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In seinem Revier: Polizist Klaus Kühmel vor dem Ostmannturm auf dem Nelson-Mandela-Platz, dessen Benennung auf sein Engagement zurück geht. 18 Jahre lang war der Hauptkommissar das freundliche und vertrauenswürdige Gesicht der Polizei im Viertel. - © Oliver Krato
In seinem Revier: Polizist Klaus Kühmel vor dem Ostmannturm auf dem Nelson-Mandela-Platz, dessen Benennung auf sein Engagement zurück geht. 18 Jahre lang war der Hauptkommissar das freundliche und vertrauenswürdige Gesicht der Polizei im Viertel. | © Oliver Krato

Bielefeld Der beliebte Bielefelder Polizist Klaus Kühmel geht in Pension

Mit Ihm geht ein nahbarer, engagierter und in vieler Hinsicht unkonventioneller Polizist in Pension, der vor allem das Ostmannturmviertel positiv geprägt hat

Ansgar Mönter
20.07.2017 | Stand 19.07.2017, 20:21 Uhr

Bielefeld. Ein Rundgang durchs Viertel oder ein Tee in seinem Lieblingsimbiss „Ay" am Bahnhof reichen, um zu ermessen, was für eine Bedeutung Klaus Kühmel in den vergangenen 18 Jahren in seinem Kiez erlangt hat. Dauernd grüßt ihn jemand, fragt etwas, hält ein kleines Pläuschchen mit ihm; immer wieder grüßt er Passanten, nennt sie beim Namen, fragt kurz, wie es läuft, wünscht einen schönen Tag. Jeder kennt den Polizisten im Bezirksdienst, dessen Revier sich vom Bahnhof bis zur Seidenstickerhalle erstreckt. Die Menschen mögen ihn. Und sie vertrauen ihm. Kühmel ist für sie staatliche Respektsperson und manchmal persönlicher Freund in einem. Jetzt müssen sie ohne ihn auskommen. Der 62-Jährige geht in Pension. Vor allem im Ostmannturmviertel ist der Hauptkommissar in seinem Element. Hier, mitten zwischen Dutzenden Nationalitäten, noch mehr sozialen Problemen, aber ebenso engagierten Nachbarn ist er wie der gute Geist in Uniform. Kühmel hat einen gehörigen Anteil daran, dass es rund um den Turm eine Quartiersarbeit gibt, an der regelmäßig um die 40 Nachbarn mitarbeiten. „Angefangen haben wir mit drei oder vier Leutchen", erinnert er sich. Seine Idee war es außerdem, den Platz nahe des Turms nach dem südafrikanischen Freiheitssymbol Nelson Mandela zu benennen. „Damit habe ich mir ein Denkmal gesetzt", sagt Kühmel scherzend. Zu Fuß oder mit dem Rad ist er unterwegs gewesen, um nahbar zu sein für die Menschen im Viertel. Kühmel beschreibt den Sinn seiner Arbeit so: „Ich bin dafür da, dass sich die Leute in ihrem Stadtteil wohl und sicher fühlen und Vertrauen zur Polizei fassen." Bei Gelingen haben alle Seiten etwas davon. Die Nachbarschaft wird sicherer, die Polizei erfolgreicher bei der Aufklärung von Straftaten, „die zu 94 Prozent auf Hinweise von Bürgern beruhen", wie er sagt. Zwei persönliche Eigenschaften halfen Polizist Klaus Kühmel besonders: Er ist unvoreingenommen allen Menschen gegenüber, egal, wie sie wirken oder aussehen, woher sie kommen oder wie und wovon sie leben; und „ich bin auch nicht aufs Maul gefallen", wie er selbst sagt. Wenn ihm einer komisch kommt, gibt’s auch mal eine deutliche Ansage, ansonsten ist er Bürger in Uniform und stets für einen lockeren Spruch oder Spaß zu haben. Sein Entertainertalent hat er 17 Mal beim Stadtteilfest am Ostmannturm bewiesen. Kühmel moderierte die Veranstaltung in der Regel, meist mit der Ansage: „Achtung, Achtung, hier spricht die Polizei". Er spielt mit der Rolle als Polizist, sofern das angebracht ist. Den Festbesuchern und Nachbarn hat es gefallen. Von Kollegen gab’s deshalb auch mal Kritik an seiner hemdsärmeligen Art. Aber er steht dazu. Seine Unverstelltheit ist schließlich sein Erfolgsrezept im Kiez, über fast zwei Jahrzehnte erprobt. Klaus Kühmel hat mit Prostitution zu tun gehabt, mit Drogenabhängigen, Trinkern, Spinnern, Menschen, die ihn verarschen wollten und blöd anmachten. Und er hat mit Menschen zu tun gehabt, die ein großes Herz haben, engagiert sind, Schutz suchten oder einfach ihre Ruhe haben wollten. Sein Ziel war es, das an positiver Veränderung zu erreichen, was ihm als Polizist und einzelner Mensch möglich ist. Dass er das geschafft hat, ist das größte Klaus-Kühmel-Denkmal im Viertel.

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