Bröselig: Auf der Arndtstraße, Ecke Große-Kurfürstenstraße, ist der Asphalt an einem Gullideckel porös. Zweiradfahrer müssen um diese Stelle einen Bogen machen, sonst könnten sie ein Problem bekommen. - © Andreas Frücht
Bröselig: Auf der Arndtstraße, Ecke Große-Kurfürstenstraße, ist der Asphalt an einem Gullideckel porös. Zweiradfahrer müssen um diese Stelle einen Bogen machen, sonst könnten sie ein Problem bekommen. | © Andreas Frücht

Bielefeld Bielefelds Straßen sind wegen ihres Alters schlaglochanfällig

Stadt schließt nicht alle Schlaglöcher

Bielefeld. Wie "Dresden 1945" sehe die Straße Flehmannshof aus, schreibt einer; "da sind die Straßen in der Ukraine besser", mosert ein anderer allgemein. Bielefelds Schlaglöcher sind gerade Thema auf der NW-Facebook-Seite - und nicht nur da. Auto, Rad- und Mopedfahrer merken es: Der Winter hat mal wieder dem Asphalt ordentlich zugesetzt. Aber das ist nicht das einzige Problem mit Bielefelds Straßen. 6.000 Winterwetter-Löcher hat der Umweltbetrieb dieses Frühjahr zu stopfen auf den 1.200 Kilometern städtischer Straßen. In anderen Jahren waren es auch schon mal 10.000 Löcher; der Winter war vergleichsweise milde mit wenig Temperaturschwankungen. Aber es gibt noch etwas, was die Lage deutlich erschwert: "das recht hohe Alter" der Fahrbahnen, wie Dirk Vahrson vom Amt für Verkehr erklärt. 28 Jahre alt sind Bielefelds Straßen im Durchschnitt. Das ist zu hoch. Von einem "überalterten Netz" spricht Vahrson. Zwar werde die Haltbarkeit einer Fahrbahn auf 40 Jahre taxiert, aber um mit der Instandhaltung nachzukommen, "müssten jedes Jahr 30 Kilometer erneuert werden, 5 Kilometer schaffen wir aber nur", sagt der Teamleiter Straßen und Gleise beim städtischen Amt. Ein Trick verschafft etwas Luft Der Grund ist klar: Es fehlt Geld. Daran wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. "Wir haben immer den Konflikt, wofür das Geld ausgeben", sagt Georg Fortmeier. Er ist Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses. Zusätzliche Mittel könnten nur durch Zuschüsse vom Land beantragt werden. Die gibt es bei Grundsanierungen wie an der Voltmannsstraße. Dort trägt das Land 80 Prozent der Kosten. So lange sich grundsätzlich an der Unterfinanzierung für die Straßeninstandhaltung nichts ändert, arbeiten Amt und Umweltbetrieb mit einem Trick, der ihnen Luft verschafft. Sie sanieren die Fahrbahnen zumindest so, dass die wenigstens 15 Jahre halten. "Das hat schon einiges gebracht", sagt Vahrson. Ewig kann man das aber so auch nicht machen. Die großen Arbeiten werden so nur aufgeschoben, nicht erledigt. In diesem Frühjahr werden für die Schlaglochbeseitigung etwa 800.000 Euro veranschlagt. Insgesamt stehen 18 Millionen Euro für Bielefelds Straßen zur Verfügung, 7 Millionen kommen von der Stadt, der Rest aus anderen Steuerquellen. Hindernisse bleiben erhalten Rund 200 Tonnen so genanntes Kalt- und Heißmischgut werden in die Schlaglöcher gefüllt. Etliche dieser Verkehrshindernisse werden den Bielefeldern jedoch erhalten bleiben. Für den Auto-Club Europa (ACE) und die Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt ist das ein Ärgernis. Zusammen wollen sie Druck ausüben auf die Kommune mit einem Schlaglochmelderegister. "Manche Straßen haben seit Jahren keine Ausbesserung gesehen und sind so eine echte Unfallgefahr", warnt Sabine Katzsche-Döring von der Gewerkschaft. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die öffentliche Infrastruktur weiter verfällt", lautet ihr Appell. Natürlich verspricht sie sich von dem Druck Aufträge für die heimischen Betriebe - und damit Arbeit für Gewerkschaftsmitglieder. Allerdings stehen die Städte - neben dem fehlenden Geld - vor einer Schwierigkeit, für die sie keine Lösung haben können. Vor Jahrzehnten gebaute Straßen sind für den heutigen Verkehr nicht konstruiert. Vor allem das enorm gestiegene Lkw-Aufkommen setzt den Fahrbahnen zu. "Ein 40-Tonner richtet so viel Schaden an wie 100.000 Autos", erklärt Vahrson.

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