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Das „Bielefelder Flutlicht" ist seit 2016 auf dem Markt. Weil sein Werbeslogan möglicherweise die Konkurrenz verunglimpfe, wurde er abgemahnt. - © Andreas Frücht
Das „Bielefelder Flutlicht" ist seit 2016 auf dem Markt. Weil sein Werbeslogan möglicherweise die Konkurrenz verunglimpfe, wurde er abgemahnt. | © Andreas Frücht

Bielefeld Abmahnung für Werbespruch von Bielefelder Bier "Flutlicht"

Wettbewerbszentrale: Start-up-Unternehmer Mike Cacic muss seinen 
frechen Werbeslogan „Endlich kein Bier mehr aus Herford“ entfernen

Jens Reichenbach
23.05.2017 | Stand 23.05.2017, 15:09 Uhr

Bielefeld. Das „Bielefelder Flutlicht" ist ein obergäriges Bier, das es seit einem Jahr zu trinken gibt. Zunächst gab es das Craftbeer des Bielefelders Mike Cacic nur aus dem Fass, seit November auch in Flaschen. 55.000 davon hat er mit seinem Ein-Mann-Unternehmen „Ravensberger Brauerei" bereits verkauft. Doch Anfang Mai flatterte nun eine Abmahnung bei ihm in den Briefkasten: von der Wettbewerbszentrale. Die „Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs" hat den Jungunternehmer kalt erwischt. Denn Sie kritisiert Cacic auf zwei Ebenen: Einerseits bewerbe er sein Produkt zwar als Bielefelder Bier, tatsächlich werde es aber seit November in der Schlossbrauerei Rheder in Brakel (Kreis Höxter) gebraut. „Unsere Brauerei in Senne war schnell zu klein. Um Flaschen abzufüllen, brauchte ich eine größere", sagt der 28-Jährige. "Das haben wir auch immer öffentlich gesagt." "Unzulässige Schmähkritik" Andererseits sei Cacics Werbeslogan „Endlich kein Bier mehr aus Herford" eine Verunglimpfung des Mitbewerbers, besagt die Abmahnung. Eine gleichzeitig eingetroffene Unterlassungserklärung sollte den Bielefelder nun dazu zwingen, künftig kein „Bielefelder Flutlicht" mehr zu verkaufen, das nicht in Bielefeld gebraut wurde. Auch der freche Werbespruch, der sich offensichtlich auf den ostwestfälischen Biergiganten aus der Nachbarstadt bezieht, dürfe nicht mehr verwendet werden. Die Wettbewerbszentrale, die sich als Selbstkontrollinstitution der deutschen Wirtschaft bezeichnet, spricht hier von „unzulässiger Schmähkritik". „Die kann ich alle wegwerfen", sagt der 28-Jährige Der Start-up-Unternehmer, der nicht nur mit seinem Bier in Bielefeld für eine gewisse Nachfrage gesorgt hat, ist bei seinen Kunden dadurch in Erklärungsnot geraten: „Viele haben bei Craftbeer-Festivals nach meinen Aufklebern mit dem Werbespruch gefragt. Die hatte ich zuletzt gar nicht mehr dabei." Sein Spruch stand auf allen möglichen Werbeaufstellern, auf dem Karton des Flutlicht-Viererträgers, auf T-Shirts und Pullovern. „Die kann ich alle wegwerfen", sagt der 28-Jährige. Denn Cacic will das Prozesskostenrisiko, gegen eine Unterlassungsklage vorzugehen, nicht eingehen. „Mit dem Ort der Brauerei haben sie ja Recht", räumt er ein. Eine Irreführung will der Bielefelder aber nie begangen haben. "Wir haben unser erstes Bier in Bielefeld gebraut. Bis wir zu erfolgreich wurden. Fürs Etikett wird lebensmittelrechtlich nur die Nennung des Unternehmenssitzes gefordert und der ist in Bielefeld." Mit der Wettbewerbszentrale hat er deshalb jetzt eine Lösung ausgehandelt, wonach er künftig auf das Etikett „gebraut in Brakel" drucken muss. Im Fall des Herford-Spruches hat ihm ein Fachanwalt immerhin eine 50-zu-50-Chance eingeräumt, die mögliche Unterlassungsklage abzuwehren. „Es ist keine vergleichende Werbung. Er hat mir trotzdem geraten, klein beizugeben. Denn wenn ich verliere, kann es existenzbedrohend werden." Laut Verhandlung hat der Ein-Mann-Unternehmer noch Zeit bis zum 1. Juli, um all seine 4.000 gelagerten Viererpappträger mit dem strittigen Slogan zu verkaufen. Und bis zum 1. Oktober hat er noch Zeit seine 320.000 Bierflaschenetiketten zu verbrauchen. Beides wird der Einzelhandelskaufmann nicht komplett bis Fristende schaffen: „Ich rechne deshalb mit einem Schaden von bis zu 5.000 Euro." Angesichts seines Startkredites in Höhe von 25.000 Euro ist das für ihn ein schwer verdaulicher Schlag. Für einen Experten aus der Branche ist dieser juristische Angriff auf den aufstrebenden Minikonkurrenten typisch: „Die greifen möglichst früh an, weil sich der Neuling dann noch nicht auf einen Rechtsstreit einlassen kann."

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