein dauerhaftes Bleiberecht haben. Der Bedarf an Wohnungen sei groß, weil Flüchtlinge aus den Unterkünften eine feste Bleibe erhalten sollen. Nürnberger: „Der Druck bleibt hoch." Neben den Wohnungen der BGW sollen durch Solion 64 weitere entstehen: Im Bau sind Dorfstraße (Jöllenbeck) und Siekerfelde (Sieker), die im Frühjahr 2018 fertig sein sollen. Bedarf weiter hoch Baubeginn in Kürze erwartet Jürgen Bültmann, kaufmännischer Leiter des ISB, an der Dr.-Viktoria-Steinbiß-Straße (Mitte) und Walter-Werning-Straße (Stieghorst), die Ende 2018 bezogen würden. An der Brackweder Straße blockieren Klagen zwei Projekte. Weitere plant die Stadt aktuell nicht, weil es an angepeilten Standorten rechtliche und planerische Hürden gebe. Zurückhaltend bleibt auch die BGW. Ob sie weitere Wohngebäude in der Technik realisiert, sei offen. Kubitza: „Wir werden die Erfahrungen des Pilotprojekts auswerten." Es fehle zudem an freien und verfügbaren Grundstücken. Fünf Jahre lang muss die Stadt die Heeper Straße 125 aufgrund der genutzten Fördermittel für Flüchtlinge nutzen. Dann kann sie hier nach Bedarf auch normale Sozialwohnungen vermieten. 20 Jahre Bindung Die Zweckbindung liegt bei 20 Jahren. Die Heeper Straße 125, die auf den Etagen barrierefrei ist, könnte mit Aufzug und Balkonen nachgerüstet werden. Jetzt sind nur fünf Parkplätze angelegt, bei Umnutzung wären 15 nötig. An der Stelle sind Rasen und Spielplatz mit Sandkasten geplant.

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