Bielefeld Tiefgarage der Uni Bielefeld jahrelang zu Unrecht gesperrt

Gerangel um Parkplätze - nun will sich die Hochschule rechtlichen Vorgaben beugen

Hanna Paßlick
30.03.2017 | Stand 30.03.2017, 13:52 Uhr

Bielefeld. Einen Parkplatz unterhalb des X-Gebäudes der Uni Bielefeld zu ergattern, galt lange Zeit als Glücksfall. Theoretisch könnten hier 720 Autos stehen. Praktisch aber gab es in den vergangenen drei Jahren nur 376 Plätze. Was fehlte, war die zweite Parkebene. Die ist zwar vorhanden, war aber bis auf eine vierwöchige Testphase noch nie offen. Das soll sich künftig ändern. Auf Anfrage dieser Zeitung gab die Uni gestern Abend bekannt, dass sie der Aufforderung des Bau- und Liegenschaftsbetriebes (BLB) NRW nachkomme, das Parkdeck zu öffnen. Dessen Schließung sei nicht rechtens gewesen. Rückblick Eine Mitarbeiterin der Hochschule, die tagtäglich mit dem Auto zur Arbeit fährt, hatte sich mit einer Bitte an diese Zeitung gewandt: Sie wollte wissen, warum die zweite Ebene der Tiefgarage gesperrt sei und wie lange dieser Zustand noch anhalten werde. Die beengte Parksituation sei im Alltag hinderlich. Vor allem im Semester führe sie zu einer "Dauernot an Parkplätzen mit permanent falsch und gefährlich parkenden Autos". Von der Uni, so die Frau (Name ist der Redaktion bekannt), habe sie bislang keine einleuchtende Antwort auf die Frage nach der Tiefgarage erhalten. Kosten und Nutzen Auf Nachfrage erklärte der Pressesprecher der Hochschule, dass die Öffnung der zweiten Parkebene bei einer wöchentlichen Reinigung jährliche Wartungskosten von rund 40.000 Euro verursachen würde. Zu viel Geld für ein Parkdeck, das der Uni zufolge kaum genutzt werde. Denn: Es werde regelmäßig kontrolliert, ob in den Parkhäusern 1 bis 3 entlang der Universitätsstraße ausreichend Parkplätze zur Verfügung stehen, so die Pressestelle weiter. Weil das der Fall sei, habe man bislang keine Notwendigkeit gesehen, in der Tiefgarage aktiv zu werden. Fragen Ein Autofahrer, der gegen Abend die Uni-Tiefgarage verließ, gab der NW die Frage mit auf den Weg, warum überhaupt eine zweite Parkebene gebaut worden sei, wenn sie doch nie nicht genutzt werde. Weil der Bau des X-Gebäudes insgesamt rund 130 Millionen Euro gekostet hat, spricht der Mann von einer Millioneninvestition, die sinnlos beerdigt worden sei. Die Uni-Pressestelle begründet den Bau der zweiten Parkebene daraufhin mit einer baulichen Auflage. Der BLB bestätigt das. Weil durch den Neubau rund 900 Parkplätze weggefallen seien, sollten damals etwa 760 Ausgleichsplätze geschaffen werden. Dementi Ein Wissenschaftler der Uni erklärt gegenüber, er habe gehört, dass die Unterhaltskosten gar nicht der eigentliche Grund für die Schließung seien. Vielmehr habe die Absperrung des Parkdecks mit baulichen Mängeln an der Decke der Tiefgarage zu tun. Carsten Pilz, Sprecher des BLB NRW mit Sitz in Bielefeld, dementiert diese Behauptung. Ihm sei nicht bekannt, dass die Sperrung der zweiten Tiefgaragenebene mit baulichen Problemen bei der Durchfahrtshöhe zusammen hänge. Nach Recherchen des BLB-Sprechers beträgt die Höhe dort zwei Meter. "Das ist eine gängige Standardhöhe und ermöglicht ein Befahren auch mit etwas höheren Fahrzeugen", so Pilz. Schreiben des BLB Die Aufforderung der Behörde, das zweite Parkdeck der Tiefgarage zu öffnen, sei laut Uni bereits am 21. März eingegangen. In dem Schreiben weise der Bau- und Liegenschaftsbetrieb die Hochschule darauf hin, dass das Parkdeck aus baurechtlichen Gründen zu öffnen sei. Alternativ müsse die Hochschule sonst eine Nutzungsänderung beantragen. Diskussion Auch wenn das Parkdeck nun geöffnet werden soll - klein beigeben will die Uni nicht. Sie hält an ihrem Standpunkt fest, dass die zusätzlichen Parkplätze nicht gebraucht würden. Nun soll geprüft werden, ob das zweite Parkdeck womöglich wenigstens in den Semesterferien geschlossen bleiben könnte. Die Wirtschaftlichkeit der Öffnung ist am kommenden Mittwoch Thema in der Finanzkommission der Uni.

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