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Eine Jurastudentin ist endgültig durch ihre mündliche Prüfung gefallen, weil sie fünf Minuten zu spät erschien. - © Symbolfoto: dpa
Eine Jurastudentin ist endgültig durch ihre mündliche Prüfung gefallen, weil sie fünf Minuten zu spät erschien. | © Symbolfoto: dpa

Bielefeld/Rheda-Wiedenbrück Klage abgewiesen: Jurastudentin fällt wegen fünfminütiger Verspätung durchs 1. Staatsexamen

Missverständnis oder falsche Auskunft? Junge Frau aus Rheda-Wiedenbrück kann ihren Entschuldigungsgrund nicht beweisen. Oberverwaltungsgericht bestätigt Urteil aus der ersten Instanz

Jens Reichenbach
20.06.2017 | Stand 20.06.2017, 18:10 Uhr

Bielefeld/Münster. Eine Jurastudentin der Uni Bielefeld ist wegen einer fünfminütigen Verspätung bei ihrer mündlichen Prüfung endgültig durchs 1. Staatsexamen gefallen. Ihre Klage gegen die Entscheidung wurde jetzt auch in zweiter Instanz vom Oberverwaltungsgericht Münster abgewiesen. Was war passiert? Die Studentin aus Rheda-Wiedenbrück war laut Gerichtssprecher Ulrich Lau, zuvor bereits zweimal durch die schriftliche Prüfung gefallen. Im dritten und letzten möglichen Anlauf hatte sie es diesmal bis zu den mündlichen Prüfungen am 21. Januar 2015 geschafft. Am Tag der drei Pflichtfachprüfungen lief es ganz gut für sie, sagte die Studentin nun vor Gericht. Bis der Prüfungsausschuss eine Pause einlegte. "Um 11.30 Uhr sollte es weitergehen", berichtete Lau. "Das hat ein Wachtmeister des Landgerichts der Studentin auch nochmal mitgeteilt, als diese das Gebäude verließ, um mit einer Freundin einen Kaffee zu trinken." Als sie um 11.50 Uhr zurückkehrte, war sie bereits durchgefallen Diese hatte nach Aussagen ihres Rechtsanwalts Jan-Christian Hochmann aber verstanden, dass der zweite Teil der mündlichen Prüfung - das gemeinsame Rechtsgespräch mit den anderen Prüflingen - um 12.30 Uhr fortgeführt werde. Deshalb fehlte die Studentin auch, als es um 11.30 Uhr weitergehen sollte. Der Prüfungsvorsitzende im Landgericht Bielefeld wartete bis 11.45 Uhr. Dann wurden die Türen endgültig geschlossen. Als die Studentin aus ihrer Sicht 40 Minuten zu früh - also um 11.50 Uhr - wieder den Prüfungssaal betreten wollte, blieben für sie die Türen zu. Die Studentin war in diesem Moment endgültig durchgefallen. Laut Gerichtssprecher Lau kam das Gericht zu der Erkenntnis, dass ihr verspätetes Erscheinen "nicht unverschuldet" war und wies die Klage der Frau wegen eines fehlenden Entschuldigungsgrundes genauso zurück wie es schon das Verwaltungsgericht in Minden getan hatte. Der Beweis, dass sie eine falsche Uhrzeit gesagt bekommen habe, gelang der Klägerin nicht. Eine Revision gegen das Urteil wurde nicht zugelassen. Anwalt spricht von Unverhältnismäßigkeit "Sowohl in Minden als auch jetzt in Münster hatten wir das Gefühl, dass den Richtern meine Mandantin leid tat", sagte  Anwalt Hochmann. Er wies in der Verhandlung deshalb auch auf die Verhältnismäßigkeit hin. "Sie musste ihr komplettes Studium hinwerfen, obwohl sie faktisch nur fünf Minuten zu spät kam." Denn ihr Fehlen in der Strafrechtsprüfung schlug auf die anderen beiden Prüfungen durch, erklärte Lau. Somit war sie durchgefallen. "Wir hatten gehofft, dass man die verpasste Teilprüfung mit null Punkten bewertet, dann hätte meine Mandantin dies in den beiden anderen Prüfungsteilen noch auffangen können." Doch das Prüfungsgesetz sieht diese Aufteilung nicht vor. Die drei mündlichen Prüfungen werden als Prüfungseinheit definiert. Die Studentin nahm das Urteil enttäuscht entgegen: "Es wäre für sie leichter zu akzeptieren gewesen, wenn sie wegen schlechter Leistungen durchgefallen wäre", berichtete Hochmann anschließend. Auch aus Sicht der Gerichte war dieser Fall bisher einmalig.

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