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Die Kommunikation mit Wachkoma-Patienten ist für viele Angehörige nicht so einfach. Dafür haben Bielefelder Forscher an einem Kommunikationsmittel mitgearbeitet. - © picture alliance / dpa
Die Kommunikation mit Wachkoma-Patienten ist für viele Angehörige nicht so einfach. Dafür haben Bielefelder Forscher an einem Kommunikationsmittel mitgearbeitet. | © picture alliance / dpa

Bielefeld Bielefelder Gehirnforscher entwickeln Kommunikationssystem für Wachkoma-Patienten mit

Programm liest Gehirnsignale von hirngeschädigten Menschen und übersetzt sie für andere Menschen

Andrea Sahlmen
24.05.2017 | Stand 24.05.2017, 14:49 Uhr

Bielefeld (epd). Bielefelder Gehirnforscher entwickeln ein neues Kommunikationssystem für Wachkoma-Patienten mit. Grundlage des „NeuroCommTrainers" ist ein Programm, das Gehirnsignale von schwersthirngeschädigten Menschen liest, versteht und für andere Personen übersetzt, wie die Universität Bielefeld am Mittwoch erklärte. So sollen die Patienten etwa auf Fragen mit „Ja" und „Nein" antworten können. Das Computersystem erfasst dabei auch Reaktionen der Finger und Hände auf Basis von Temperatur-, Kontakt-, Kraft-, und Dehnungssensoren. Auf Basis von EEG-Technologien wird außerdem ein Langzeitmonitoring der Gehirnaktivität ermöglicht. Bei dem dreijährigen Forschungsvorhaben arbeitet die Uni Bielefeld mit der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg zusammen. Projektpartner sind die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel in Bielefeld und zwei Unternehmen. Der Bund stellt den Angaben nach insgesamt rund 1,8 Millionen Euro zur Verfügung. Ins Wachkoma fallen Menschen, wenn sie aufgrund eines Unfalls oder eines Schlaganfalls schwere Hirnschädigungen erlitten haben. Oft gingen die Ärzte davon aus, dass die Koma-Patienten vegetativ sind, also ohne Bewusstsein, hieß es. „Doch in mehr als einem Drittel der Fälle erweist sich das als Fehldiagnose", sagte die Bielefelder Gehirnforscherin und Projektleiterin Johanna Kißler. Es gebe zwar bereits Gehirn-Computer-Schnittstellen, durch die Menschen über Hirnsignale kommunizieren können. Sie eigneten sich aber nicht für bewusstseinsgestörte Patienten. Das System, das die Forscher entwickeln, erkennt den Angaben nach die Phasen, in denen Wachkoma-Patienten am besten ansprechbar sind. Außerdem trainiere es Patienten dabei, ihre Aufmerksamkeit und damit ihre Hirnsignale zu lenken, sagte Kißler. Der erste Testlauf des „NeuroCommTrainers" beginnt den Angaben nach noch im Mai in der Betheler Alteneinrichtung „Haus Elim" in Bielefeld. Gleichzeitig arbeitet eine Forschungsgruppe von Neuroinformatikern an der Analyse der EEG-Signale. Eine weitere Gruppe entwickelt Methoden, die EEG-Daten schließlich in Klänge umzuwandeln, etwa durch akustische Vibrationen.

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